Psychologen für mehr Versorgung von psychisch Kranken in JA

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Experten fordern bessere psychische Versorgung in JAs

Bild: APA/APA/THEMENBILD/HELMUT FOHRINGER


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Der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) verlangt eine bessere Versorgung von psychisch Kranken in den Justizanstalten (JA). Jüngste Medienberichte und ein unlängst veröffentlichter Sonderprüfbericht der Volksanwaltschaft hätten "erhebliche Missstände" im Umgang mit psychisch erkrankten Menschen im Strafvollzug offengelegt, hielt der BÖP am Montag fest und verlangte "umfangreichere fachliche Unterstützung" und "systematische Verbesserungen".

Im österreichischen Straf- und Maßnahmenvollzug sind derzeit 186 Psychologinnen und Psychologen bzw. Psychiaterinnen und Psychiater tätig. Das bedeutet, dass im Normalvollzug eine Fachkraft auf rund 100 Insassinnen und Insassen kommt. Im Maßnahmenvollzug liegt das Betreuungsverhältnis bei ungefähr 1:25. Der BÖP spricht angesichts dieser Zahlen von einer "dramatischen Situation", was die Sicherheit der Betroffenen und anderer Insassinnen und Insassen, aber auch von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betrifft. Um diese gewährleisten zu können, sei eine rasche Nachbesserung bei der psychiatrischen und klinisch-psychologischen Versorgung umgänglich, wurde in einer Presseausendung betont. Dies würden auch die Menschenrechte und der Anspruch der Betroffenen auf ihre Resozialisierungschancen gebieten.

In Justizanstalten ist die Prävalenz psychischer Erkrankungen grundsätzlich deutlich höher als in der Allgemeinbevölkerung. Die Volksanwaltschaft hat wiederholt darauf hingewiesen, dass die entsprechenden Zahlen im Strafvollzug seit Jahren zunehmen. Neben psychotischen Störungen treten immer mehr Fälle von Suchterkrankungen, Depressionen, Angst- und Persönlichkeitsstörungen auf. Ein Konnex zur steigenden Anzahl an Suizidversuchen in den Justizanstalten liegt nahe.

BÖP für Ausbau der Psychiatrie

Der BÖP fordert daher den Ausbau der Psychiatrie im Strafvollzug und eine flächendeckende klinisch- und gesundheitspolitische Versorgung in sämtlichen Justizanstalten. Der Betreuungsschlüssel gehöre dringend verbessert, die Angebote für psychisch auffällige und belastete Insassinnen und Insassen erweitert. "Wir begrüßen die Bemühungen des Justizministeriums und der Fachkräfte in den Justizanstalten und möchten als Psychologinnen und Psychologen dazu beitragen, um gemeinsam nachhaltige Lösungen zu finden", bemerkte BÖP-Präsidentin Beate Wimmer-Puchinger. Klar sei, dass psychische Erkrankungen behandelt werden müssen - "unabhängig von den Lebensumständen der Betroffenen", wie Wimmer-Puchinger betonte.

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