Hilfe für Eltern

Wie erklärt man Kindern und Jugendlichen Krieg?

Veröffentlicht:

von Dijana Djordjevic

Treffpunkt Österreich zu Mittag

Krieg auf TikTok: Wie Kinder die Angstbilder verarbeiten

Videoclip • 05:35 Min


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Ukraine, Gaza und nun der Iran-Krieg: In den letzten Jahren ist das Thema Krieg omnipräsent. Egal ob auf Social Media, im Fernsehen oder sogar im eigenen Umfeld - für viele ist es schwer, dem Thema aus dem Weg zu gehen. Aber was macht das eigentlich mit den Jüngsten der Gesellschaft? Und wie kann man mit Kindern und Jugendlichen am besten über das Thema sprechen?

Das Wichtigste in Kürze

  • Krieg im Nahen Osten, Krieg in der Ukraine, Ängste und Unsicherheit: Oft leiden auch Kinder und Jugendliche darunter.

  • Wie man den Jüngsten der Gesellschaft erklärt, was derzeit passiert.

"Kinder und Jugendliche sind durchaus von den Krisen beeinflusst und in ihrem Erleben geprägt", bestätigt Kinder- und Jugendpsychiater Helmut Krönke gegenüber JOYN News. Dass die internationalen Kriege den Kindern und Jugendlichen in Österreich Angst machen oder Sorgen und "pessimistischere Gefühle in Richtung Zukunft" auslösen, erlebt er auch in seiner täglichen Arbeit.

Sorge, dass "der Krieg auch zu uns kommt"

"Sie zeigen Ängste, dass diese Konflikte zunehmend auch Europa mehr beeinflussen oder diese bis zu uns vordringen." Vor allem bei Jugendlichen, die bereits einige psychiatrische Symptome zeigen, können die negativen Gefühle eine "Negativspirale beschleunigen", betont der Psychiater.

Hinzu komme für viele die Empathie mit den Opfern. Und auch Jugendliche, die selbst aus Kriegsgebieten geflohen sind, können durch die Kriegsbilder retraumatisiert werden.

Bei Rat auf Draht kommen eher selten Anfragen zum Thema Krieg rein. "Wenn, dann von in Österreich lebenden Menschen, die sich um Angehörige oder Freunde" in Kriegsgebieten sorgen, wird auf Anfrage bestätigt. Betroffene haben aber Sorge, dass der Krieg "auch zu uns nach Österreich kommt", Angst vor dem 3. Weltkrieg oder würden Unterstützung im Umgang mit der Flut an Bildern und Videos suchen, die man auf Social Media und im Fernsehen mitbekommt.

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Angstverstärker Social Media

Und auch Kinder- und Jugendpychotherapeutin Vivien Kain betont: "In dem Moment, wo das Kind einem gewissen Medienkonsum ausgeliefert ist oder damit in Berührung kommt, wird die Sache viel komplexer". Das Kind würde möglicherweise "gewaltbereite Videos, Angstinhalte in Dauerschleife, Fake News" erfahren.

Und auch Krönke betont: "Social Media stellt vermutlich den Hauptkanal für Informationsgewinn dar". "Dabei kommt es auf den individuellen Algorithmus an, wer mich dann informiert." Nicht alle Jugendlichen würden klassischen Medien folgen, viele seien auch schon stark vorbeeinflusst und es fehle ihnen dadurch eine breit gefächerte Information bzw. sie sind anfälliger für Manipulationen.

Beide Expert:innen betonen, dass es hier wichtig ist, als Elternteil das Ganze zu begleiten und mit den Kindern und Jugendlichen zu reflektieren, welche Inhalte sie sich anschauen und ob es tatsächlich sinnvoll ist. "Verbieten kann ich es nicht, sonst wird das Ding nur noch reizvoller, weil dann mach ich es heimlich", sagt Kain. Wichtig sei, dass man die Kommunikation und den Austausch anbietet.

Bedeutsam ist es auch, die Screenzeit zu begrenzen. "Dass man wirklich mit ihnen ausmacht, einigen wir uns auf eine Zeit, 30 Minuten am Tag oder so. Dass man sich darauf einigt, dass das Handy vor dem Schlafengehen schon vorher eine Zeit abgegeben wird, weil auch das Nervensystem der Kinder braucht eine Pause", empfiehlt Kain.


Wie spreche ich mit meinem Kind über Krieg?

Wie erklärt man also den Jüngsten der Gesellschaft, was derzeit passiert? Laut Kain gibt es hier unabhängig vom Alter drei Leitpunkte, an die sich Eltern richten können:

Offene und proaktive Kommunkation

Es bedarf die "offene und proaktive Kommunikation ab dem Zeitpunkt, wo das Kind auch in einer Fremdbetreuung ist und man nicht mehr einen großen Einfluss oder Überblick auf das hat, was es irgendwie mitbekommt", betont die Expertin. Hier solle man ehrlich sein, "aber es darf natürlich dosiert und altersadäquat stattfinden".

Und auch Krönke betont: "Es ist immer sinnvoll auf einem altersentsprechenden Niveau mit den Kindern über dieses Thema zu sprechen und kein Tabu daraus zu machen. Wenn sich meine sechsjährige Tochter damit beschäftigt, muss ich mit ihr darüber reden. Wenn sich mein zwölfjähriger Sohn eher für die Treffen mit seinen Freunden interessiert, muss ich es ihm nicht aufdrücken."

Das Kind soll sich sicher fühlen

Das oberste Credo dieser Gespräche ist laut Kain, dass das Kind sich am Ende des Tages sicher fühlt. "Das heißt, dass das Kind das Gefühl vermittelt bekommt: 'Hier bin ich sicher und die Erwachsenen kümmern sich darum'."

Emotionen spiegeln

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass man den Kindern und Jugendlichen das Gefühl gibt, "Angst ist normal, Unsicherheit ist normal in so einer Situation und das darf sein". Beide Expert:innen betonen die Wichtigkeit, die Sorgen und Gefühle der Kinder ernst zu nehmen. "Das heißt, es wird nichts abgewiegelt in dem Sinne, sondern es wird validiert: 'Ich kann gut nachvollziehen, dass du dich da jetzt ängstigst oder fürchtest'", sagt Kain.

"Und im Zuge dessen finde ich es total wichtig, dass wir uns auch überlegen, wie gehen wir als Erwachsene denn damit um, weil auch uns macht das Angst oder auch uns verunsichert das. Und auch wir dürfen unseren Kindern mitgeben, dass das einfach Emotionen in uns weckt. Aber wir müssen schauen, dass wir sie in dem Gespräch mit unseren Kindern begrenzen."


Wann sollte man einen Psychotherapeuten aufsuchen?

Ab welchem Punkt sollte man aber doch eingreifen und eine:n Expert:in aufsuchen? Laut Kain ab dem Moment, wo man eine Wesensveränderung über einen längeren Zeitraum bemerkt. "Man sagt, vier bis sechs Wochen ist ein sehr brauchbarer Rahmen, um einfach Veränderungen wahrzunehmen."

Bemerke man also einen Rückzug, der vorher nicht dagewesen ist, vermehrte Reizbarkeit, Schlafstörungen oder massive Trennungsängste, die plötzlich auftreten, "dann ist es sinnvoll, dass man auch mal das Gespräch mit dem/der Kinderpsychotherapeut:in sucht".

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Bild: JOYN


Infobox Hilfe in Krisensituationen

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