Wipfel, Gipfel, Grotte: Festwochen mit "Vampire's Mountain"
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von Agenturen"Vampire's Mountain"
Bild: APA/APA/Wiener Festwochen/Martin Argyroglo/Martin Argyroglo
Sieben Vampire machen einen Ausflug ins Hochgebirge und stellen dabei fest, das die Form der spitzen Gipfel ihren Zähnen ähnelt. Nicht viele Theatermacher dürften Produzenten mit so einer Synopsis überzeugen. Der Franzose Philippe Quesne ist anders. Der Regisseur, Künstler und Bühnenbildner hat schon die skurrilsten Einfälle unterhaltsam umgesetzt und war bereits mit sechs Arbeiten bei den Wiener Festwochen zu Gast. Seit Sonntag zeigt er "Vampire's Mountain" im Volkstheater.
Die Produktion, die im Oktober 2025 am Deutschen Schauspielhaus Hamburg Premiere hatte, ist immer wieder überraschend heiter, manchmal etwas pathetisch und mit 100 Minuten um einiges zu lang. Lebende Tote haben buchstäblich alle Zeit der Welt, doch so mancher der lebenden Premierenbesucher unterlag im letzten Drittel, als auf der Bühne kaum mehr etwas weiterging, dem Kampf gegen den Theaterschlaf.
Wipfel, Gipfel und Grotte
Drei eindrucksvolle Bühnenprospekte bietet Quesne als sein eigener Ausstatter für den Abend auf: einen nebeldurchzogenen Wald, ein steil aufragendes, schneebedecktes Bergpanorama und eine Grotte. Das vampirische Septett scheint eben aus der Tiefe gestiegen zu sein, zieht einen Sarg an die Oberfläche und verwendet ihn hochkant gestellt für allerlei imposante Auftrittsübungen. "Vampire's Mountain" ist ein ironisches Spiel mit Theatermitteln, mit Effekten, die uns das Gruseln lehren sollen, und mit Klischees, die einschlägige Romane und Filme in unseren Köpfen erzeugt haben.
Die Landschaft ist menschenleer, gesaugt werden kann nur noch an ein paar herumliegenden Extremitäten oder am Blutbeutel vom Fusionsständer. Dennoch bilden die fast auf dem Trockenen sitzenden Blutsauger eine zwar etwas heruntergekommen wirkende, doch recht muntere Reisegesellschaft. Sie landen in einer verschneiten Gebirgslandschaft, wo sie Ski ausfassen und slapstickartig Gletscherspalten überqueren.
Schrumpfende Berge
Als es heiß wird und die Berge (nicht die Gletscher) schrumpfen, ist für die Reisenden Gelegenheit, ein paar Bemerkungen über den Klimawandel anzubringen, ehe man in eine Höhle oder Grotte übersiedelt und sich mehr dem Fledermausdasein widmet. Es werden Texte gelesen, Querflöte und Orgel gespielt und Prozessionen veranstaltet, doch keinerlei Erkenntnisse daraus gewonnen. Am Ende wird man mit einem Kirchenlied aus dem 17. Jahrhundert entlassen: "Ach wie flüchtig / Ach wie nichtig / Ist der Menschen Leben!" Dem kann nicht widersprochen werden. Gerade deshalb gilt es, seine irdische Zeit gut zu nützen.
(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)
(S E R V I C E - "Vampire's Mountain", Konzept, Regie, Bühne, Kostüme: Philippe Quesne. Mit Jean-Charles Dumay, Sachiko Hara, Sébastien Jacobs, Sasha Rau, Bettina Stucky, Samuel Weiss, Martin Zamorano. Eine Produktion des Hamburger Schauspielhauses in Kooperation mit Vivarium Studio bei den Wiener Festwochen. Weitere Vorstellungen im Volkstheater Wien: 1.-3.6., 19.30 Uhr, www.volkstheater.at )
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