Harald Schmidt: ARD/ZDF mit "links-grüner Ausrichtung"

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von Agenturen

Harald Schmidt sorgt wie immer für markige Sprüche

Bild: APA/APA/EXPA/JOHANN GRODER/EXPA/JOHANN GRODER


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Beißender Spott, gepfeffert-humoristische Kalauer, schonungslose Analysen und Verbalsalven ohne Blatt vor den Mund: TV-Ikone Harald Schmidt bleibt sich treu. Im APA-Interview am Rande seines Auftritts beim Theaterfestival Steudltenn in Tirol geißelt der 68-Jährige eine einseitige "links-grüne Ausrichtung" der Nachrichtenberichterstattung von ARD und ZDF, sieht sich als der "alte weiße Mann in Vollendung" und sinniert übers Sterben, indem er "im Supermarkt ins Kühlfach kippt."

APA: Herr Schmidt, heuer zum fünften Mal en suite beim Steudltenn im Zillertal in einer Doppelconférence mit Intendant Hakon Hirzenberger. Morgen hier, übermorgen dort. Sie sind omnipräsent auf den Bühnen des deutschsprachigen Raums. Meistens mit Programmen mit unterschiedlichen Partnern. Wahrlich ein "Aktivrentner". Wie viele Auftritte sind es heuer?

Harald Schmidt: 100 bis 120. Und ich habe dabei ein neues Prinzip erfunden: Ich ändere nicht mehr das Programm, sondern den Titel. Das ist unkomplizierter.

APA: Und wenn der Besucher etwas Neues erwartet?

Schmidt: Selber schuld.

APA: Am 30. Dezember spielen Sie wieder den "Bericht für Bonn" in Deutschlands "alter" Hauptstadt. In Anlehnung an das legendäre TV-Format "Bericht aus Bonn".

Schmidt: Ja, das ist einer jener Abende, an denen ich als Solist unterwegs bin. Dasselbe Programm, aber verschiedene Titel, mit denen ich mich an die jeweilige Stadt anbiedere. In Bonn lassen wir unter anderem die gute alte Zeit hochleben und trauern alten TV-Sendungen nach.

APA: Bitte um zeitgeschichtliche und gesellschaftspolitische Einordnung: Ist Harald Schmidt noch "Bonner Republik" oder schon "Berliner Republik"?

Schmidt: Bonner Republik. Ich bin stockkonservativ, mit Tendenz ins Reaktionäre. Nur weil da jemand die Hauptstadt wechselt... Ich betreibe einfach die Bonner Republik weiter.

APA: Und Ihr Publikum setzt sich wie zusammen? Ist das so wie bei ewigen Musik-Superstars, die angeben, mittlerweile alle Generationen in die Konzerte zu locken?

Schmidt: Nein, überwiegend Boomer. Boomer, die die Schnauze voll haben und mal Dampf ablassen wollen. Es macht mir unglaublichen Spaß, strengt mich überhaupt nicht an und spült meinem Land Steuern in die Kassen. Ich arbeite, bis ich umfalle. Bis der Herr mich ruft.

APA: Auf der Bühne sterben?

Schmidt: Nein, das ist so ein Klischee. Es müsste so eine banale Art sein, die aber zu der Sache, die ich mache, passt. So in der Art, dass ich im Supermarkt ins Kühlfach kippe. Und man es zuerst gar nicht merkt, weil ich natürlich frisch bleibe.

APA: Abseits der Bühne drehen Sie nach wie vor am ZDF-Traumschiff. Entspannend, oder?

Schmidt: Von einem Traumschiff-Dreh muss ich mich ein paar Tage im Luxushotel entspannen. Ich wende ja das "Method acting" an. Ich geh' so sehr in die Psyche einer Person rein - ich kann danach lange nicht abschalten.

APA: Mit welchem Traumschiff-Kollegen haben Sie am meisten Kontakt?

Schmidt: Als Kreuzfahrtdirektor mit der Schiffsärztin, Collien Fernandes.

APA: Da drängt sich die Frage auf: Wie beurteilen Sie die Causa rund um Fernandes und ihren Ex-Mann Christian Ulmen?

Schmidt: Als Jurist der Herzen sage ich: Ich äußere mich niemals zu einem laufenden juristischen Verfahren.

APA: Die Medienbranche kränkelt. Die alten Geschäftsmodelle wackeln, KI ist im Vormarsch. Als Late Night-Legende - machen Sie sich Sorgen um Ihre alte Wirkungsstätte?

