Schau Belvedere zeigt wie aus Venus eine Hundsgräfin wurde
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von AgenturenDie schlafende Venus nach Abnahme der Übermalung
Bild: APA/APA/Belvedere/Johannes Stoll/Johannes Stoll
Eigentlich malte Johann Baptist Lampi der Jüngere 1826 eine schlafende Venus. Aber ein Teil des Bildes wurde überdeckt, in den 1930er-Jahren bekam es deshalb eine neue Deutung. Es soll sich, wie in zwei zeitgenössischen Heimatromanen zu lesen, um ein Porträt der Emilia-Viktorine von Wolfsberg, Beinamen "Hundsgräfin", handeln, der man eine Affäre mit Napoleon nachsagte. Die Restaurierung des Werks und eine Schau im Oberen Belvedere in Wien decken die kuriose Geschichte auf.
"Johann Baptist Lampi der Ältere und der Jüngere. Übermalt und freigelegt" (ab 13.5.) - der Titel der Ausstellung der Serie "Im Blick", die jeweils einen Aspekt der Haussammlung beleuchtet, mag "ein bisschen herausfordernd sein", wie Generaldirektorin Stella Rollig bei einem Pressetermin am Dienstag sagte. "Aber das ist dem Namen der beiden Künstler, die hier im Mittelpunkt stehen, geschuldet." Um Vater und Sohn geht es "und ganz speziell um zwei Gemälde".
Ein Bild, das im Belvedere unter dem Titel "Venus auf einem Ruhebett schlafend" inventarisiert war, ist ein Hauptwerk des Jüngeren. Die Liebesgöttin ist vor einem Spiegel wiedergegeben, die rechte Hälfte, schwarz und undefiniert, erschien "seltsam leer", wie Kuratorin Katharina Lovecky erläuterte. Infrarot- und Röntgenaufnahmen offenbarten schließlich Amor darunter. Der Künstler selbst hat sein Werk erstmals 1828 auf der Akademieausstellung unter dem Titel "Die schlafende Venus vor dem Spiegel mit dem Amor" und als Zusatz: "Ideal" präsentiert. "Ein Geschenk für Kunsthistorikerinnen, wenn so etwas im Katalog steht", so Lovecky.
Popularisierung durch falsche Deutung
Das Werk wurde für die Kaiserliche Gemäldegalerie angekauft und aus "wahrscheinlich ästhetischen" (Lovecky), aber letztlich unbekannten Gründen schon bald übermalt. Die Fehlinterpretation, das Bild zeige die "Hundsgräfin" - die Bezeichnung verdankt die Salzburgerin ihrem Privatzoo -, fußt auf zwei Heimatromanen, die sich mit dem Schicksal der Emilia von Wolfsberg auseinandersetzen. Durch die falsche Deutung bekam das Gemälde eine große Popularisierung - bis nach Paraguay, wie ausgestellte Briefmarken aus dem Land mit dem Motiv belegen.
2024 durfte der Amor mit Erlaubnis des Bundesdenkmalamtes aufgedeckt werden und ist nun erstmals wieder "unverfälscht" zu sehen. "Die Ikonografie des Bildes entspricht nun der ursprünglichen Intention", betonte die Kuratorin. Bei einem Gemälde von Lampi dem Älteren wurde das nicht gestattet. Es zeigt zwei Kinder der aus Mailand stammenden Tänzerin Catarina Tomatis (Casanova bescheinigte ihr in seinen Memoiren Schönheit, aber kein Talent), die mit ihrem Mann Carlo 1765 nach Warschau gezogen war. Dort malte der Künstler die Frau, Mätresse des polnischen Königs, mit ihren Sprösslingen Caroline und Victor. Das klassizistische Porträt blieb unvollendet - und wurde übermalt. Anstelle der Mutter ist nun eine Steinbüste zu sehen. Röntgen- und Infrarotbilder zeigen die ursprüngliche Version.
"Lebendig unter der Malschicht"
"Wir wissen nicht, warum dieses Bild übermalt wurde, aber fälschlicherweise wurde das Werk in seinem gegenwärtigen Zustand als Darstellung zweier Kinder, die an ihre verstorbene Mutter denken würden, gedeutet", sagte Lovecky. "Dass diese aber recht lebendig unter der dunklen Malschicht liegt, darauf stießen wir erst im Jahr 2016."
Die Präsentation zeichnet konzentriert auf kleinem Raum nach, welchen Bedeutungswandel die groben Eingriffe hatten. Sie erzählt aber auch die Biografien der beiden Lampis, über Gefühlsdarstellungen im Porträt des 18. Jahrhunderts und nicht zuletzt darüber, welche Geheimnisse bei Restaurierungen aufgedeckt werden können.
(S E R V I C E - "Im Blick: Johann Baptist Lampi der Ältere und der Jüngere. Übermalt und freigelegt" im Oberen Belvedere, 13.5. bis 11.10, Mo-So, 9-18 Uhr, Katalog 19 Euro, ISBN 978-3-903327-75-7; www.belvedere.at )
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