Integrationsmotor Arbeitsmarkt "stottert" laut AK-Studie
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von AgenturenViele Migranten arbeiten am Bau
Bild: APA/APA/THEMENBILD/HARALD SCHNEIDER
Der Integrationsmotor Arbeitsmarkt "stottert", haben Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl und Foresight-Geschäftsführer Christoph Hofinger festgestellt. Eine neue Studie des Foresight-Instituts im Auftrag der AK zeigt, dass ausländische Beschäftigte in Branchen überrepräsentiert sind, in denen die Integration in die Gesellschaft nicht so leicht gelingt, erklärte Letzterer bei einer Pressekonferenz am Freitag. Anderl will die Ergebnisse als "Weckruf" verstanden wissen.
Viele Migrantinnen und Migranten arbeiten etwa in der Beherbergung und Gastronomie (60 Prozent der Beschäftigten hatten eine ausländische Staatsbürgerschaft), der Land- und Forstwirtschaft (49 Prozent) oder am Bau (32 Prozent). Dabei handle es sich oft um physisch anstrengende Jobs, die ungünstige Arbeitszeiten und geringere Löhne bieten, so Hofinger.
Migranten mit Arbeitssituation unzufriedener
Die Studie basiert auf der Auswertung verschiedener Datensätze sowie auf Interviews. Nur 44 Prozent der ausländischen Beschäftigten geben demnach an, mit ihrem Einkommen sehr gut auszukommen bzw. dass dieses völlig ausreicht (Österreicher: 52 Prozent), 77 Prozent haben regelmäßige Arbeitszeiten (Österreicher: 83 Prozent) und 83 Prozent empfinden keine Belastung durch Einsamkeit oder Isolation in der Arbeit (Österreicher: 91 Prozent). 60 Prozent der Migranten sind mit dem Inhalt und der Art ihrer Arbeit zufrieden (Österreicher: 75 Prozent), 55 Prozent sagen, dass ihre Qualifikation den Anforderungen entspricht (Österreicher: 71 Prozent). Würde man westeuropäische Arbeitskräfte herausrechnen, wäre die Differenz zwischen Österreichern und ausländischen Beschäftigten noch größer, so Hofinger.
Die Erwerbstätigenquote ist bei ausländischen Staatsbürgerinnen und -bürgern mit 69 Prozent etwas niedriger als bei Österreicherinnen und Österreichern mit 75 Prozent. Hier gebe es noch Potenzial zu heben, sagte Hofinger. Zugleich haben ausländische Staatsbürger häufiger als Österreicher Erfahrung mit Arbeitslosigkeit (40 vs. 36 Prozent) und Angst vor Arbeitsplatzverlust (20 vs. 11 Prozent). Sie üben mit 16 Prozent auch öfter eine Leiharbeit aus oder haben eine befristete Stelle als Österreicher mit 10 Prozent.
Kritik an Ruf nach "Integration durch Leistung"
Politik und Gesellschaft würden Integration durch Leistung fordern, kommentierte Hofinger. In allen untersuchten integrativen Dimensionen seien Migranten aber unzufriedener oder erleben stärkere Belastungen. Den Ruf nach Integration durch Leistung in der Debatte rund um zugewanderte und geflüchtete Menschen findet Anderl deshalb "fragwürdig, wenn nicht respektlos". Die Studienergebnisse seien beschämend für Österreich. Liberalisierung, Flexibilisierung und die Zunahme atypischer Beschäftigungsverhältnisse hätten dazu geführt, dass der Arbeitsmarkt viel von seiner integrativen Kraft verloren habe.
Die AK-Präsidentin forderte eine massive Verbesserung der Bedingungen am Arbeitsmarkt, sowohl Betriebe als auch die Politik seien in der Verantwortung. Programme zur Unterstützung zugewanderter und geflüchteter Menschen müssten ausreichend finanziert werden. Verbesserungen seien zudem bei der Anerkennung von in anderen Ländern erworbenen Kompetenzen nötig.
2024 gab es in Österreich laut Studie rund eine Million unselbstständig Beschäftigte mit ausländischem Pass, das war in etwa ein Viertel aller Beschäftigten. Die meisten von ihnen kamen aus Deutschland (rund 128.000), Ungarn (125.000) und Rumänien (79.000). Auch die Herkunftsländer von Flüchtlingen finden sich - wenn auch weiter unten - in der Liste: Rund 23.000 Syrerinnen und Syrer sowie 20.000 Afghaninnen und Afghanen sowie Ukrainerinnen und Ukrainer waren 2024 in Österreich unselbstständig beschäftigt.
FPÖ spricht von Propaganda
Der Gewerkschaftsbund (ÖGB) pflichtete der Arbeiterkammer bei und forderte u.a. die leichtere Anerkennung von Abschlüssen, mehr Sprachförderung und eine flächendeckende Kinderbetreuung. Ganz anders die FPÖ: Arbeitssprecherin Dagmar Belakowitsch warf Anderl vor, "Propaganda für Massenzuwanderung" zu betreiben. Diese Massenzuwanderung bringe "unseren Sozialstaat und den Arbeitsmarkt an den Rand des Kollapses". Am Niedriglohnsektor sei "das System der Einheitspartei aus ÖVP, SPÖ, NEOS und Grünen" schuld, dieser sei aufgrund der "Politik der offenen Grenzen" entstanden. "Heimische Arbeiter, aber auch anständige Unternehmer, werden in einen ruinösen Wettbewerb mit billigen Arbeitskräften aus dem Ausland gezwungen", beklagte Belakowitsch.
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