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SOS-Kinderdorf: Missbrauchsvorwürfen wurde "nicht nachgegangen"

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von Quelle: APA, JOYN News

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Missbrauchsskandal bei SOS-Kinderdörfern weitet sich aus

Videoclip • 11:46 Min


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Die nach den bekannt gewordenen Missständen an Standorten von SOS-Kinderdorf gegründete unabhängige Reformkommission unter der ehemaligen Präsidentin des Obersten Gerichtshofs, Irmgard Griss, hat am Freitag erste Ergebnisse präsentiert. Es wurde Gerüchten, vor allem was den Missbrauch durch den Gründer der Organisation, Hermann Gmeiner, betrifft, "nicht nachgegangen", sagte Griss. "Man hat versucht, das Ganze unter der Decke zu halten", so das Fazit der Kommission.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach den bekannt gewordenen Missständen bei SOS-Kinderdorf präsentierte eine unabhängige Reformkommission ihre ersten Ergebnisse.

  • Demnach wurde den Gerüchten von Missbrauch "nicht nachgegangen".

Zum Fall Gmeiner gebe es nun 16 Verdachtsfälle, wobei acht Personen bereits entschädigt wurden. Fünf Personen hätten zu diesem Missbrauchskomplex einen Antrag gestellt, sagte Griss, das sei noch am Laufen.

Ziel der neun Monate langen Untersuchung war, die Übergriffe sowie damit zusammenhängende Strukturen zu untersuchen, um daraus Empfehlungen für die Organisation abzuleiten. "Auch die Institution kennt unseren Bericht noch nicht", sagte Griss zum Beginn der Pressekonferenz und überreichte dabei den Bericht der bei der Pressekonferenz anwesenden SOS-Geschäftsführung.

2.084 Unterlagen wurden dazu der Kommission übermittelt. "Die Unabhängigkeit wurde respektiert, wir haben alle Unterlagen bekommen", sagte Griss. Die Zusammenarbeit habe sehr gut funktioniert.


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Jahrelangen Gerüchten "nicht nachgegangen"

230 Meldungen über eine eigens eingerichtete Homepage wurden bearbeitet, dazu mit den Betroffenen 142 Gespräche geführt. Die Kommission hat sich dann in 26 Sitzungen getroffen und die Fragen besprochen, wie ist die Organisation mit den Vorwürfen umgegangen und "wie ist die Situation jetzt und welche Strukturen fördern den Kinderschutz, was ja die Aufgabe der Institution ist", sagte Griss.

Umfasst war der Umgang der Organisation mit beiden Studien zu den Missbrauchsvorwürfen in Imst und Moosburg - insbesondere die Umsetzung der Empfehlungen -, sowie die Vorwürfe im sogenannten "Spenderfall", wo ein Großspender im SOS-Kinderdorf Nepal Buben missbrauchen haben durfte, und der Fall Hermann Gmeiner. Bei Gmeiner habe es Jahre hindurch Gerüchte gegeben, "denen aber nicht nachgegangen wurde", betonte Griss. Man habe versucht, die "heroische Gründerfigur" zu schützen.


Man wollte "guten Ruf" schützen

"Es wurde alles getan, um den guten Ruf zu schützen", sagte auch Kommissionsmitglied, Hedwig Wölfl, Geschäftsführerin der Kinderschutzorganisation die möwe. Fehler seien nicht eingestanden und Probleme und Missstände nicht konsequent bearbeitet worden. Zudem sei es zu einer Durchsetzung patriarchaler Entscheidungsmacht und einer Fragmentierung von Wissen gekommen.

"Mein Eindruck war, dass das eine Organisation ist, die sich seit ihrer Gründung ständig verändert hat", so Griss. Das anfangs etablierte Muttermodell - das Eltern-Kind-Wohnen - sei sukzessive zurückgedrängt worden. "Aber das ist der Öffentlichkeit so nicht übermittelt worden", so Griss. Damit sei in der Öffentlichkeit ein Bild vermittelt worden, das spendenwirksam sei.

Der Bericht befasst sich zudem mit dem Umgang von SOS-Kinderdorf mit Studien, internen Meldewegen und Fragen der Transparenz, insbesondere im Hinblick auf mögliche Vertuschungen. Analysiert wurden darüber hinaus strukturelle Risikofaktoren wie Machtkonzentration, fehlende externe Kontrolle und unklare Verantwortlichkeiten.

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