Papageien nutzen und verstehen wohl Namen

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von Agenturen

Besonders Graupapageien verblüffen immer wieder mit ihren Skills

Bild: APA/APA/ALIEN PRODUCTIONS 2013/2015/M.GROSS,MUSIKPROTOKOLL


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"Quincenator", "Alexa" und eben "Hallo Polly": Ein Anteil der beim Menschen lebenden Papageien kann wahrscheinlich Menschen im Haushalt sowie andere Haustiere beim Namen nennen und dessen Bedeutung teilweise erfassen, berichtet ein Team mit Beteiligung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in einer neuen Studie im Fachblatt "Plos One". Es ging es ihnen dabei auch um die unbeantwortete Frage, ob Tiere ein mit menschlichen Namen vergleichbares Konzept haben.

Denn bei anderen Spezies wie etwa Elefanten oder Marmosetten-Affen gebe es Hinweise auf namensähnliche Rufe, während das Verständnis davon, welche Informationen durch diese tierischen Signale genau vermittelt werden, noch unvollständig sei. Die Untersuchung von Papageien, die Lautäußerungen - inklusive menschlicher Wörter - verwenden können, biete dabei einen "direkteren" Weg zur Erforschung des Verhältnisses von Tieren und Namen, so die Forschenden in der Studie.

Dafür wurden die Fähigkeiten von 884 Vögeln von deren Halterinnen und Haltern dokumentiert. "Diese haben einen Fragebogen ausgefüllt und uns erklärt, was ihre Papageien können", so die Verhaltensbiologin und Schallforscherin Marisa Hoeschele in einer Aussendung der Akademie. Auch wenn die Angaben deswegen nicht in jedem Detail überprüfbar sind, ermögliche die große Datenmenge verlässliche Aussagen. Dabei kann immer noch jeder, der einen Papageien besitzt, über eine Website am Forschungsprojekt teilnehmen.

Spitznamen, Kombinationen, "Alexa"

Bei rund 47 Prozent berichteten die Halterinnen und Halter, dass ihre Tiere Namen verwendeten - über 800 Äußerungen mit Eigennamen wurden dokumentiert und von dem Forschungsteam analysiert. "Zuerst haben wir untersucht, ob sie überhaupt Namen lernen können – also die Geräusche. Dann, ob sie diese im richtigen Kontext verwenden. Und schließlich, ob sie einen Namen wirklich nur für ein bestimmtes Individuum benutzen", so Hoeschele.

Das Ergebnis: Es gebe mehrere Papageien, die individuelle Namen von Menschen oder von anderen Haustieren wie Hunden lernen und diese in bestimmten Kontexten gezielt einsetzen können - etwa bei Begrüßung oder Verabschiedung. Das deute darauf hin, dass die Tiere die Wortbedeutung zumindest teilweise erfassen. 96 Tiere verwendeten mehr als eine Redewendung, in der der Name mit anderen menschlichen Wörtern kombiniert wurde (z. B. "Hallo Polly" und "Schlafenszeit für Polly"). Zumindest 26 Vögel nutzten Spitznamen, bei denen in verschiedenen Redewendungen deutliche Namensabwandlungen festgestellt werden konnten (z. B. "Quince!" und "The Quincenator"). Vier der Papageien konnten außerdem Objekte wie den Sprachassistenten "Alexa" korrekt benennen, heißt es in der Studie.

Unterschiede und offene Fragen für die freie Wildbahn

Von allen erfassten Arten zeigten Graupapageien die stärkste Neigung zur korrekten Namensverwendung. Trotzdem gebe es Unterschiede zum menschlichen Namensgebrauch: Viele Papageien verwenden bei Grüßen, wenn sie nach Aufmerksamkeit suchen oder etwas wollen, den eigenen Namen - wie etwa bei der bekannten Redewendung "Polly will einen Cracker".

Ob die Vögel in der freien Wildbahn ähnliche Benennungen verwenden, bleibt dabei offen: "Wichtig ist, dass Papageien verstehen können, dass man Namen gibt. Wenn sie das grundlegend verstehen, könnten sie es vielleicht auch in der Natur anwenden", so Hoeschele. Die Identifizierung und Beobachtung einzelner Tiere sei dort aber besonders schwierig.

(S E R V I C E - Link zur Studie: https://doi.org/10.1371/journal.pone.0346830 ; Link zur Website: https://www.manyparrots.org/ - Fragebögen können auch auf Deutsch ausgefüllt werden)

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