ÖFB-Chef Pröll wünscht sich"Optimismus und Tempofußball"

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Pröll hofft auf WM-Euphorie

Bild: APA/APA/GEORG HOCHMUTH/GEORG HOCHMUTH


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Nach einem Jahr an der Verbandsspitze begleitet Josef Pröll das ÖFB-Team zu dessen erster WM-Teilnahme seit 1998. Der Aufsichtsratschef fliegt nächsten Sonntag (14. Juni) ins Teamcamp nach Santa Barbara und von dort auch zu den ersten beiden Gruppenspielen der Auswahl von Teamchef Ralf Rangnick. Im Interview mit der APA - Austria Presse Agentur sprach der 57-jährige Niederösterreicher über seine WM-Erwartungen, die völkerverbindende Kraft des Fußballs und Donald Trump.

APA: Unter welchen Voraussetzungen wäre die WM für Sie als Erfolg zu verbuchen?

Pröll: "Mit der Qualifikation und der Euphorie, die in Österreich entstanden ist, ist schon einmal ein wichtiger Schritt gesetzt. Das Sechzehntelfinale ist natürlich angestrebt. Wenn es uns gelingt, in der Gruppenphase offensiven und begeisternden Fußball zu bieten, wäre das eine logische Weiterentwicklung von dem, was wir in den letzten Jahren unter Ralf Rangnick gesehen haben. Das würde die Fans und uns weiter begeistern, dann können wir aus dieser WM auch Kraft und Energie schöpfen für die nächsten Aufgaben."

APA: Der Teamchef sagt, er will weiter kommen als bei der EURO. Worauf wird es aus Ihrer Sicht ankommen, damit das klappt?

Pröll: "Wir als ÖFB haben die Rahmenbedingungen so gestaltet, wie wir alle, und auch der Teamchef und das Team, uns das vorgestellt haben. Jetzt geht es darum, dass man den sportlichen Erfolg, der sich ja auch in den Freundschaftsspielen gezeigt hat, in die Gruppenphase bringt. Das liegt dann am Team und am Teamchef in der Ausrichtung. Dann kann der Wunsch durchaus in Erfüllung gehen."

APA: Sie haben die Rahmenbedingungen angesprochen. Der ÖFB investiert beträchtliche Summen in das WM-Quartier und auch den Staff, der mehr Personen als Spieler umfasst. Erhöht dieses Investment in irgendeiner Form auch die Erwartungshaltung?

Pröll: "Die Erwartungshaltung hat das Team selbst mit der Quali-Phase und davor der EM in Deutschland gelegt. Da haben sie gezeigt, was sie können, und das ist auch die Benchmark. Es geht darum, die WM mit Optimismus und Tempofußball zu bestreiten. Wir haben unseren Anteil geleistet und erwarten uns diesen Spirit und diese Leistungsfähigkeit jetzt auch bei der WM. Ich bin total optimistisch, dass die Mannschaft das auf den Boden bringt."

APA: Welche Bedeutung hätte ein gutes Abschneiden für den gesamten österreichischen Fußball?

Pröll: "Nach 28 Jahren blickt ganz Fußball-Österreich auf diese WM. Sie ist ein Anziehungspunkt für viele Kinder, Jugendliche, Mädchen und Burschen, sich dem Fußball zu nähern, sich zu begeistern und dann vielleicht auch die Basis in unseren Vereinen zu verbreitern. So gesehen kann diese WM schon einen wichtigen Schub für den Gesamtfußball in Österreich bringen."

APA: Könnte es auch dem Thema Infrastruktur, sprich Nationalstadion, eine Art Rückenwind verleihen, wenn es gut geht?

Pröll: "Wir wünschen uns eine Multifunktionsarena für Österreich. Ich glaube schon, dass vom sportlichen Erfolg bei der WM, von dieser Euphorie, ein Rückwind für dieses Projekt in der Bevölkerung entstehen kann. Dazu sieht man auch, in welchen Stadien wir in Amerika spielen. Die suchen ihresgleichen und setzen international Benchmarks bei der Funktionalität. Das zusammen kann in dieser Frage durchaus etwas bewegen."