Schmidt: Um mit Markus Söder zu sprechen: Ich erwarte die Bereitschaft zu Innovation, Inspiration und Investition. Man muss ständig bereit sein, zu lernen. Mich ausgenommen. Ich mache den alten Käse - und die Leute rennen mir die Bude ein. Ich bin dorthin zurückgekehrt, wo ich herkomme. Auf die Bühne.

APA: Ein TV-Comeback für alle Zeit ausgeschlossen?

Schmidt: Es gibt für mich dort keinen Ansprechpartner mehr. Die heutigen TV-Macher werden von mir nicht ernst genommen. Einfach wegen deren purer Existenz. Diese "Alter Sack-Attitüde" - ich fühle mich damit unglaublich wohl. Der alte weiße Mann in Vollendung. Das "Prinzip Schäuble" - nicht mal reagieren.

APA: Die Kluft zwischen der veröffentlichten Meinung und der öffentlichen Meinung scheint für viele in den vergangenen Jahren größer geworden zu sein. Wie beurteilen Sie etwa die Info-Berichterstattung der deutschen Öffentlich-Rechtlichen?

Schmidt: Die Ausrichtung ist links-grün, bei ARD und ZDF. Die Leute dort wollen zeigen, dass sie moralisch auf der richtigen Seite stehen. Das scheint die Zuschauer nicht zu stören. Für mich hat es keinen Informationswert. Ich könnte das mit Medienstudenten anhand von einer Woche Nachrichtensendungen genau festlegen und nachweisen, in dem Sinne: Hier geht es um das Thema, hier wird der Beitrag so eingeleitet, hier hat die Einleitung nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun.

APA: War das früher anders?

Schmidt: Ich habe das so wahrgenommen.

APA: Zufrieden mit der bisherigen zweiten Amtszeit von Donald Trump? Sie haben ihn ja einmal als "genialen Entertainer" bezeichnet.

Schmidt: Das ist er auch, immer wenn er öffentlich auftritt. Er hört sich selber zu, er erreicht die Massen. Vielleicht wird das auch weniger und nützt sich ab - wegen des Iran-Krieges und der wirtschaftlichen Lage. Ich weiß es nicht. Ich verstehe nichts von Amerika. Ich staune, wer hier in unseren Medien aller über Amerika spricht. Nur weil er mal auf der Route 66 eine Autopanne hatte.

APA: Und Deutschland? Verfolgt man die Medien, glaubt man, es liegt im Koma. Und auch die CDU/CSU/SPD-Regierung und Kanzler Merz scheinen unten durch zu sein.

Schmidt: Ich sehe volle Cafés und Restaurants, Riesenschlangen an den Flughäfen, ausgebuchte Hotels. Deutschland ist im Umbruch, ja. Die Medien müssen Aufgeregtheit generieren. Aber die Bevölkerung interessiert nur: Kann ich mir den Urlaub leisten, sind die Schulen gut und bin ich abgesichert, falls ich krank werde. Merz macht es gut. Ich bin froh, dass er es überhaupt macht. Er ist 70, zwei Jahre älter als ich. All der Ärger, sich mit einer Bärbel Bas (SPD-Sozialministerin, Anm.) auseinandersetzen zu müssen, die weiten Reisen. Ich stell es mir sehr anstrengend vor.

APA: Und seine Aussage zum "Stadtbild" in Deutschland in Bezug auf irreguläre Migration?

Schmidt: Schon längst vergessen, und die Migration wird ohnedies weniger. Ich weiß, was er meint. Ich bin von den Stadtbildern, die mir in Deutschland begegnen, begeistert. Bunt, lebensfroh und weltoffen. Gut, oder? (lacht, Anm.)

APA: Ein friedliches Nebeneinander?

Schmidt: Nein, Miteinander. Nebeneinander wäre mir zu wenig. Aber noch ein Wort zur Regierung: Ich empfehle: Durchhalten bis zur Fußball-WM. Dann interessiert nichts mehr anderes.

APA: Apropos WM. Auch da gibt es Empörung, nämlich unter den Fans. Über die Ticketpreise.

Schmidt: Meine Empfehlung an den Fan: Zu Hause bleiben. Wie heißt's in einem Wiener Liedklassiker: "Wer a Geld hat, der kann ins Theater fahr"n. Und wer kans hat, macht si" z" Haus an Narr"n. Mir is "s alles ans, mir is "s alles ans, ob i a Geld hab" oder kans." Zu den Preisen: Man nennt das übrigens Marktwirtschaft. Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Die FIFA wird wissen, was man verlangt.

(Das Gespräch führte Wolfgang Eder/APA)

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