Mittermeiers neuer Comedy Club in Wien feierte Eröffnung
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von AgenturenMichael Mittermeier lädt in Wien zum Lachen in den Keller
Bild: APA/APA/GEORG HOCHMUTH/GEORG HOCHMUTH
Zum Lachen geht man im Prückel neuerdings in den Keller: Denn im Souterrain des Wiener Traditionscafés hat Starcomedian Michael Mittermeier am Donnerstagabend seinen "Lucky Punch Comedy Club" offiziell aufgesperrt. In der 160 Plätze fassenden Spielstätte sollen junge Talente gefördert werden und Routiniers unkompliziert Neues ausprobieren können, erklärte der Hausherr vor der viel umjubelten Eröffnungsshow im APA-Gespräch - und sieht sich damit als Pionier in der Hauptstadt.
"Vienna's Finest" versprach Host und Einheizer Hauke van Göns gleich zu Beginn der Premieren-Mixed-Show. Vier Nachwuchstalente standen an diesem Abend auf der kleinen, nur mit Hocker und Mikro ausgestatteten Bühne und versuchten, in rund 15-minütigen Slots das Publikum von sich zu überzeugen. Lorenz Hinterberger erzählte von seinen Erfahrungen als Geschichtelehrer und intonierte zu Beethovens Melodie die "Ode an die Oide", Marina Pesevski führte u.a. in den Fetisch des Motorboatings ein und Niko Nagl fand im Gay-Techno eine Waffe gegen die Kriegsgelüste Putins. Zu den drei Lokalmatadoren aus Österreich gesellte sich noch Jojo Nesco aus Deutschland, der den Generationenkonflikt neu aufrollte und die Zuschauenden lehrte, was denn nun "gebratener Babyelefant" auf Koreanisch heißt.
Schenkelklopfer und Sickerwitze
Von schnellen Schenkelklopfern bis zu bösen Sickerwitzen jenseits der Political Correctness war da alles dabei. Manche Jokes zündeten mehr, andere weniger. Interaktion mit dem Publikum, das sich erst etwas warm lachen musste, durfte nicht fehlen. Ein Herr namens Rudi wird diesen Abend wohl so schnell nicht vergessen. Und das Leben als "Piefke" in Wien samt gemeinsamer trennender Sprache - van Göns wirkte bisher in Mittermeiers erstem, 2023 eröffneten Comedy Club in München und übersiedelte für den Wiener Ableger in die Bundeshauptstadt - war sowieso immer gut für eine Wuchtel.
Mittermeier selbst, der nach Stargast Michael Niavarani - er ist als Simpl-Chef quasi Nachbar - dann höchstselbst den Schlussact gab, sieht sein "Lucky Punch"-Lokal nicht als Konkurrenz zu den hiesigen Kleinkunstbühnen, sondern als Erweiterung. "Wir spielen bis auf weiteres drei Mal die Woche Mixed Shows und Open Mics, das macht außer uns niemand. In den anderen Kabarettstätten gibt es nur Soloprogramme. Wir bilden sozusagen die Leute aus, die vielleicht in zwei oder drei Jahren im Stadtsaal oder in der Kulisse spielen werden." Es habe sich in den vergangenen Jahren in Wien schon eine Szene gebildet, wo Stand-up stattfinde. "Aber ein Club, von dem die Leute so richtig was mitbekommen - da sind wir die ersten", zeigt sich der Clubbesitzer stolz.
Die Saalbestuhlung und die Straße von Hormuz
"Wenn du jungen Talenten eine tolle Bühne gibst, blühen die auf", weiß der bayrische Comedian. "Wenn der Saal zwischendurch tobt, boostet dich das wahnsinnig. Das gibt dann auch Kraft für Abende, wo weniger Leute kommen." Ihm hätten solche Try-Out-Möglichkeiten in seiner Anfangszeit vor rund vier Jahrzehnten definitiv gefehlt. Neben Newcomern sind auch etablierte Humoristen eingeladen, "hier mal zehn Minuten was auszuprobieren. So etwas geht im Stadtsaal ja nicht". Nach Niavarani kommen am Eröffnungswochenende noch Gernot Kulis (Freitag) und Berni Wagner (Samstag) vorbei. Warum eigentlich keine weiblichen Szenegrößen? Man habe Frauen angefragt - etwa Malarina -, aber niemand habe Zeit gehabt, sagt Mittermeier.
