"Rosenkavalier" jenseits von Zuckersüße in Graz
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von AgenturenDerbes Lustspiel in gelungener musikalischer Umsetzung
Bild: APA/APA/Oper Graz/Herwig Prammer/Herwig Prammer
Keinen silbrig-glänzenden "Rosenkavalier" mit ästhetischen Kostümen hat die Grazer Oper bei der Premiere des Richard-Strauss-Klassikers am Samstag geboten: Viel Klamauk, viel Trubel, eine ständig kreisende Drehbühne und natürlich die unvermeidlichen Videos waren die Ingredienzien, aus denen Regisseur Philipp M. Krenn seine Interpretation zusammenmixte. Unantastbar schön und nobel erklang die Musik unter der Stabführung von Chefdirigent Vassilis Christopoulos.
Als der "Rosenkavalier" 1911 uraufgeführt wurde, war der Erste Weltkrieg nicht mehr fern. Richard Strauss schrieb genau zu dieser Zeit die Musik für ein Werk, das oft als Rückschritt in seinem Schaffen - im Vergleich zu "Salome" oder "Elektra" - angesehen wird. Tatsächlich entstand mit dem Text von Hugo von Hofmannsthal eine Oper, die an Künstlichkeit kaum zu überbieten ist, die Musikstile verschiedener Epochen vereint und zusätzlich die Handlung noch in die Ferne des 18. Jahrhunderts rückt. In dem ironisch-kunstvollen Ambiente werden aber die Gefühle dieser Menschen auf eine Weise dargestellt, dass die ganze Umgebung plötzlich keine Rolle mehr spielt und aus den Versatzstücken der Vergangenheit etwas ganz Modernes entsteht.
Spiel mit den Zeitebenen und Stilepochen
Regisseur Philipp M. Krenn hat sich vor allem auf den Aspekt der Komödie konzentriert und ordentlich Tempo gemacht. Da wirbelt die Drehbühne fast ohne Pause, immer wieder rennen die Menschen durch die Zimmer, ohne dass das einen Sinn ergibt. Das Spiel mit den Zeitebenen, das Strauss musikalisch vollzieht, greift Krenn auf. Er mischt verschiedene Stilepochen durcheinander und zeigt die Handlung immer wieder auch als Rückblick.
Es ist keine dekadent-noble Gesellschaft, in der sich diese Beziehungsgeschichten abspielen, sondern eine ziemlich verlotterte Gesellschaft ohne Manieren und Stil. Die Marschallin vergnügt sich mit Oktavian am Billardtisch und schert sich wenig ums Personal, Ochs zieht sich nach seiner leichten Verletzung gleich vor allen bis auf die Unterwäsche aus. Ob die Handlung dadurch ins Heute geholt wird sei dahingestellt, auf schlichte Weise unterhaltsam ist sie sicher.
Großartiges Orchester und gelungenes Dirigat
Musikalisch hat die Aufführung einiges mehr zu bieten als szenisch: Die Grazer Philharmoniker zeigten sich in Hochform und lieferten fein schattierte Klänge. Christopoulos sorgte am Pult für Klarheit, ließ die Musik förmlich aufblühen und zog mitunter das Tempo an - was zum turbulenten Spiel auf der Bühne passte. Dem Walzer im zweiten Akt verpasste er das nötige Maß an Bedrohlichkeit, um nicht zu viel sentimental-tanzlustige Stimmung aufkommen zu lassen. Mit den Sängerinnen konnte man zufrieden sein: Anna Brull als jugendlich-lebhafter Oktavian mit überzeugendem Spiel war genauso eine Freude wie Tetiana Miyus, deren Sophie an Silberklang nichts zu wünschen übrig ließ. Das Trio wurde komplettiert von Polina Pastirchak, die zwar eine eher larmoyante Marschallin gab, dafür aber berührend sang, wenn auch nicht sehr wortdeutlich.
Nicht ganz mithalten mit der Damenriege konnte Wilfried Zelinka als Baron Ochs, wobei er durch ambitioniertes Spiel die stimmlichen Schwächen weitgehend vergessen machen konnte. Dafür gab Markus Butter einen eleganten Faninal, was für Kenner des Stücks amüsant war, sollte er doch als neureicher Emporkömmling der einzige ohne feinere Manieren sein. Das Intrigantenpaar Annina (Neira Muhic) und Valzacchi (Martin Fournier) geht ein wenig in dem allgemeinen Wirbel unter, ähnlich wie auch die an sich prägnanten Leitmetzerin von Corina Koller. Iurie Ciobanu (Ein Sänger) verbreitete italienischen Schmelz als Ausflug in eine andere Opernwelt.
Fazit: Die Drehbühne funktioniert einwandfrei, gesungen wurde sehr ordentlich und das Orchester war mitsamt Chefdirigent ausgezeichnet. Der Rest ist Geschmackssache, fand aber bei vielen Anklang.
(Von Karin Zehetleitner/APA)
(S E R V I C E - "Der Rosenkavalier" von Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss in der Grazer Oper. Musikalische Leitung: Vassilis Christopoulos, Inszenierung: Philipp M. Krenn, Bühne: Momme Hinrichs, Kostüme: Eva Maria Dessecker. Besetzung: Die Feldmarschallin Fürstin Werdenberg: Polina Pastirchak, Der Baron Ochs auf Lerchenau: Wilfried Zelinka, Octavian: Anna Brull, Herr von Faninal: Markus Butter, Sophie: Tetiana Miyus, Jungfer Marianne Leitmetzerin: Corina Koller, Valzacchi: Martin Fournier, Annina: Neira Muhić, Ein Sänger: Iurie Ciobanu, Ein Notar/ Ein Polizeikommissar: Will Frost, Der Haushofmeister der Marschallin/ Der Haushofmeister bei Faninal/ Ein Wirt: Daniel Käsmann, Drei adelige Waisen: Dominika Blažek/Ingrid Niedermair-Miller/Ju Suk, Vier Lakaien/Vier Kellner: Gihwang Yoon/Hansol Choi/Christian Scherler/Richard Jähnig. Weitere Termine: 13., 17., 21., 28., 31. Mai, 3., 10., 13., 19. und 26. Juni 2026. https://oper-graz.buehnen-graz.com/produktion/der-rosenkavalier/ )
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