Bildung

Ein Viertel der Kinder in Deutschförderklassen wiederholt die Schulstufe

Aktualisiert:

von Quelle: APA, JOYN News

ZIB 9:00

Wiederkehr: "Mehr Autonomie für Schulleitungen"

Videoclip • 56 Sek


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Ein Viertel der Kinder, die wegen Problemen mit der Unterrichtssprache einer Deutschförderklasse zugeteilt wurden, haben zuletzt im bisherigen System zumindest ein Jahr verloren. Das zeigt eine Auswertung des Bildungsressorts für die APA. Von den 22.800 Schülerinnen und Schülern, die im Schuljahr 2022/23 erstmals den außerordentlichen Status erhalten haben, mussten 22 Prozent einmal und drei Prozent zweimal die Klasse wiederholen. Ab Herbst gelten flexiblere Aufstiegsregeln.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Viertel der Kinder in Deutschförderklassen musste bisher mindestens ein Schuljahr wiederholen, weil ihr MIKA-D-Testergebnis für den Aufstieg nicht ausreichte.

  • Ab dem kommenden Schuljahr gelten flexiblere Regeln: Bei guten Leistungen können Schülerinnen und Schüler trotz schwachem Deutschtest aufsteigen, um unnötige Laufbahnverluste zu vermeiden.

In Österreich müssen seit 2018/19 Schulanfänger und Quereinsteiger aus dem Ausland, die beim umstrittenen Zuteilungstest MIKA-D nicht gut genug abschneiden, separate Deutschförderklassen und -gruppen besuchen. Zuletzt waren es über 48.000 Kinder. "Außerordentliche" Schüler werden in dem von Schwarz-Blau eingeführten Modell bis zu zwei Jahre lang maximal 20 Stunden pro Woche in eigenen Klassen oder Gruppen in Deutsch gefördert. Gemeinsamen Unterricht mit der Stammklasse gibt es nur in Fächern wie Werken, Musik oder Turnen.


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MIKA-D entscheidet derzeit über Aufstieg

Kinder, deren Ergebnis beim MIKA-D am Ende des Schuljahres weiterhin nicht "ausreichend" war, mussten die Schulstufe bisher grundsätzlich wiederholen - selbst wenn sie in allen Gegenständen positiv beurteilt wurden. Vor allem an den Übergängen nach der vierten Klasse Volks- bzw. Mittelschule hat das laut Ministerium "in einzelnen Fällen" zu zusätzlichen Laufbahnverlusten geführt, weil Schüler im außerordentlichen Status nicht die formalen Voraussetzungen erfüllen, um in eine andere Schulart zu wechseln.

Nur unter gewissen Bedingungen konnte die Klassen- oder Schulkonferenz bisher trotz "mangelhaftem" MIKA-D-Ergebnis für einen Aufstieg stimmen, mehr Flexibilität gab es nur vorübergehend während der Coronapandemie. Seit 2023/24 kann man immerhin auch dann direkt in den "ordentlichen" Status wechseln, wenn man erst am Ende des Schuljahrs und nicht schon am Ende des ersten Semesters das MIKA-D-Ergebnis "ausreichend" erhält. Die alte Regelung hatte für hunderte ukrainische Schüler dazu geführt, dass sie trotz positiver Noten in allen Fächern nicht direkt in eine Mittelschule, AHS-Unterstufe oder weiterführende Schule wechseln konnten, sondern die Klasse wiederholen mussten.


Mehr Spielraum ab Herbst

Ab dem kommenden Schuljahr können Schüler mit positiver Beurteilung in allen Fächern bei einer positiven Leistungsprognose der Klassen- bzw. Schulkonferenz auch dann aufsteigen, wenn sie laut MIKA-D nur "mangelhaft" Deutsch beherrschen. Das gilt auch für die Übertrittsmöglichkeit von der Volks- in die Mittelschule. Schüler mit dem Ergebnis "ungenügend" müssen weiterhin das Jahr wiederholen.

Ziel der Änderungen mit 2026/27 ist es laut Ministerium, Laufbahnverluste möglichst zu reduzieren. "Dass fast ein Viertel aller Schülerinnen und Schüler im außerordentlichen Status zumindest ein Jahr in ihrer Schullaufbahn verlieren, ist eine Zahl, die viel zu hoch ist", betonte Wiederkehr gegenüber der APA. Ab Herbst sollen die Schulen insgesamt mehr Flexibilität bekommen, damit sie die Kinder und Jugendlichen individueller begleiten und unnötige Wiederholungen von Schulstufen vermeiden können.

Pflicht zur Extraklasse fällt

Konkret fällt die aktuelle Verpflichtung, ab acht außerordentlichen Schülern am Standort separate Deutschförderklassen bzw. -gruppen einzurichten. Die Hälfte der Schulen nutzt ab Herbst stattdessen schulautonome Modelle zum Deutschlernen im Klassenverband. In den Fächern, die sie belegen, sollen die Schüler auch Noten bekommen können.

Um den Verwaltungsaufwand zu verringern, muss außerdem nur noch am Ende des Sommersemesters verpflichtend der MIKA-D-Test durchgeführt werden. Bei deutlichen Fortschritten kann auch in Zukunft ein zusätzlicher Test durchgeführt werden, damit ein Kind bei guten Ergebnissen in die Deutschfördergruppe bzw. in die Regelklasse umsteigen kann. Außerdem wurde beim umstrittenen MIKA-D inhaltlich nachgebessert, zusätzliche Fragen für die 3. und 4 Klasse Volksschule und die Mittelschule sollen ihn treffsicherer machen.

Viele "Überaltrige" in Österreich

Geht es nach Wiederkehr, sollen diese Neuerungen gemeinsam mit dem Ausbau der Deutschförderung, der ab heuer verpflichtenden Sommerschule für Kinder mit Deutschförderbedarf und zusätzlichem Personal für Standorte mit besonders vielen bildungsfernen Migrantenkindern ("Chancenbonus") dazu beitragen, dass die "Kinder und Jugendliche früher ihren a.o. Status verlieren und mit guten Deutschkenntnissen am Schulleben voll teilhaben".

In Österreich gibt es durch das in anderen Ländern unübliche System der Klassenwiederholung, separate Deutschförderung und Vorschulklassen vergleichsweise viele "überaltrige" Kinder und Jugendliche, die mindestens zwei Jahre älter sind als in dieser Klassenstufe vorgesehen. Zwischen 20215 und 2023 ist der Anteil laut der aktuellsten Ausgabe der OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" in den Volksschulen von 4,1 auf 5,8 Prozent und in den Mittelschulen und AHS-Unterstufen von 6,5 auf 9,1 Prozent gestiegen.

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