Geständnis
Mordprozess um Fall Jennifer S.: "Er hat sie eiskalt erwürgt"
Aktualisiert:
von Quelle: APA, JOYN NewsPULS 24 Live
Mordfall Jennifer S.: Mutter hat "maßgeblichsten Anteil" für Verhandlung
Videoclip • 06:26 Min
Unter regem Publikumsinteresse hat am Donnerstag am Wiener Landesgericht der Mordprozess um die im Jänner 2018 getötete und in einem Waldstück verscharrte Jennifer S. begonnen. Angeklagt ist der Ex-Freund der damals 21-Jährigen, der die junge Frau vorsätzlich getötet haben soll. "Er hat sie eiskalt erwürgt", sagte die Staatsanwältin zu Beginn der Verhandlung, "er konnte ihre Entscheidung, sich von ihm zu trennen, nicht akzeptieren." Der 33-Jährige war geständig.
"Ich bekenne mich voll schuldig zum Mord", sagte der Angeklagte zu Beginn seiner Beschuldigteneinvernahme. Er habe sie "erwürgt". Er habe es "nicht ertragen, dass die Person, die ich so sehr liebe, nicht mehr in meinem Leben ist." "Wut also", warf die vorsitzende Richterin Petra Poschalko ein. "Es war definitiv von Wut überlagert", räumte der bisher unbescholtene Mann ein.
Angeklagter entschuldigte sich bei Angehörigen der Getöteten
"Die Tat, die ich damals gemacht habe, tut mir leid", gab der Angeklagte zu Protokoll. Er entschuldigte sich bei den Angehörigen der Getöteten: "Sie haben acht Jahre lang gelitten, weil ich nicht imstande war, meine Verantwortung zu tragen." Er hoffe, "dass mir geholfen wird." "Dem Opfer ist ja nicht mehr zu helfen. Das ist ja das Traurige daran," bemerkte die vorsitzende Richterin darauf.
Verteidigerin Astrid Wagner betonte, ihr Mandant sei "kein eiskalter Killer" und "erleichtert, dass es (das Verbrechen, Anm.) aufgeklärt wurde." Er habe "mit ihren Trennungswünschen nicht umgehen können."
"Acht Jahre hat ihre Familie nicht gewusst, was mit ihr passiert ist"
Im vergangenen Dezember hatte der 33-Jährige ein Geständnis abgelegt und die Polizei zu den vergrabenen sterblichen Überresten der Getöteten geführt. Jennifer S. war zu diesem Zeitpunkt seit fast acht Jahren als abgängig gemeldet. "Acht Jahre hat ihre Familie nicht gewusst, was mit ihr passiert ist", betonte die Staatsanwältin in diesem Zusammenhang. Die Angehörigen hätten sich einerseits "Hoffnung auf ein Wiedersehen gemacht", andererseits "das Schlimmste, ein Verbrechen, befürchtet".
Der nunmehrige Angeklagte war von Anfang an mit dem Verschwinden der jungen Frau in Zusammenhang gebracht worden. Ihm ließ sich zunächst nichts nachweisen. Die strafrechtlichen Ermittlungen gegen ihn wegen des Verdachts der Freiheitsentziehung wurden im April 2019 eingestellt. Weil er 2025 in einem Chat detailliert schilderte, wie er sich einer Leiche entledigen würde, ohne verdächtige Spuren zu hinterlassen, geriet er dann erneut in den Fokus der Strafverfolgungsbehörden. Das hätte ihn "unter Druck gesetzt", gab der Angeklagte nun in seinem Prozess zu. Er habe "die Last nicht ertragen", nachdem er das Geschehene jahrelang "verdrängt" und sich "mit Arbeiten oder anderen Diversitäten abgelenkt" hätte.
21-Jährige hatte "endgültig Schluss gemacht"
Wie im Zuge der Erhebungen herauskam, hatte der Mann die Frau am Vormittag des 21. Jänner 2018 in ihrer Wohnung getötet, "nachdem sie endgültig mit ihm Schluss gemacht hatte", wie die Staatsanwältin den Geschworenen darlegte. Es sei "eskaliert aus meiner Schuld", gab dazu der Angeklagte zu Protokoll. Als ihm Jennifer S. erklärte, "ich soll verschwinden", sei das "zu viel" gewesen: "Es war, wie der Fußboden vor den Füßen eingerissen wird."
Nach der Bluttat habe er die Tote entkleidet, in eine Kiste gelegt und abtransportiert, berichtete der Angeklagte. Ihre Leiche vergrub er zunächst im Bereich von Großweikersdorf im Bezirk Tulln: "Am Anfang habe ich nicht gewusst, wo ich hinfahre." Er sei "ohne Plan, ohne irgendwas" gewesen, schilderte der Angeklagte. "Was haben Sie gefühlt?", wollte die vorsitzende Richterin wissen. - "Angst. Dass ich erwischt werde."
Würgeakt dauerte "mindestes fünf Minuten"
Später verlegte der 33-Jährige die sterblichen Überreste in die Nähe des Truppenübungsplatzes Allentsteig im Bezirk Zwettl, wo er die Getötete verscharrte. Nach Auffinden der sterbliche Überreste konnten diese anhand des Schädelknochens der vermissten Jennifer S. zugeordnet werden. Zur Todesursache sagte die Gerichtsmedizinerin Katharina Stölzl, die Frau sei an den Folgen eines Unterarmwürgegriffs eines gewaltsamen Todes gestorben. Der Würgeakt habe "mindestens 15 Minuten" gedauert, wobei nicht festgestellt werden könne, wann Bewusstlosigkeit eingetreten sei.
Infobox Hilfe bei häuslicher Gewalt
Bild: JOYN
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