Austrian Health Report

Gesundheitssystem: Frauen fühlen sich weniger ernst genommen

Veröffentlicht:

von Quelle: APA, JOYN News

ZIB 13:00

Unzufriedenheit an Gesundheitssystem steigt

Videoclip • 01:42 Min


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Frauen fühlen sich im hiesigen Gesundheitssystem schlechter aufgehoben als Männer, geht es nach dem neuesten Austrian Health Report. 44 Prozent der Österreicherinnen hätten in der repräsentativen Studie angegeben, ihre Symptome würden "gelegentlich" oder "häufig" nicht ernst genommen. Unter Männern hätten das nur 23 Prozent beklagt.

Für die Studie wurden im vergangenen Juli 1.000 Menschen telefonisch und online zu Gesundheitsthemen befragt.

Indes sei die Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem in Österreich nur "leicht rückläufig", erklärte Eva Zeglovits, Geschäftsführerin des Instituts für empirische Sozialforschung (IFES), während einer Pressekonferenz am Mittwoch. 17 Prozent seien damit aktuell "nicht zufrieden".

Die Skepsis steigt dagegen bei der Medikamentenversorgung. Nur noch 37 Prozent empfinden diese in Österreich als gesichert, im Vorjahr noch 44 Prozent. Seit 2022 wird der Austrian Health Report vom Pharmakonzern Sandoz beim IFES in Auftrag gegeben.

Männer mit Gesundheitssystem zufriedener als Frauen

Ein Gender Gap ergibt sich beim Blick auf die positiven Rückmeldungen zum Gesundheitssystem: 56 Prozent der Männer seien damit "zufrieden" oder "sehr zufrieden", Frauen aber nur zu 41 Prozent. Mit 42 Prozent ist der Großteil der Österreicherinnen in der Statistik stattdessen nur "teils-teils" zufrieden. Über ein Drittel der Frauen hätte zudem angegeben, ihre Schmerzen oder Symptome seien als psychisch beziehungsweise psychosomatisch abgetan worden. Bei den Männern sei das mit 15 Prozent weniger als halb so oft der Fall.

Immerhin 70 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher empfinden ihre allgemeine Gesundheit als "gut" oder "sehr gut" - eine leichte Steigerung im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings könne das Ergebnis trügen, so Thomas Czypionka vom Institut für Höhere Studien (IHS). Es handle sich nämlich um Selbsteinschätzungen und besonders bei Männern seien das "Wissen um Gesundheit" und "die Wahrnehmung eigener Symptome nicht so gut". Drei Viertel der Suizidtoten sind Czypionka zufolge Männer, aber diese gestehen Depressionen seltener ein. Auch würden Männer seltener zur Vorsorge gehen.


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Junge Menschen sehen sich mehr psychisch belastet

Barbara Haid, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie (ÖBVP), pocht außerdem für mehr Aufmerksamkeit bei den Jungen. Menschen über 60 Jahre beschreiben ihren psychischen Gesundheitszustand in der Studie zu 39 Prozent als "sehr gut" - bei den Menschen bis 29 Jahren sind es lediglich 20 Prozent.

Zwar sei es positiv, "dass man sehr viel achtsamer mit dem Thema psychische Gesundheit umgeht", so Haid. Trotzdem sieht die Expertin Handlungsbedarf: "Wir leben in einer unsicher gewordenen Welt, und das wirkt sich auf jüngere Menschen noch einmal massiver aus, als auf ältere Generationen."

Pflege liegt bei den Frauen

Die weiblichen Befragten seien durch den "mental load" bei Aufgaben im Haushalt zusätzlich belastet. 67 Prozent der Österreicherinnen mit Partner sehen sich laut den Daten bei Gesundheitsfragen zu Hause selbst zuständig, 58 Prozent außerdem bei der Pflege von Krankgewordenen.

Lediglich 21 Prozent der Männer mit Partnerinnen sehen dagegen die Zuständigkeit für die Pflege bei sich selbst, 44 Prozent bei Gesundheitsfragen. So entstünde für Frauen ein permanentes Mitdenken, erklärte Barbara Haid, "und vor allem das Gefühl, ständig für alles verantwortlich sein zu müssen."

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