Laut Mediziner
Bluthochdruck erhöht Risiko für Schlaganfall und Demenz
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von Quelle: APA, JOYN NewsJoyn News
Der stille Killer: Bluthochdruck
Videoclip • 04:31 Min • Ab 12
Nicht oder unzureichend behandelter Bluthochdruck erhöht nicht nur die Gefahr für einen Herzinfarkt, sondern auch für Schlaganfall und Demenz. Für Schlaganfälle ist erhöhter Blutdruck der höchste Risikofaktor und Schlaganfall die Krankheit, die die meisten erworbenen Behinderungen bei Erwachsenen bedingt, warnte der Mediziner Christian Koppelstätter im APA-Gespräch. Erhöhte Werte sollten "nicht auf die leichte Schulter genommen werden", sagte auch die Internistin Sabine Perl.
Herz, Nieren und das Gehirn bestehen aus vielen kleinen Gefäßen, erläuterte Koppelstätter von der Universitätsklinik für Innere Medizin in Innsbruck. Anhaltender Bluthochdruck (Hypertonie) führt zur Schädigung dieser Gefäße in den Organen. Herzinfarkt und Schlaganfall sind somit eine Erkrankung dieser Gefäße.
Situation in Österreich "nicht sehr rosig"
Studien zu Bluthochdruck in Österreich hätten "nicht sehr rosige" Ergebnisse gebracht, sagte Koppelstätter als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie (ÖGH/"Österreichische Hochdruckliga"). "2017 haben wir in Österreich ein sehr großes Messprogramm gehabt", berichtete Perl, die an der Med Uni Graz und ebenfalls im ÖGH-Vorstand tätig ist.
Dabei wurden auf der Straße Personen zu einer dreifachen Testung gebeten, also nicht nur schnell im Vorbeilaufen, wie Perl betonte. "Darunter waren 40 Prozent nicht bekannte Hypertoniker." Zudem waren 60 Prozent der bereits diagnostizierten und therapierten Hypertoniker nicht in ihrem Zielbereich, also weiterhin mit erhöhtem Blutdruck, schilderte die Internistin und Kardiologin. Bei weltweit erhobenen Daten lag Österreich damit "im untersten Drittel". Das Ergebnis zeigt, "dass man auch Patienten auffordern muss, sich selbst zu kontrollieren", sagte Perl.
"Medikamente nehmen, dass nichts passiert"
Das unterstreichen auch Projekte zum Disease Control Management, wie HerzMobil Tirol, wo die Patientinnen und Patienten in einem Zeitraum von drei Monaten aufgefordert werden, täglich ihren Blutdruck zu übermitteln, berichtete Koppelstätter. Der Internist warnte vor der falschen Einstellung - Bluthochdruck "spüre ich nicht, dann macht es ja nichts" - mancher Betroffener. Es ist entscheidend, die "Medikamente zu nehmen, dass nichts passiert".
Für die Therapietreue sei zudem persönliche und engmaschige Betreuung wichtig, etwa durch Pflegekräfte und Telemedizin. Blutdruckmessung dürfe keine reine Arztaufgabe sein, manche Personen haben beim Arzt höhere Werte als daheim ("Weißkittel-Hypertonie"). Darum sind Messungen selbstständig zu Hause, durch Apotheken und Pflegekräfte eine wichtige Erweiterung der Möglichkeiten zur frühen Diagnostik. Sogar Messungen beim Friseur können hier unterstützend sein, hat eine Wiener Studie gezeigt.
Es braucht mehr Aufmerksamkeit für Bluthochdruck bei Frauen, forderte Koppelstätter. Ab dem 65. Lebensjahr hätten in der Bevölkerung mehr Frauen einen nicht eingestellten Blutdruck als Männer. Gemessen wird der Blutdruck bei Frauen oft erstmals im Rahmen einer Schwangerschaft, berichtete Perl. "Wenn bei Frauen Bluthochdruck in der Schwangerschaft auftritt, dann haben diese ein extrem hohes Risiko, im späteren Leben Bluthochdruck zu entwickeln." Auch in der Menopause gehöre "besonders gescreent".
Die korrekte Messung daheim
Spätestens ab dem 40. Lebensjahr - am besten schon früher - sollte der Blutdruck auch bei gesunden Menschen ohne familiäres Risiko regelmäßig kontrolliert werden, empfahlen Perl und Koppelstätter. Die Messung am Oberarm ist genauer als jene am Handgelenk, geachtet werden muss nur auf die passende Größe der Oberarm-Manschette. Die Geräte kosten rund 40 Euro, tun viele Jahre ihren Dienst und sollten nur hin und wieder in einem Fachgeschäft neu kalibriert werden, riet Koppelstätter. "Es gibt kaum eine andere chronische Erkrankung, die im späteren Leben so viele Probleme machen kann, die man mit so wenig Mitteln erkennen und damit sehr früh behandeln kann."
"Empfohlen ist für zu Hause eine Zweifachmessung", sagte Perl. Zunächst sollte die Person die Oberarm-Manschette anlegen, sich fünf Minuten ruhig an einen Tisch setzen und davor keinen Kaffee oder üppige Mahlzeiten konsumieren. Danach erfolgt die Messung mit am Tisch abgelegtem Unterarm, zwei Minuten später eine zweite Messung. Dies lasse sich beispielsweise als Routine vor dem Frühstück und Abendessen einbauen. Der Mittelwert der beiden Ergebnisse sollte nicht über 135 zu 85 liegen.
17 Prozent aller Todesfälle durch Hypertonie
Wenn einer der Werte zu hoch ist, dann ist der nächste Schritt eine Abklärung beim Hausarzt und gegebenenfalls eine Internistin oder ein Internist die weitere Anlaufstelle. "Wenn man gut eingestellt ist, genügt auch eine Messung in der Woche oder eine Messwoche im Monat", erläuterte Perl. 17 Prozent der weltweiten Todesfälle sind auf Bluthochdruck zurückzuführen, betonte Koppelstätter. "Jeder erwachsene Mensch sollte daher wissen, was sein Blutdruck ist."
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