Greenpeace erinnert an Grundwasserverbrauch der Industrie

Veröffentlicht:

von Agenturen

Drei Konzerne verbrauchen laut NGO drei Mal mehr Wasser als alle Pools

Bild: APA/APA/dpa-Zentralbild/Patrick Pleul


- Anzeige -
- Anzeige -

Angesichts der anhaltenden Trockenheit in Österreich und der dadurch ins Spiel gekommenen Debatte um die Befüllung von privaten Pools hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace in einer Aussendung am Montag an den Grundwasserverbrauch der Industrie erinnert. Demnach würden allein die drei Konzerne voestalpine, OMV und Lenzing AG laut Geschäftsberichten oder Unternehmensauskünften drei Mal mehr Wasser als alle privaten Pools zusammen verbrauchen.

So stünden jährlich 51 Millionen Kubikmeter Grundwasser für die drei genannten Unternehmen 16 Millionen Kubikmeter Wasser gegenüber, die in Privatbecken fließen. Auch die 16 Millionen seien unbestritten eine große Menge, schrieb die NGO. "Während die Poolbefüllung öffentlich am Pranger steht, bleibt der gewaltige Wasserverbrauch der Industrie meist intransparent", kritisierte Greenpeace und forderte von Wasserminister Norbert Totschnig (ÖVP), das angekündigte Wasserentnahme-Register für Industrie und Landwirtschaft rasch umzusetzen.

Wasser-Abgabe für industrielle Großverbraucher

Auch brauche es eine Wasser-Abgabe für industrielle Großverbraucher, die in Frankreich und den meisten deutschen Bundesländern bereits realisiert wurde. "Die Poolbefüllung ist seit Jahren ein Aufreger-Thema - und das sicherlich zurecht. Aber während wir über private Becken diskutieren, schöpfen Industrie-Konzerne in einem ganz anderen Ausmaß unser Grundwasser in Österreich ab. Dieser gewaltige Verbrauch findet oft im Verborgenen statt, ohne dass die Öffentlichkeit viel davon mitbekommt", so Sebastian Theissing-Matei, Wasserexperte bei Greenpeace.

Doch in Zeiten, in denen die Wasserreserven immer öfter schwinden, könne dieses industrielle Abzapfen zu handfesten Konflikten um unser Wasser führen. Demnach verbraucht die voestalpine Stahl in Linz mit 27 Millionen Kubikmetern beinahe doppelt so viel Grundwasser wie alle Privatpools zusammen (laut Umwelterklärung). Weitere 13 Millionen Kubikmeter Grundwasser verbraucht die OMV Raffinerie bei Schwechat (laut Unternehmensauskunft). Die Lenzing AG im oberösterreichischen Lenzing an der Ager entnimmt elf Millionen Kubikmeter aus dem Boden (laut Unternehmensauskunft). Durch die Industriekonzerne zusätzlich genutztes Oberflächenwasser aus Flüssen ist in diesen Zahlen nicht berücksichtigt.

Transparentes Wasser-Entnahmeregister gefordert

Zudem sei bei vielen weiteren Industrieunternehmen öffentlich gar nicht erst bekannt, wie viel Wasser sie verbrauchen. Damit bleibt auch die Größe des gesamten Grundwasserverbrauchs der österreichischen Industrie im Dunkeln - ein transparentes Wasser-Entnahmeregister würde hier Klarheit schaffen. Schätzungen gehen davon aus, dass sie rund ein Drittel des gesamten Grund- und Quellenwassers verbraucht. Ähnlich viel nutzen alle 4,2 Millionen österreichischen Haushalte zusammen. Rund zehn Prozent der Grundwassernutzung entfallen zudem auf die Landwirtschaft, so die NGO.

Oftmals argumentieren Industrieunternehmen, sie würden das Wasser nur "nutzen" statt "verbrauchen", da sie es nach dem Gebrauch in Flüsse einleiten. Doch das sei ein Trugschluss: Einmal aus dem Boden gepumpt, ist das Wasser für den lokalen Grundwasserkörper verloren. Anstatt die regionalen Reserven wieder aufzufüllen, fließt es über die Flüsse in kürzester Zeit ungenutzt aus Österreich ab, lautete die Replik von Greenpeace.

- Anzeige -
- Anzeige -

Mehr entdecken