Künstler verwandelt berühmte Brücke in Paris in Höhle

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von Agenturen

Brücke mitten in Paris kaum wiederzuerkennen

Bild: APA/APA/AFP/JOEL SAGET


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Vor gut 40 Jahren musste das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude gegen zahlreiche Widerstände ankämpfen, um die berühmte Pariser Brücke Pont Neuf mit goldglänzenden Stoffbahnen zu verhüllen. Der französische Künstler JR, der die Brücke nun in eine gigantische Höhle verwandelt hat, wird hingegen allseits dafür gelobt. Die aufblasbare Kunststoff-Struktur, die an eine Hüpfburg in Form eines Bergmassivs erinnert, begeistert viele Pariser und Touristen.

"Das sieht ja aus wie in den Alpen", sagt Denise aus Hagen, die mit ihrer Familie Paris besucht. Sie muss einen Umweg in Kauf nehmen, weil die bis zu 18 Meter hohe Installation erst am 6. Juni für die Öffentlichkeit geöffnet wird. Dann können Fußgänger rund um die Uhr durch die langgezogene Höhle gehen, die sich über die gesamte Brücke erstreckt.

"Immersives Erlebnis"

"Es soll ein immersives Erlebnis werden", sagt der 43 Jahre alte Künstler JR, der sich mit großformatigen Fotocollagen und Trompe-l'oeil-Installationen einen Namen gemacht hat. In der Höhle wird eine Tonkulisse zu hören sein, die der ehemalige Daft-Punk-Musiker Thomas Bangalter kreiert hat.

Die 69 Jahre alte Anne, die in einer Pariser Vorstadt lebt, ist eigens zum Seine-Ufer gekommen, um sich das Werk anzusehen, über das französische Medien bereits ausgiebig berichtet haben. "Es ist überraschend, ich bin sehr beeindruckt", sagt sie: "Eine geniale Idee".

Die Pariser Stadtverwaltung preist die begehbare Brückenhöhle als "größtes immersives Werk weltweit" und eine Hommage an Christo und Jeanne-Claude. Die beiden hatten vor Jahrzehnten jahrelange Überzeugungsarbeit leisten müssen, um ihr Vorhaben zu verwirklichen: Die erste Skizze zeichnete Christo 1975, eingehüllt wurde die Brücke 1985.

Christo-Projekt damals mehrfach verzögert

Der damalige Pariser Bürgermeister Jacques Chirac blockierte und verzögerte das Projekt mehrfach, weil er Kritik der Öffentlichkeit fürchtete. Ähnlich wie später bei der Verhüllung des Berliner Reichstags gab es viele Menschen, die sich anfangs kritisch zeigten und am Ende begeistert waren.

Das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude wählte damals einen weich fließenden Stoff, der in der Sonne golden schimmerte und die harmonische Struktur der Brücke aus dem 16. Jahrhundert auf neue Weise sehen ließ. JR hingegen lässt die Brücke komplett unter seiner Installation verschwinden. Die Plastikplanen sind in Grautönen schraffiert, so dass sie wie Felsen wirken.

"Es soll das Ungeschliffene und Wilde der raffinierten Eleganz der Pariser Bauten gegenüberstellen", sagt JR, zu dessen Markenzeichen Hut und Sonnenbrille zählen. Das Motiv der Höhle hat er schon früher verarbeitet, etwa in einer Fotomontage auf der Fassade der Pariser Opéra Garnier. "Eine Höhle zu betreten, macht immer etwas Angst und ist zugleich faszinierend", fügt er hinzu. Paris sei zudem eine Stadt, "die gut geeignet ist für monumentale Werke".

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Bisher kaum öffentliche Kritik

Öffentliche Kritik an der Installation gibt es bisher kaum, allenfalls von der Kulturzeitschrift "Télérama", die den allzu massentauglichen Charakter des Werks kritisch sieht. "Das Konsensuelle ersetzt das Provozierende", schreibt das Blatt. Allerdings seien die Ausmaße imponierend, "und Fotos davon bekommen auf Instagram sicher viele Likes".

Tatsächlich waren frühere Werke des Künstlers politischer und kontroverser, etwa die großformatigen Porträts von Grimassen schneidenden Israelis und Palästinensern auf den Sperranlagen zwischen Israel und dem Westjordanland. In den Favelas von Rio de Janeiro plakatierte er riesengroße Gesichter und Augen von Frauen, die dort leben, unter ihnen Angehörige von getöteten Jugendlichen.

In Paris blieben vor allem seine spielerischen Umgestaltungen der gläsernen Pyramide im Hof des Louvre-Museums in Erinnerung: 2016 bedeckte JR die Pyramide mit Fotos der dahinterliegenden Fassade, sodass sie wie verschwunden schien. Drei Jahre später gestaltete er den Boden rund um die Pyramide so, dass es aussah, als sei sie in ein tiefes Loch gefallen. Das jüngste Werk von JR auf der ältesten Brücke von Paris soll bis zum 28. Juni rund um die Uhr kostenlos zugänglich sein. Es ist schon jetzt absehbar, dass es lange Besucherschlangen geben wird.

(Von Ulrike Koltermann/AFP)

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