Hoher Bedarf

32 Prozent der Schüler und Jugendlichen erhalten Nachhilfe

Veröffentlicht:

von Quelle: APA, JOYN News

ZIB 13:00

Jeder dritte Schüler: 720 Euro für Nachhilfe im Jahr

Videoclip • 01:25 Min


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Der Bedarf an privater Nachhilfe ist weiterhin hoch: Laut dem am Dienstag veröffentlichten Nachhilfebarometer 2026 der Arbeiterkammer (AK) erhalten 338.000 Kinder und Jugendliche (32 Prozent aller Schülerinnen und Schüler) Nachhilfe - zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 31 Prozent. Familien geben durchschnittlich 720 Euro pro Kind und Jahr für Nachhilfe aus, in Summe sind dies pro Jahr 144 Millionen Euro für bezahlte Nachhilfe.

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut AK erhalten 338.000 Schülerinnen und Schüler Nachhilfe, wobei Familien dafür insgesamt rund 144 Millionen Euro pro Jahr ausgeben.

  • Besonders häufig wird in Mathematik nachgeholfen, während die AK mehr Investitionen in Schulen und eine Entlastung der Familien fordert.

Der AK-Nachhilfebarometer 2026 wurde vom Institut IFES im Auftrag der AK Wien durchgeführt, bundesweit wurden dafür von März bis Mai 2026 (repräsentativ) 3.208 Eltern mit insgesamt 4.728 Schulkindern befragt. Auch unter den Volksschulkindern ist der Bedarf bereits hoch, 23 Prozent davon brauchen Nachhilfe. "Nachhilfe ist in Österreich Normalität geworden und sie beginnt immer früher, längst schon in der Volksschule", sagte die AK Wien-Bereichsleiterin Bildung, Ilkim Erdost, am Dienstag bei der Präsentation der Studie.

Viele Eltern lernen mit ihren Kindern

Drei Viertel der Kinder und Jugendlichen (76 Prozent) lernen fast täglich mit ihren Eltern und insgesamt ein Viertel (23 Prozent) fast täglich mit den Eltern, sagte AK Wien-Bildungsexpertin Elke Larcher. Laut der Studie würden in Summe 68 Prozent der Eltern ihre Kinder mehrmals pro Woche beim Lernen unterstützen. Dies sei anstrengend für die Eltern und auch dysfunktional. Menschen ohne Matura falle dies viel schwerer und dies führe zu Bildungsvererbung.

28 Prozent der bezahlten Nachhilfefälle führen Eltern direkt auf Defizite im Unterricht zurück - weil der Stoff nicht ausreichend vermittelt wurde oder Unterricht ausgefallen ist. Rund 40 Millionen Euro der privaten Nachhilfeausgaben fließen so in jene individuelle Förderung, die eigentlich in der Schule stattfinden müsste, so die AK.

Bei mehr als der Hälfte der Schülerinnen und Schüler (52 Prozent) soll mit der Nachhilfe eine Note verbessert werden. Nachhilfe werde immer mehr zum Symptom des zunehmenden "Bulimie-Lernens" - also "kurzfristiges Auswendiglernen von Lernstoff für Prüfungen, ohne dass dieser nachhaltig verstanden oder behalten wird", hieß es seitens der AK. Larcher sprach von "Teaching to the test".

28 Prozent brauchen Nachhilfe, um eine Nachprüfung oder eine negative Zeugnisnote abzuwenden. Bei jedem vierten Kind (23 Prozent) nennen die Eltern einen anderen Grund: Der Stoff wurde nicht ausreichend erklärt.

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Kosten pro Kind gesunken

Neben dem Gesamt-Anteil der Kinder, die Nachhilfe erhalten (32 Prozent), blieben auch die schulische Gratis-Nachhilfe (8 Prozent) und die private unbezahlte Nachhilfe (10 Prozent) auf ähnlich hohem Niveau wie in der Vorjahres-Erhebung. Die durchschnittlichen Ausgaben pro Kind sind hingegen von 800 auf 720 Euro gesunken. Der Grund dafür sei, dass Nachhilfe seltener regelmäßig über das gesamte Schuljahr hinweg und häufiger gezielt vor Schularbeiten und Tests in Anspruch genommen werde, hieß es. Dennoch übte Erdost starke Kritik: "Der Schulerfolg wird privatisiert und er hängt am Lohnzettel der Eltern."

Das wichtigste Nachhilfefach bleibt Mathematik (66 Prozent), gefolgt von Deutsch (33 Prozent) und Fremdsprachen (18 Prozent). 47 Prozent der Kinder erhalten Nachhilfe vor allem anlassbezogen, 38 Prozent regelmäßig während des Schuljahres (2025: 43 Prozent).

Forderung nach Investitionen

Aus Sicht der Eltern ist die Nachhilfe häufig erfolgreich: In 71 Prozent der Fälle führte diese zum gewünschten Schulerfolg. Die Ergebnisse würden außerdem zeigen, dass mehr als die Hälfte der Eltern (54 Prozent) ihr Kind beim Lernen häufig als gestresst empfinden. Wenn der Unterricht als besonders notengetrieben, überfordernd und wenig unterstützend wahrgenommen wird, so steige dieser Anteil auf bis zu 90 Prozent.

Gute Bildung dürfe jedoch nicht von den Ressourcen der Eltern abhängen, so die AK. Deshalb fordert die Kammer treffsichere Investitionen in Schulen, den Ausbau ganztägiger Bildungsangebote und eine spürbare Entlastung der Familien bei den Schulkosten. Auch müssten armutsgefährdete Familien und Alleinerzieherinnen und -erzieher gezielt entlastet werden.

Volkshilfe: Besonders schwierig für armutsgefährdete Kinder

Die Zahlen der AK würden zeigen, dass Nachhilfe längst zu einem "erheblichen Kostenfaktor für Familien geworden" sei, erklärte dazu die Volkshilfe. Besonders schwierig sei die Situation für armutsgefährdete Kinder. Sie benötigen aufgrund schwierigerer Lernbedingungen häufig zusätzliche Förderung, ihre Eltern können sich private Nachhilfe aber vielfach nicht oder nicht im notwendigen Ausmaß leisten, hieß es in einer Aussendung.

Grüne fordern Ausbau der Ganztagsschulen

Von der Opposition meldete sich Sigrid Maurer, Vizeklubobfrau und Bildungssprecherin der Grünen, zum Nachhilfebarometer zu Wort: "Die Chancen eines Kindes dürfen nicht vom Geldbörsel der Eltern abhängen". Als besonders alarmierend empfand sie, dass der Nachhilfebedarf bereits in der Volksschule gegeben ist. Maurer nahm daher den NEOS-Bildungsminister Christoph Wiederkehr in die Pflicht, sich rasch und flächendeckend um den Ausbau von Ganztagsschulen zu kümmern.

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