Magmasystem unter Supervulkan bei Neapel laut Studie komplex
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von AgenturenKeine Hinweise auf unmittelbar bevorstehenden Ausbruch
Bild: APA/APA/AFP/LUDOVIC MARIN
Unter der Vulkanregion Campi Flegrei (Phlegräische Felder) bei Neapel befindet sich nach neuen Forschungsergebnissen kein einzelner großer Magmaspeicher, sondern ein komplexes System aus mehreren Reservoirs und Transportzonen in unterschiedlichen Tiefen. Die internationale Studie, die in der Fachzeitschrift "Scientific Reports" veröffentlicht wurde, rekonstruiert erstmals die tiefe Struktur des magmatischen Systems bis in rund 50 Kilometer Tiefe.
Grundlage waren Analysen seismischer Wellen von weit entfernten Erdbeben. Die Forscher identifizierten mehrere auffällige Zonen im Untergrund. In etwa zehn Kilometern Tiefe fanden sie einen Bereich mit niedriger Geschwindigkeit seismischer Wellen, der als möglicher Magma-Transportkanal betrachtet wird. Eine weitere Struktur liegt deutlich tiefer: Ihr oberer Bereich beginnt in etwa 25 Kilometern Tiefe.
Bradyseismus-Phänomen im Fokus
Die Ergebnisse ergänzen frühere Studien, die bereits oberflächennahe Teile des Systems beschrieben hatten. Demnach gibt es unter den Campi Flegrei mehrere Ebenen mit Magmaansammlungen, heißen Gesteinen und hydrothermalen Reservoirs. Die Forscher betonen, dass die Studie keinen Hinweis auf einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch liefert. Die neuen Erkenntnisse sollen jedoch helfen, die vulkanischen Prozesse, das sogenannte Bradyseismus-Phänomen, sowie die Risiken in der dicht besiedelten Region besser zu verstehen und zu überwachen.
Die Phlegräischen Felder, ein Gebiet mit hoher vulkanischer Aktivität, werden seit geraumer Zeit von vielen kleinen Erdbeben heimgesucht. Meistens sind es kaum spürbare Erschütterungen, die die Erdkruste in dem Areal schwächen. Seit elf Jahren gilt für das Gebiet die Alarmstufe Gelb, die zur Vorsicht aufruft. In den vergangenen Monaten kam es jedoch auch zu stärkeren Erdstößen. Zuletzt gab es am Donnerstag ein Beben der Stärke 4.4.
Der bisher letzte Ausbruch des Supervulkans begann am 18. März 1944 und dauerte zehn Tage. Trotz der Evakuierung von mehr als 10.000 Menschen gab es damals 26 Tote. Im Jahr 79 nach Christus hatten nach mehreren Ausbrüchen des Vesuvs Asche, Schlamm und Lava die antike Stadt Pompeji unter sich begraben. Die Anlage gehört heute zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Italiens. Im seismischen Gebiet leben circa 800.000 Personen.






