Größtes Schneckenfest der Welt lockte 200.000 Personen an

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von Agenturen

Nicht schnell genug: 14 Tonnen Schnecken bei Fest in Spanien verspeist

Bild: APA/APA/dpa/Uwe Anspach


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Ob gegrillt, gekocht, mit Schinken, Calamares oder Würstchen, in der Paella oder als Eintopf: in Lleida im Landesinneren Kataloniens werden Schnecken auf dem "Aplec del Caragol" auf alle nur erdenklichen Arten zubereitet. Das größte Schneckenfest der Welt lockte am vergangenen Wochenende fast 200.000 Besucher, die über 14 Tonnen Schnecken verspeisten.

Pedro Gil und sein Schneckenclub "Team Cargoles" bereiten ihre Weichtiere "a la llauna" zu - gegrillt auf einem großen, quadratischen Blech. Um ihren Gartenschnecken einen besonderen Touch zu geben, träufeln sie geräucherten Schweinespeck drüber. Sie benutzen dafür eine lange Eisenstange, an dessen Ende der Bauchspeck in einen filterartigen Behälter kommt. Durch die Hitze schmilzt er und träufelt durch ein Loch auf den mit Schnecken gefüllten Grill.

"Die richtige Temperatur ist wichtig"

Was einfach aussieht, bedarf aber viel Erfahrung, meint der Katalane. "Die richtige Temperatur ist wichtig. Es muss heiß genug sein, damit die Tiere ihren Schleim ausstoßen. Ist das Kohlefeuer aber zu heiß, verstecken sich die Schnecken in ihrem Gehäuse, werden zäh, trocken und verlieren ihre Aromen".

Immer wieder nähert sich Pedro dem Grill und lauscht. "Wenn die Schnecken fertig sind, knacken ihre Gehäuse ein wenig". Pedro Gil ist ein wahrer Schnecken-Experte, nimmt schon seit 30 Jahren an der "Aplec del Caragol" teil. Gebürtig stammt er aus Lleida, lebt aber seit vielen Jahren in Perpignan im Süden Frankreichs an der Grenze zum spanischen Katalonien. Auch viele Mitglieder seines Schneckenvereins stammen von hier.

Seit Jahren besuchen sie zusammen die verschiedenen Schneckenfeste auf der sogenannten Europäischen Schneckenroute. Die Route Européenne de l'Escargot / Caragole ist eine Art kulinarisch-kulturelles Netzwerk von Regionen, in denen es eine Schneckenesskultur gibt: viele Pyrenäendörfer im Süden Frankreichs sind dabei. Natürlich auch Burgund und das Elsass mit ihrer starken Schneckentradition. Im Süden Portugals findet im Alentejo das Caracóis-Fest statt. Mehrere italienische Dörfer in der Toskana, Piemont und auf Sizilien feiern ebenfalls kulinarische "Schneckenfeste".

Schnecken-Events auch in Oberösterreich

Auch der oberösterreichische Ort Viechtwang bei Scharnstein gehört der Europäischen Schneckenroute an. Das Gasthaus Silmbroth richtet hier regelmäßig kulinarische Schnecken-Events aus. Es gibt sogar einen Naturlehrpfad "Den Schnecken auf der Spur". "Doch nirgendwo auf der Welt existiert ein Schneckenfest wie dieses hier in Lleida", versichert Pedro Gil. Es ist ein gigantisches Volksfest.

Im Stadtgarten Parc dels Camps Elisis ganz in der Nähe des Segre-Flusses reiht sich ein Schneckenclub an den anderen. Sie heißen hier "colles". Jeder Verein hat eine kleine Parzelle mit eigenen Festzelten zum Feiern, Tanzen und natürlich zum Schlemmern. Lokale Musikgruppen ziehen von einem Festzelt zum anderen.

