Drei Jahre
Israels Kriege - Mehrere Fronten, kein Ende in Sicht
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von Quelle: APA, JOYN NewsZEIT IM BILD 2
Van der Bellen kritisiert Israels Vorgehen in Gaza
Videoclip • 03:42 Min
Vor drei Jahren löste der terroristische Großangriff der islamistischen Hamas eine massive israelische Militäroperation in Gaza aus. Seitdem kämpft Jerusalem an mehreren Fronten gegen Gegner, die vom Iran gestützt werden. Analysten warnen vor "Endloskriegen".
Gaza und Westjordanland
Die Palästinenserorganisation Hamas entstand 1987 und versteht sich als islamistische Widerstandsbewegung gegen die israelische Besatzung in Gaza und Westbank. Viele Länder stufen sie als Terrororganisation ein. Am 7. Oktober 2023 verübte die Hamas einen terroristischen Großangriff auf Israel, tötete rund 1.200 Menschen und verschleppte mehr als 250 Opfer aus Israel.
An jenem Tag änderte auch die israelische Militärführung ihre Einsatzregeln. Offiziere mittleren Ranges durften vorübergehend Tausende militärische Ziele und Kämpfer angreifen, selbst wenn ein einzelner Angriff bis zu 20 Zivilisten tötete, wie eine Recherche der "New York Times" aufdeckte. Für solche zivilen Opfer gibt es im hebräischen Militärjargon einen eigenen Begriff. "NAZA" ist eine hebräische Abkürzung für "nezek agavi", und beschreibt einen schweren Schaden, der bei einer militärischen Aktion entsteht. Der Begriff ist auch der Ausgangspunkt des umstrittenen Dokumentarfilms "NAZA" über den Gazakrieg.
Im Mai 2024 stellte der damalige Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), Karim Khan, aufgrund von Verbrechen gegen die Menschlichkeit einen Haftbefehl-Antrag gegen Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu. Bis zum November 2025 hatten israelische Angriffe im Gazastreifen laut örtlichen Behörden mehr als 69.000 Menschen getötet. Dort sind von insgesamt 330.000 Gebäuden mittlerweile 75 Prozent zerstört oder beschädigt. Als Forderungen nach einem Waffenstillstand - auch innerhalb Israels - immer lauter wurden, schlossen Israel und die Hamas ein Waffenstillstandsabkommen. Das Abkommen trat am 10. Oktober 2025 in Kraft, die letzten überlebenden Geiseln wurden freigelassen. Ein Ende des Kriegs bedeutete das aber nicht.
Seither wurden im Gazastreifen nach palästinensischen Angaben mehr als 1.250 Menschen durch israelischen Beschuss getötet. Auf israelischer Seite kamen im selben Zeitraum vier Soldaten ums Leben. Im September 2026 warf Bundespräsident Alexander Van der Bellen Israel Kriegsverbrechen im Gazastreifen und im Westjordanland vor. Israel wies die Vorwürfe scharf zurück.
Iran
Nach der Islamischen Revolution im Jahr 1979 positionierte sich Teheran als klarer Feind Israels und der mit Israel verbündeten USA. Teheran versteht sich selbst und seine Verbündeten - darunter die Hamas und die proiranische Hisbollah-Miliz - als Teil einer "Achse des Widerstands", der ehemalige US-Präsident George W. Bush sprach hingegen von einer "Achse des Bösen".
Um die mit Teheran verbündete Hamas und Hisbollah im Krieg gegen Israel zu unterstützen, griff der Iran Israel im Oktober 2024 mit rund 180 ballistischen Raketen an. Israel antwortete mit mehreren Militäroffensiven gegen Teheran. Schließlich griffen Jerusalem und Washington den Iran im Juni 2025 an. Dabei wurden innerhalb von zwölf Tagen wichtige iranische Atomanlagen getroffen. Israel, das selbst über Atomwaffen verfügt, sieht sich durch Teherans Nuklearprogramm in seiner Existenz bedroht. Internationalen Atominspektoren bereitete vor allem das fast waffenfähige, hochangereicherte Uran Sorgen. Der Iran beteuert hingegen, nicht nach Kernwaffen zu streben.
Im Februar 2026 flogen Israel und die USA erneut Luft- und Raketenangriffe auf nukleare, militärische und zivile Infrastruktur im Iran. Dabei wurde das iranische Staatsoberhaupt Ayatollah Ali Khamenei getötet, seitdem starben laut örtlichen Behörden im Iran mehr als 3.000 Menschen bei den Angriffen. Die USA meldeten 19 Opfer unter ihren Streitkräften. Teheran antwortete auf die Angriffe der USA und Israels mit Vergeltungsschlägen gegen Israel, Angriffen auf Golfstaaten und US-Militärbasen im Nahen Osten. Israel zog sich indes zunehmend aus dem Iran-Krieg zurück.
Im April 2026 einigten sich Washington und Teheran auf eine zweiwöchige Waffenruhe, die anschließend verlängert wurde. Beide Seiten setzten jedoch ihre Angriffe fort, die Auswirkungen sind bis heute weltweit spürbar. In der für den Welthandel wichtigen Straße von Hormuz ist der Schiffsverkehr faktisch blockiert. Die Kriegsparteien ringen schon länger um eine vollständige Wiedereröffnung - bisher ohne Erfolg.
Libanon
Die proiranische Hisbollah ist schiitisch-islamistische Partei und Miliz zugleich. Sie entstand im Jahr 1982. Damals herrschte im Libanon ein Bürgerkrieg, bei dem israelische Streitkräfte eingriffen. Seitdem befindet sich die Hisbollah in einem langwierigen Konflikt mit Israel. Am 8. Oktober 2023, einen Tag nach dem Großangriff der Hamas auf Israel, griff auch die Hisbollah das Land an. In den darauffolgenden Monaten setzten beide Seiten ihre Angriffe fort. Israel tötete unter anderem im September 2024 den Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah, der 32 Jahre lang an der Spitze der Gruppierung stand.
Ende Februar 2026 zog die Hisbollah den Libanon in den Iran-Krieg hinein, indem sie Raketen auf Israel abfeuerte. Jerusalem reagierte mit einer groß angelegten Bodenoffensive, bei der mehr als 4.000 Libanesinnen und Libanesen getötet wurden. Im Juni 2026 knüpfte ein von den USA vermitteltes Rahmenabkommen zwischen dem Libanon und Israel einen israelischen Rückzug aus dem Libanon an die Entwaffnung der Hisbollah. Während die libanesische Regierung dem zustimmte, lehnte die Hisbollah ihre Entwaffnung ab. Die libanesische Regierung hat nur begrenzten Einfluss auf die Gruppierung, die weite Teile des Südlibanons kontrolliert.
Zugleich kontrolliert Israel im Südlibanon eingenommene Gebiete und bezeichnet sie als "Pufferzonen" zwischen seinem Territorium und den feindlichen Gebieten. Israel verübt im Südlibanon nahezu täglich Angriffe gegen Hisbollah-Mitglieder, oftmals mit hohen zivilen Opferzahlen. Forderungen nach einem Rückzug aus diesen Gebieten hat Israels Regierungschef Netanyahu bisher zurückgewiesen. Radikale Siedler fordern indes sogar, dass der Südlibanon israelisch besiedelt werden soll, ähnlich wie das Westjordanland. Die Hisbollah setzt indes ihren Beschuss israelischen Militärs fort.
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