APA: Die politische Lage in den USA ist ungleich schwieriger, mit dem WM-Teilnehmer Iran befindet man sich nach wie vor im Kriegszustand. Inwiefern trübt die Situation das Turnier?

Pröll: "Ich komme aus der Politik und weiß, wie Politik funktioniert. Ich glaube, man sollte in diesen Fragen Sport und Politik trennen. Warum? Weil der Sport gerade bei so einer WM auch zeigen kann, wie völkerverbindend er wirken kann. Und nur so können wir Baustein für Baustein aneinanderreihen, dass wieder ein gegenseitiges Verständnis wächst und diese Krisen zurückgedrängt werden. Wir beobachten die Situation natürlich, aber wir mischen uns jetzt nicht in geopolitische Entscheidungen und deren Interpretation ein."

APA: Das Völkerverbindende, ist das etwas, von dem Sie erkennen, dass auch US-Präsident Donald Trump das so sieht?

Pröll: "Ich habe schon den Eindruck, dass auch Präsident Trump sieht, welchen Wert diese WM für alle teilnehmenden Länder hat, mit welcher Begeisterung Spieler und auch Fans aus aller Welt nach Amerika kommen. Es ist ein Bekenntnis zu diesem Sport, wenn sich so viele Menschen in Bewegung setzen, um ihre Nation zu unterstützen, aber gleichzeitig auch gemeinsam zu feiern. Ich glaube schon, dass es auch für den Präsidenten der USA durchaus angetan wäre, aufmerksam zu schauen, welche Wirkung der Sport entfalten kann."

APA: Die FIFA hat das Antrittsgeld pro Teilnehmerverband in Summe von 10,5 auf 12,5 Mio. Dollar (ca. 9,0 auf 10,8 Mio. Euro) erhöht. Wie bewerten Sie den Schritt, nachdem Sie ursprünglich doch durchaus kritisch waren?

Pröll: "Der erste Aufruf der Prämien war wirklich enttäuschend, das war trotz der unvergleichbar höheren Kosten auf dem Niveau einer EM in unserem Nachbarland. Die Aufstockung gibt uns etwas Spielraum, um mit der Bundesliga und unseren ebenfalls beteiligten Länderorganisationen in eine bessere Situation zu kommen. Wir können jetzt nicht mehr mit einem Verlust, sondern auch in der Gruppenphase schon mit einem leichten Überschuss kalkulieren."

APA: Aus Österreich sind durchwegs mehr als 4.000 Fans vor Ort, beim Spiel gegen Argentinien vielleicht sogar 5.000. Wie bewerten Sie das?

Pröll: "Uns freut es, dass sich so viele auf den Weg machen, weil die Entfernungen gewaltig sind, und auch die aufgerufenen Preise dazu angetan sind, dass man an sich dreimal überlegt, ob man hinfliegt. Die Teilnehmerzahl unterstreicht für mich auch, dass durch Ralf Rangnick und sein Team eine Euphorie entfacht wurde. Das ist eine logische Entwicklung der letzten Jahre, und die wollen wir fortsetzen. Daher streben wir auch so klar eine Verlängerung mit ihm und seinem Stab an."

APA: Wenn wir auf den 20. Juli vorausblicken, den Tag nach dem WM-Finale: Womit wären Sie glücklich, wo der österreichische Fußball an diesem Tag steht?

Pröll: "Wenn wir als Resümee ziehen, dass unser Team in der Gruppenphase einen engagierten und positiven Fußball gespielt hat. Wir sind weitergekommen und haben für die eine oder andere Überraschung gesorgt, das wäre schön. Und Ralf Rangnick hat mit seinem Trainerteam dann auch schon wieder die Arbeit für den Herbst aufgenommen, für die Vorbereitung auf die Nations League und die EM-Quali für 2028 auf der Insel."

(Das Gespräch führte Florian Haselmayer/APA)

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