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Allioli darf nicht fehlen

Überall kocht, schmort und brutzelt es. Bei Rotwein und Bier steht man um die riesigen Paella-Pfannen, in denen die Schnecken garen. Viele Vereine bereiten sie "a la gormanda" an - einer würzigen Tomaten-Zwiebel-Soße. Andere servieren sie mit Fideuà, einem katalanischen Nudelgericht vor. Puristen lassen die Schnecken lediglich im eigenen Sud mit Salz und Pfeffer garen. Doch auf keinem der langen Festtische darf Allioli fehlen, eine kräftige Knoblauch-Mayonnaise-Sause aus Katalonien.

Es riecht nach Fleisch, Gambas, Pilzen, Tintenfisch, Kräutern, Olivenöl und natürlich nach Schnecken. Eine vier Quadratkilometer große Open-Air-Küche. Kinder amüsieren sich bei Schneckenrennen. Der lokale Castellers-Verein begeistert mit seinen mehrstöckigen "Menschentürmen", die auf keinem katalanischen Volksfest fehlen dürften. Drei Tage lang wird praktisch durchgefeiert. DJs legen in den Zelten bis in die frühen Morgenstunden auf. In großen Festzelten für die Allgemeinheit spielen Musikbands.

Lleida ist eine der wichtigsten Obst- und Gemüseregionen Spaniens. Äpfel, Kirschen, Birnen, Pfirsiche, Oliven, Mandeln und Weine gedeihen hier. "Die Erntearbeiter sammelten früher die hier unzähligen Schnecken, um sie in der Mittagspause auf dem Feld zu grillen. Die Schneckenesskultur ist alt. In den traditionellen und besten Restaurants Lleidas wie "El Celler del Roser" oder "L ́Espurna" dürfen Schneckengerichte nicht fehlen.

Schneckenfestival seit 1980

Das Schneckenfestival selber entstand 1980. "Nach der Franco-Diktatur wurden Versammlungsverbote aufgehoben und wir trafen uns am Ufer des Segre mit fast 300 Leuten. Natürlich bereiteten wir Schnecken vor. Die Atmosphäre war so toll, dass drei Jahre später schon 4000 Personen kamen", erinnert sich Ferran Perdrix, heute Vorsitzender der lokalen Schneckenfestvereine (FECOLL), die das "Aplec del Caragol" ausrichten.

Mittlerweile ist es in ganz Spanien bekannt. "In diesem Jahr nahmen 124 Schneckenvereine mit über 17.000 Mitgliedern teil. Und das in einer Stadt von gerade einmal 140.000 Einwohnern", veranschaulicht Ferran Perdrix die Dimension des Festes und seiner Verankerung in der Gemeinde.

Trotz der vielen Besucher und Teilnehmer hat die "Aplec del Caragol" aber einen sehr familiären Charakter erhalten, meint Elena Llauradó Pomar von der "Colla Aspavil". "Wir sind alle Freunde und Familie und das Schneckenfest ist für uns wie Weihnachten oder Geburtstag. Ein Datum, an dem sich alle treffen", sagt Elena, während sie mit einem großen Kochlöffel die Schnecken in der Pfanne umrührt.

Zieht auch Gäste aus dem Ausland an

Für viele Ausländer ist das kulinarische Schneckenfest hingegen eine tolle Gelegenheit, das vielen unbekannte Hinterland Kataloniens jenseits Barcelonas und Costa Brava kennenzulernen. Spektakulär thronen über der mittelalterlichen Stadt die Seu Vella Kathedrale und die Castell del Rei Festung. Lleida ist römischen Ursprungs. In der Umgebung locken Ausflüge in wunderschöne Dörfer und zu mittelalterlichen Burgen in den Ausläufern der Pyrenäen. "Vor allem geht die Liebe zu Lleida aber durch den Magen", lacht Pedro Gil im Zelt seines Schneckenclub "Team Cargoles" und puhlt mit einem kleinen Holzstab eine saftige Schnecke aus ihrem Gehäuse.

(Service - www.aplec.org)

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