Zeuge im Eurofighter-Untreue-Prozess hat "keinen Bock mehr"
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von AgenturenDie Eurofighter-Aufarbeitung dauert an
Bild: APA/APA/THEMENBILD/ERWIN SCHERIAU
Der Untreue-Prozess rund um die Eurofighter-Causa ist am Mittwoch mit Zeugenbefragungen fortgesetzt worden. Per Video zugeschaltet war am Vormittag der ehemalige EADS-Manager H., der bereits 2019 in Deutschland eine Strafverfügung bekommen hatte. Er zeigte sich wenig auskunftsfreudig und hatte "keinen Bock mehr", über die Sache nachzudenken. Gegengeschäfte seien von Anfang an vereinbart gewesen, sagte der frühere Manager. Am Nachmittag berichtete eine Zeugin von ihrer Arbeit.
Die Geschehnisse habe er "aus dem Gedächtnis gelöscht". Bei einer Befragung der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) 2022 hatte H. noch deutlich mehr Angaben machen können. Ob er mittlerweile medizinische Probleme habe, fragte der Staatsanwalt deshalb. "Nichts Ernstes", sagte der Zeuge. In weiterer Folge wurden viele seiner früheren Aussagen thematisiert.
Gegengeschäfte für den Eurofighterkauf seien schon beschlossen worden, bevor er eine Leitungsfunktion bei EADS Deutschland (EADS-D) bekam. Er habe einfach umgesetzt, was festgeschrieben war, erinnerte sich H. noch heute. Die Strafe habe er damals angenommen, weil er ein lukratives Angebot aus Saudi-Arabien vorliegen hatte. Insgesamt sei er so günstiger ausgestiegen, sagte der frühere Manager. Der Vorwurf sei für ihn aber "eigentlich nicht" nachvollziehbar gewesen.
Angeklagte weisen Vorwürfe zurück
Angeklagt sind im aktuellen Prozess drei Personen - ein früherer Luftfahrtmanager sowie zwei mutmaßliche Lobbyisten. Laut WKStA sollen die drei H. geholfen haben, eine Schwarzgeld-Kassa zulasten des Konzerns einzurichten. EADS (heute Airbus) war Teil des Eurofighter-Konsortiums und hat später innerhalb dieses Zusammenschlusses die Verantwortung für die mit der Republik Österreich vereinbarten Gegengeschäfte übernommen. Die Strafe des EADS-Managers ist bereits getilgt; für die drei Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung. Sie haben die Vorwürfe am ersten Prozesstag vor gut zwei Wochen zurückgewiesen.
Der von der Anklage inkriminierte Schaden für EADS beträgt 65 Mio. Euro. Das Geld sollen die Beschuldigten mittels Scheinrechnungen von EADS an die Vector Aerospace LLP - laut WKStA ein Scheinunternehmen - geschickt haben.
Konkrete Personen und Verantwortlichkeiten konnte H. am Mittwoch kaum benennen. Er habe "sehr viele Verträge unterschrieben" und diese nicht immer inhaltlich genau überblickt. Vector sei jedoch keine Briefkastenfirma gewesen, gab der Befragte an. 2022 hatte er noch von Treffen mit den Angeklagten berichtet, deren genaue Rolle bei Vector aber nie gekannt.
Zeugin berichtet von Arbeit mit EADS und Vector
Am Nachmittag war eine weitere Zeugin geladen. Sie hatte von 2005 bis 2009 bei einer österreichischen Gesellschaft gearbeitet, die als Ansprechpartnerin für Gegengeschäfte im Land fungierte. Involviert sollen auch die drei Angeklagten gewesen sein. Aufgabe sei gewesen, die Wertschöpfung in Österreich zu stärken, so die Zeugin. Dabei habe sie mit der EADS-Abteilung für Gegengeschäfte zusammengearbeitet.
Die Gesellschaft habe monatlich Honorarnoten an Vector gestellt und dafür einen vertraglich festgelegten Fixbetrag bekommen. Was Vector genau gemacht hat und warum das Geld von dort kam, konnte die Zeugin nicht sagen. Als Angestellte war es "nicht meine Aufgabe, das zu hinterfragen". Quartalsweise habe sie Berichte erstellt, mit EADS-D abgestimmt und an Vector geschickt.
Kontakte ins Ministerium
Einen persönlichen Kontakt zu Vector verneinte die Zeugin, die Gesellschafter habe sie nicht gekannt. Der angeklagte frühere Luftfahrtmanager B. sei an der Vermittlung von Gegengeschäften beteiligt gewesen. Er habe auch Kontakt mit dem österreichischen Wirtschaftsministerium gehabt. Die beiden anderen Angeklagten seien als Gesellschafter ihres Arbeitgebers aufgetreten und hätten regelmäßig Termine im Büro gehabt.
Diese Woche gibt es am Wiener Landesgericht für Strafsachen noch weitere Verhandlungstermine, am Donnerstag ist ein Zeuge geladen. Am Freitag sollen Dokumente verlesen werden, ob dann ein Urteil folgt, ist noch unklar.
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