Ein humorvolles Adieu für die Wiener Kammeroper
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von AgenturenGroße Hand, kleines Haus: Ein Doppelabend in der Wiener Kammeroper
Bild: APA/APA/Kammeroper/Herwig Prammer/Herwig Prammer
Es ist ein Adieu - aber kein melancholisches, sondern ungeplant ein humorvolles und das gleich als Doppelschlag: In der Wiener Kammeroper ist am Dienstagabend mit den zusammengespannten Kurzopern "Lady Magnesia" von Mieczysław Weinberg und "Zweimal Alexander" von Bohuslav Martinů die letzte Premiere vor der Schließung des Hauses über die Bühne gegangen. Bei den Vereinigten Bühnen spricht man angesichts des Spardrucks von einer "Pausentaste" zumindest für die kommende Saison.
Die Zukunft ist hier also angesichts der Einsparungsvorgaben für den Mutterkonzern weiterhin zumindest offen. Sollte der von Anna Bernreitner inszenierte Doppelabend aber tatsächlich das Lebewohl gewesen sein, war das Ganze zumindest ein würdiger Abschluss. Das Projekt, die beiden Einakter über Ehemänner, die ihrer Gattin Untreue vorwerfen, zusammenzuspannen, geht jedenfalls auf.
Robert Wilson auf Speed
Bernreitner, die kommende Saison auch im Staatsopern-Nest inszenieren wird, schafft gemeinsam mit ihrem Bühnenteam Manfred Rainer und Hannah Öllinger eine stilisierte Welt, in der die Figuren hochgradig artifiziell durch die Liebeswirren eilen. Robert Wilson auf Speed. Der Abend gestaltet sich somit als absurdes Theater, hält die 1937 von Martinů komponierte "Cosí fan tutte" des 20. Jahrhunderts und Weinbergs 1975 entstandene Satire eng beieinander, streicht die Parallelen heraus.
Auch musikalisch gibt es gewisse Übereinstimmungen, spicken doch sowohl der tschechische als auch der sowjetische Tonsetzer ihre Partitur mit Zitaten, Anspielungen, Ironien und Brüchen bis hin zum Jazz. Und doch erweist sich Weinbergs Arbeit weit farbenreicher, kreativer. Eine bunte Spielfläche für das ebenso schillernde Ensemble um Peter Kirk, Josefine Göhmann, Jacob Phillips und Wilma Kvamme boten beide.
"So sei es", wird dann die letzte Phrase sein, die bei der Dernière am 19. Juni in der Kammeroper erklingt. Mach's gut, altes Haus. Zu eng bestuhlt für Menschen über Unterstufengröße, und sichteingeschränkt, wenn jemand über Unterstufengröße vor einem sitzt. Und doch: Schön war's.
(S E R V I C E - "Lady Magnesia" von Mieczysław Weinberg und "Zweimal Alexander" von Bohuslav Martinů in der Wiener Kammeroper, Fleischmarkt 24, 1010 Wien. Musikalische Leitung des Wiener KammerOrchesters: Irene Delgado-Jiménez, Inszenierung: Anna Bernreitner, Bühne/Kostüm: Manfred Rainer/Hannah Öllinger. Mit Sir George/Oskar - Peter Kirk, Lady Magnesia/Armande - Josefine Göhmann, Alexandre/Adolphus Bastable - Jacob Phillips, Das Porträt - Timothy Edlin, Phyllis/Philomène - Wilma Kvamme, Tänzer - Johann Ebert. Weitere Aufführungen am 5., 7., 9., 11., 14., 16. und 19. Juni. www.theater-wien.at )
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