Müll-Motorrad aus Uganda parkt nun im Wiener Theseustempel

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Ein Boda-Boda aus Autoreifen auf Flipflop-Granulat

Bild: APA/APA/Weltmuseum/Jakob Gsöllpointner/Jakob Gsöllpointner


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In der Nähe von Kampala, der Hauptstadt Ugandas, liegt die Mülldeponie Kiteezi. 2.000 Tonnen Abfall werden dort täglich abgeladen. Ein Mini-Bruchteil davon hat nun seinen Weg in den Theseustempel im Wiener Volksgarten gefunden. Dafür hat die Künstlerin Njola gesorgt, die auf Einladung des Weltmuseums mit einer Installation aus weggeworfenen Materialien die ökologischen und sozialen Folgen nicht zuletzt der westlichen Wegwerfkultur thematisieren will.

Es sind futuristische Skulpturen mit teils dystopischem Anstrich, die da im Inneren des strahlend weißen Klassizismusbaus in den vergangenen Wochen vom Studio Njola Impressions realisiert worden sind und ab Freitag bei freiem Eintritt bestaunt werden können. Herzstück von "Kiteezi" ist ein überdimensioniertes Motorrad - gefertigt hauptsächlich aus alten Autoreifen. Boda-Boda werden die Gefährte genannt. "Boda-Boda-Fahrer findet man in Uganda überall", erklärte Nabukenya Allen, wie Njola bürgerlich heißt, am Donnerstag bei einem Pressetermin. Das omnipräsente Fortbewegungsmittel dient in der kleinen Ausstellung nicht nur als Verweis auf den landestypischen Warentransport und die Lebensrealität der Fahrer, sondern auch symbolisch als Vehikel für politische Forderungen.

Pulverisierte Flipflops

Aufgestellt wurde das Boda-Boda auf einer durchsichtigen Plexiglasbühne, die mit geschichteten Farbpigmenten in Rot, Gelb oder Blau befüllt ist. Das Material stammt von pulverisierten Flipflops, wie die Künstlerin erzählte. Im Querschnitt betrachtet, erinnern die bunten Granulatlagen nicht zufällig an Bodenschichten, will Njola doch auf die Umweltbelastung u.a. des Grundwassers durch die Plastikschlapfen aufmerksam machen. Denn ihr Ausgangsmaterial, das durch verschiedene Methoden zerlegt, umgeformt oder neu zusammengesetzt wird, finden die 1991 geborene Künstlerin und das Team der von ihr gegründeten Njola Recycling Initiative nicht nur auf der Deponie selbst, sondern auf Straßen, in Ufergegenden oder anderswo in der Natur.

In der - laut Weltmuseumsdirektorin Claudia Banz extra für Wien konzipierten - Installation im Theseustempel schwingt freilich auch jene Katastrophe mit, die im August 2024 stattfand: Ein verheerender Erdrutsch erfasste die Müllhalde Kiteezi, zerstörte Wohnhäuser und forderte zahlreiche Menschenleben. Daraus habe sich ein lokaler Aktivismus entwickelt, so Kuratorin Stella Asiimwe. "Die Abfallwirtschaft in Uganda muss sich ändern", laute die politische Botschaft Njolas.

"Nur 40 Prozent des Mülls schaffen es überhaupt nach Kiteezi. Der Rest wird vergraben, verbrannt oder irgendwo weggeworfen", sagte Asiimwe. Die Deponie selbst ist eine Art sozialer Mikrokosmos. Bis zu 1.000 Menschen würden dort alltäglich im Verborgenen "arbeiten" und Abfall weiter verwerten oder verkaufen.

Mode im Boda-Boda-Stil

Rund um das Motorrad sind rund ein Dutzend Schaufensterpuppen aufgestellt, die mit Njolas aus Müll entworfener Mode bekleidet sind. Dieses düstere und zugleich verspielte Gewand ist angelehnt an den Stil der Boda-Boda-Fahrer. "Ihre Crazyness inspiriert mich", lacht die Künstlerin. Die Figuren stehen auf schollenartigen dunklen Gebilden, die mit farbenprächtigen, ebenfalls aus Flipflops gewonnenen Ornamenten verziert sind und die zehn Regionen Ugandas darstellen sollen.

Verbunden sind sie mit einer Art Seil. Dieses stehe für den Fluss von Abfall aus dem globalen Norden in den globalen Süden, ist auf einer Texttafel zu lesen. Dazu muss man wissen, dass die Künstlerin für ihre Mode auch Textilien verwendet, die im zunehmend von "Fast Fashion" geprägten Westen - kaum getragen - tonnenweise in Altkleidercontainern landen und am Ende oft auf weit entfernten Deponien landen. Somit finden sich in der Kunst Njolas womöglich Reste von Kleidung, die einst auch von Wien aus ihre unrühmliche Reise Richtung Kampala angetreten haben könnten.

(S E R V I C E - "Njola Impressions: Kiteezi", eine Ausstellung des Weltmuseum Wien im Theseustempel, Volksgarten Wien, 29. Mai bis 11. Oktober, Eintritt frei; https://www.weltmuseumwien.at/ausstellungen/njola-impressions )

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