"Herausforderung"
Trotz vieler Bewerbungen: Wien fehlen Polizisten
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von Quelle: APA, JOYN NewsSteiermark heute
Jugendkriminalität: Steirische Polizei hilft Wien
Videoclip • 22 Sek
Im Zuge der Debatte um Auswärtseinsätze von Polizistinnen und Polizisten aus den Bundesländern hat das Innenministerium am Montag eine personaltechnische "Herausforderung" in Wien eingeräumt. Trotz der Fülle von 900 Bewerberinnen und Bewerbern bleiben die 200 Bänke in den Polizeischulen für den Aufnahmetermin im September in der Bundeshauptstadt teils leer. Oft könnten dort Plätze nicht mit genügend qualifizierten Schülerinnen und Schülern besetzt werden, hieß es am Montag.
Das Wichtigste in Kürze
Trotz 900 Bewerbungen bleiben in Wiener Polizeischulen im September Plätze frei, weil nicht genügend geeignete Bewerber gefunden werden.
Gleichzeitig müssen sechs Bundesländer 48 Polizistinnen und Polizisten nach Wien schicken, um dort gegen Jugendkriminalität vorzugehen.
Für eine Verbesserung sei "konstruktives Handeln" erforderlich, erklärte Bundespolizeidirektor Michael Takàcs. "Weder Unterschriftenlisten, noch Pappmodelle werden mehr Polizisten für Wien bringen", richtete Takàcs der Gewerkschaft sowie den Wiener Bezirksvorstehern via Aussendung aus. "Mein Appell an all jene, die sich mehr Polizisten in Wien wünschen: Motivieren Sie Menschen, die Sie für geeignet für den Beruf des Polizisten halten."
Sechs Bundesländer müssen Polizisten nach Wien schicken
Ab September müssen sechs Bundesländer für drei Monate insgesamt 48 Beamtinnen und Beamte für Schwerpunktaktionen gegen Jugendkriminalität nach Wien schicken. Dort will die Polizei insbesondere Parks in Favoriten ins Visier nehmen, wie es in der Anordnung, die der APA vorliegt, heißt.
Für die Unterstützung der Wiener Bereitschaftseinheit werden die Einsatzkräfte in einem Hotel einquartiert. Bereits seit Anfang August verstärken Beamtinnen und Beamte aus den Bundesländern die Wiener Polizei im Rahmen der Einsatzgruppe gegen Jugendkriminalität (EJK).
Kritik von SPÖ, FPÖ, Volksanwaltschaft und schwarzer Personalvertretung
"Anstatt Symptombekämpfung mit einzelnen Schwerpunktaktionen zu betreiben, braucht es nachhaltige Strategien um die erhöhte Polizeipräsenz in Favoriten dauerhaft zu halten", erklärte Volksanwalt Christoph Luisser (FPÖ). Die kurzfristige Zuführung von Polizisten darf nicht zur Gefährdung anderer Regionen führen", mahnte Luisser ein. Ein Sprecher des Favoritner Bezirksvorstehers Marcus Franz (SPÖ) sprach gegenüber der APA ebenfalls vom Wunsch nach einer "nachhaltigen Lösung". "Die Personalvertretung jetzt für Versäumnisse der Behörde oder des Dienstgebers verantwortlich machen zu wollen, ist zwar bequem, bringt aber keinen einzigen zusätzlichen Polizisten auf die Straße", erklärte Walter Strallhofer von der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter (FSG) und Vorsitzender des Fachausschusses in Wien. "Die Ankündigung eines neuen Dienstzeitsystems mit noch unsichereren und schweren planbaren Arbeitszeiten trägt wohl kaum dazu bei, diese Situation zu verbessern."
"Wenn man zu wenig qualifizierte Bewerber findet, muss man halt auch etwas an den Rahmenbedingungen ändern", sagte Polizeigewerkschafter Gerhard Zauner, Vorsitzender der Fraktion Christlicher Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter in Wien (FCG), der APA. Oft scheitere es mitunter an adäquaten Sprachkenntnissen im Rahmen des Aufnahmeverfahrens. Er sprach zudem von einer 50-prozentigen Drop-out-Quote während der zweijährigen Grundausbildung in Wien.
Ähnlich äußerte sich auch der Wiener AUF-Personalvertreter Michael Hornak: Bei einer Steigerung der Attraktivität des Berufsbildes "klappt es auch mit den richtigen Bewerbern", sagte Hornak. Unterstützung bei Großveranstaltungen sei unter Kolleginnen und Kollegen selbstverständlich, der aktuelle Zustand gleiche jedoch "einem dauerhaften Notbetrieb", erklärte der blaue steirische Nationalratsabgeordnete und AUF-Personalvertreter Reinhold Maier in einer Aussendung. "Kein einziger Kollege will freiwillig für Monate nach Wien abkommandiert werden."
Ministerium spricht von standardmäßigem Vorgehen
Das Ministerium konterte am Nachmittag, dass sich bereits 15 Polizeibedienstete freiwillig gemeldet hätten - "und das, obwohl die Interessentensuche in drei Bundesländern noch gar nicht gestartet wurde", wie es gegenüber der APA hieß. Bei den Zuteilungen handle es sich um ein übliches Vorgehen.
"Flexibilität und Beweglichkeit sind heute wesentliche Grundsätze moderner Polizeiarbeit", hatte Takàcs zuletzt am Samstag erklärt. Die gegenseitige Unterstützung der Landespolizeidirektionen funktioniere zudem in beide Richtungen, lautete der Tenor. Zudem wurde auf insgesamt 1.400 österreichweite Aufnahmen an den Polizeischulen für 2026 sowie eine Steigerung bei den Bewerbungseingängen verwiesen.
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