"Human" des aktionstheater ensembles als fahriges Lamento
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von Agenturen"Human (Ich bin ein Mensch)" zeigt verlorene Egos
Bild: APA/APA/Maximilian Lottmann
Als hätte jemand im letzten Moment einen schlechten Prompt abgesetzt, sich hernach über die Künstliche Intelligenz geärgert und es dann halt selbst gemacht: Mit "Human (Ich bin ein Mensch)" setzt sich Martin Gruber mit seinem aktionstheater ensemble mit dem Menschsein im (schon etwas angegrauten) Internetzeitalter auseinander. Herausgekommen ist ein fahriges Lamento über Vereinzelung, das am Sonntagabend im Theater am Werk in Meidling zur Uraufführung kam.
Wie würde ein Stück aussehen, in dem sich das aktionstheater ensemble mit Künstlicher Intelligenz beschäftigt? So oder so ähnlich lautet jene Frage, mit der Andreas Jähnert die Bühne betritt. Von seinem Smartphone liest der Schauspieler die euphorische Antwort der KI vor. Es wäre ein super kritisches, sehr erfolgreiches Stück. Doch dann fährt die Realität dazwischen: Isabella Jeschke ist (wirklich) schwanger, ihre Kollegen schwanken zwischen Freude und Zukunftsangst. Darf man heutzutage überhaupt noch ein Kind in diese prekäre Welt setzen? Und was hat es zu bedeuten, wenn man sich nicht mitfreuen kann?
Jeschke ist jedenfalls genervt. Mit barem Babybauch sitzt sie in der Bühnenmitte auf einem Transportkoffer und muss sich selbst eingestehen: Eigentlich kann sie sich dieses Baby gar nicht leisten, hat sie sich doch bereits die mühsam angesparten 2.400 Euro von ihrem ersten Kind "geliehen", um über die Runden zu kommen. Zu allem Überdruss wird ihr Bauch ständig angetatscht, und sie muss sich die Frage gefallen lassen, ob diese Schwangerschaft geplant war. Doch zunehmend kippen die Kommentare der anderen ins Egomanische.
Gurke mit Schlagobers
Thomas Kolle hat eine Ausbildung zum Entspannungscoach gemacht und will Isabella helfen, mal runterzukommen. Benjamin Vanyek sieht es pragmatischer und setzt für die Jungmutter ein Crowdfunding auf, für das er in Only-Fans-Manier ein schlüpfriges Video der Schwangeren dreht. Kirstin Schwab wiederum macht sich Sorgen, weil es ihr an Empathie mangelt und versucht, mithilfe von Witzen über Zahnstocher und Igel die Aufmerksamkeit ihrer Mitspielenden zu erhaschen und schaut sich dann in sich zurückgezogen Videos von Melania Trump an. Viel mehr passiert im Laufe dieses 70-minütigen Abends, der mit zahlreichen Tanzeinlagen zum beeindruckenden Live-Sound von Andreas Dauböck und Jean Philipp Oliver Viol angereichert ist, nicht.
Jähnert erzählt stolz davon, wie er sich im Ausland mit Tierlauten verständigt (man hört "walisch" und "katzisch"), Vanyek sucht nach Bestätigung als Schauspieler, nachdem er seinen Job im Callcenter verloren hat und Jeschke setzt sich immer wieder auf einen Kübel, um Wasser zu lassen. Während ihre Kollegen im Vordergrund aneinander vorbeireden (Echokammern! Digitale Selbstdarstellung!), lungert sie auf und vor ihrem Koffer herum und isst eine Salatgurke mit Schlagobers aus der Spraydose. Ein Bild, das für den gesamten Abend steht: Hier passt nichts wirklich zusammen. Am Ende tanzen nicht mehr die Menschen, sondern die auf Fahnen projizierten Roboter. Böse neue Welt.
(Von Sonja Harter/APA)
(S E R V I C E - aktionstheater ensemble: "Human (Ich bin Mensch)" im Theater am Werk Kabelwerk. Konzept und Inszenierung: Martin Gruber. Mit Andreas Jähnert, Isabella Jeschke, Thomas Kolle, Kirstin Schwab und Benjamin Vanyek. Musik: Andreas Dauböck und Jean Philipp Oliver Viol. Weitere Termine: 2. bis 5. Juni im Theater am Werk, 11. bis 13. Juni im Theater Kosmos Bregenz. https://aktionstheater.at/produktionen/human )
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