Fondazione Prada ist der bessere US-Pavillon der Biennale
Veröffentlicht:
von AgenturenArbeiten von Richard Prince (vorne) und Arthur Jafa
Bild: APA/herwig g. hoeller
Mit aufwendig produzierten Ausstellungen, die gleichzeitig mit der Biennale eröffnen, hat die Fondazione Prada wiederholt für Highlights in Venedig gesorgt. 2026 ist keine Ausnahme - mit Arthur Jafa und Richard Prince präsentiert die Stiftung zwei herausragende US-amerikanischen Gegenwartskünstler in einer ersten gemeinsamen Schau mit dem Titel "Helter Skelter". Den Spezialisten für weiße Populärkultur Prince und den bewussten Afroamerikaner Jafa verbindet mehr als erwartet.
Prada hat lange Vorlaufzeiten. Als vor etwa drei Jahren die Vorbereitungen begannen und die prominente New Yorker Kuratorin Nancy Spector verpflichtet wurde, war nicht absehbar, dass Donald Trump in das Amt des Präsidenten zurückkehren und 2026 nach einem umstrittenen Auswahlverfahren durch die von einer ehemaligen Hundefutterverkäuferin gegründete American Arts Conservancy (AAC) ein künstlerischer Autodidakt den US-amerikanischen Pavillon auf der Biennale bespielen würde. Ein vergleichsweise schwacher US-Auftritt in den Giardini mit den biomorphen Skulpturen von Alma Allen sorgte nun jedoch dafür, dass der ehemalige Patrizierpalast Ca' Corner della Regina zum besseren, wenn auch informellen amerikanischen Pavillon dieser Saison in Venedig avancierte.
Beide Künstler appropriieren
Dass man sich hier auf hohem Biennale-Niveau bewegt, verdeutlicht gleich der Eingangsbereich im Erdgeschoss: Präsentiert wird ein überdimensionales und mit Ketten bespanntes Rad eines Monstertrucks, mit denen in spektakulären Shows in den USA Autos überfahren und mitunter auch zerquetscht werden - Jafa war 2019 unter anderem für diese Arbeit in Venedig mit dem Goldenen Löwen als bester Künstler ausgezeichnet worden. Kontrastiert wird mit zwei Prince-Installationen aus Gummimatten - sie werden aus Lastwagenreifen hergestellt und zum Schutz vor Explosionen eingesetzt oder vor Steinfall am Rand von Highways ausgelegt.
Im Werk von Prince, dem derzeit auch die Wiener Albertina eine Retrospektive widmet, spielt die US-amerikanische Automobil- und Motorradkultur mit ihren Freiheits- und Männlichkeitsfantasien jedenfalls eine zentrale Rolle: Im ersten Stock des Palasts wurde zentral eine Motorrad-Skulptur aufgestellt, ausgestellt werden aber auch vom Künstler gefundenen Fotografien mit nur spärlich bekleideten Frauen, die sich selbst erotisch auf schicken Motorrädern ihrer Partner inszenieren. Wie der 1949 geborene Künstler in Bezug auf eine explizit weiße Populärkultur, macht dies auch sein elf Jahre jüngerer Kollege bei afroamerikanischen Sujets: Sein Kompilationsfilm "Love is the Message, the Message is death" fasst im Internet gefundene Schlüsselszenen des schwarzen Lebens in den USA zusammen. 2016 kurz vor der ersten Inauguration von Donald Trump als US-Präsident entstanden, hat dieses Werk auch ein Jahrzehnt später nichts an Aktualität verloren.
"Schwärzester weißer Künstler"
Princes Rolle als Pionier der "Appropriation Art" ("Aneignungskunst"), in der Urheberrechte oftmals ignoriert und Bilder bisweilen ungefragt kopiert oder sogar "gestohlen" werden, bringt ihm von schwarzer Seite jedenfalls Respekt ein. Sein Kollege sei der "schwärzeste weiße Künstler", dem er je begegnet sei, referiert der Ausstellungskatalog Jafa. Letzterer begründet diese Einschätzung mit afroafrikanischer Geschichte - die Versklavung habe zu einer kritische Haltung in Bezug auf Eigentum geführt.
Mit dem Ausstellungstitel "Helter Skelter" (etwa "Hals über Kopf") erinnert Kuratorin Spector übrigens an Querbeziehungen zwischen Populärkultur und Politik: Die Rede ist nicht nur vom gleichnamigen Song der Beatles, sondern insbesondere von der bekannten Interpretation des Lieds durch Charles Manson. Der kalifornische Sektenführer, der als Mörder der Schauspielerin Sharon Tate Ende der Sechzigerjahre traurige Berühmtheit erlangte, brachte den Song mit apokalyptischen Rassenruhen in Verbindung. Zwischen den Künstlern der Prada-Schau herrscht dem Vernehmen nach freilich bestes Einvernehmen. Beobachtet werden konnte dies jedoch nicht: Während Jafa dieser Tage sich in Venedig blicken ließ, war der öffentlichkeitsscheue Prince mehr als eine Woche vor Ausstellungsbeginn wieder abgereist.
(S E R V I C E - "Helter Skelter: Arthur Jafa and Richard Prince", von 9. Mai bis 23. November, Fondazione Prada, Venedig. https://www.fondazioneprada.org/visit/visit-venezia/ )
Mehr entdecken

"Herausforderung"
Trotz vieler Bewerbungen: Wien fehlen Polizisten

Medikamenten-Panne
Wiener Seniorenheim: 20 Bewohner erhielten falsche Medikamente

Klimakrise
373 Gemeinden heuer mit sehr hohem Hitzebelastungswert

Tödliche Bergtour
Südtirol: Bergsteiger von Blitz getroffen - tot

Niederösterreich
Wieder Munitionsteile als Ursache des erneuten Großbrands im Föhrenwald

Bundesliga
8:0! Rapid mit Rekordspiel gegen den GAK