Eigentlich wird der Club unter dem Kaffeehaus am Stubenring schon seit Mitte April bespielt - allerdings bis dato nur in der Soft-Opening-Variante, u.a. mit noch fehlender Genehmigung für die volle Auslastung und improvisierter Bestuhlung. Denn der Klappmechanismus für die eigentlichen Sesselreihen steckte in einem Schiffscontainer in der Straße von Hormuz fest. Das Magistrat sorgte dann vor der offiziellen Eröffnung für Nervenkitzel bis zum Schluss. "Wir haben heute um 11 Uhr die letzte behördliche Genehmigung bekommen", erzählt Mittermeier.
Warum fiel die Wahl gerade auf die Donaumetropole? "Wien ist einfach eine urleiwande Stadt", schwärmt der Künstler, der im April seinen 60er gefeiert hat. Er habe seine letzten Programme hier am öftesten gespielt: "Wien hat mir immer eine Bühne gegeben, jetzt gebe ich eine zurück."
"Lucky Punch" im Prückel - ein Tinder-mäßiger "Mega-Match"
Dass es ausgerechnet das Kellertheater im Prückel werden würde, das ab den 1930er-Jahren diverse Kleinbühnen beheimatet hat, sei reiner Zufall gewesen, erzählt der Neo-Untermieter: "Mir hatte jemand Bescheid gesagt, dass diese Bühne bald frei werde. Meine Frau und ich haben uns zusammengepackt, sind am nächsten Tag nach Wien gefahren und haben uns das angeschaut. Das Theater war leblos, alles weiß gestrichen, die Decken über die Jahrzehnte immer weiter abgehängt. Aber wir haben das Potenzial gesehen. Cafe Prückel und Lucky Punch - das ist der Mega-Match. Auf Tinder würde es 110 Prozent Übereinstimmung geben", zeigt sich Mittermeier immer noch euphorisch.
Also hatte Mittermeiers Team unter Federführung seiner Frau Gudrun, die wie in München auch hier als Geschäftsführerin fungiert, ordentlich Hand angelegt. Rund ein Jahr dauerte der Umbau. Sattes Dunkelgrün und Vintagemobiliar dominieren nun das Foyer, wo es auch eine kleine Bar und sogar ein Kassenhäuschen gibt. An den Wänden kommen hier und da noch alte Tapeten oder Malereien zum Vorschein. Der schlauchartige Saal selbst besticht durch nackte Ziegelwände und ebenfalls gedeckt-grüne Polstersitzreihen.
Der Hausherr hat schon an den drei Soft-Opening-Wochenenden in seinem neuen Club gespielt und dafür sein "Reservoir an Österreich-Nummern" angezapft. Fazit: "Ich liebe es." Wobei er anfangs schon aufgeregt gewesen sei, wisse man doch nie, wie die Gags ankommen: "Aber wenn's dann richtig knallt, ist's geil." Vorerst soll es bei drei Spieltagen pro Woche - jeweils Donnerstag bis Samstag - bleiben, wobei das Line-up der Mixed Shows oder Open Mics in der Regel im Vorfeld nicht verraten wird. Das Ziel: "Jeder Abend soll so sein, dass die Leute rausgehen und sagen: 'Das war geil, bist du deppert!' Da muss man ja nicht alles mögen. Wenn du drei von sechs Acts super findest - alles bestens."
Mehr Spieltage ab Herbst geplant
Ab Oktober oder November will Mittermeier, der auch künftig regelmäßig selbst hier spielen will und sich dafür sogar in Naschmarktnähe eine Wohnung gemietet hat, wie er erzählt, dann fünf bis sieben Mal die Woche Programm bieten. Und er geht fix davon aus, dass der "Lucky Punch Comedy Club" der lokalen Szene einen Schub geben wird. "Seit wir den Club in München eröffnet haben, haben mindestens zehn neue Open Mics aufgemacht. Das wird auch hier passieren."
Denn sein Rat an den Nachwuchs lautet: "Spielen, spielen, spielen - egal wo und wie! Nur dann wird man besser." Die neue Spielstätte unter dem Prückel soll es leichter machen, dieser Empfehlung des Profis nachzukommen.
(Das Gespräch führte Thomas Rieder/APA)
(S E R V I C E - https://www.luckypunch-comedyclub.at/ )
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