"Poldi": Podolski auf den Fersen
Veröffentlicht:
von AgenturenPodolski vor Poldi
Bild: APA/APA/dpa/Rolf Vennenbernd
Passend zur nahenden Fußball-WM bringt Netflix die Dokumentation "Poldi" über den einstigen deutschen Nationalspieler Lukas Podolski an den Start. Seit Donnerstag, dem 41. Geburtstag des Fußballers, präsentiert sich das Werk durchaus ungewöhnlich für eine klassische Promidoku. So nehmen zu Beginn Fußballgrößen wie Joachim Löw, Oliver Kahn, Toni Kroos oder Thomas Müller Platz, um über ihre gemeinsame Zeit mit Podolski sprechen zu wollen.
Podolski selbst erklärt währenddessen, wie langweilig er typische Sportler-Dokus findet, in der alte Weggefährten zu Wort kommen: "Da wird jetzt nix anderes kommen, was man schon kennt." Daraufhin stehen Löw und Co. wieder auf und verlassen das Setting. Eine nette Idee zum Einstieg.
Zwar kommen die Fußballgranden später doch noch vereinzelt zu Wort, im Fokus steht aber in der Tat der Privatmensch Podolski, es reden Oma, Mutter, Vater, Schwester und Sohn. Die Macher um das Regieduo Nicolas Berse-Gilles und Simone Schillinger (das auch für "Mission Sommermärchen" verantwortlich ist) zeigen den in Polen geborenen Fußballer beim Sumo-Ringen in Japan, beim Radfahren mit seiner Familie oder beim Kölner Rosenmontagsumzug.
"Wir hatten einen anderen Ansatz, wollten ein bisschen weniger Fußball und ein bisschen mehr andere Szenen reinnehmen. Ich denke, das ist uns auch ganz gut gelungen", sagte der Protagonist bei der Premiere im Kölner Stadion.
Viel Überzeugungsarbeit: Ehefrau Monika gibt erstes Interview
Ehefrau Monika, die sich sonst fast komplett aus der Öffentlichkeit raushält, gibt in der Doku ihr erstes Interview. Auch wenn sie nicht vor der Kamera zu sehen ist, sondern nur zu hören. "Meine Frau war von Anfang an nicht die, die im Vordergrund stehen möchte. Wir hatten einen Kompromiss. Da haben die Leute sehr viel Überzeugungsarbeit leisten müssen", sagte Podolski zur dpa. "Sie war offen für die Rolle, weil sie auch wollte, dass die Doku was Besonderes wird und sie dann auch etwas über mich erzählt."
Die ebenfalls aus Polen stammende Monika Podolski spricht über ihr erstes Treffen mit dem damaligen Jugendspieler des FC Köln ("An der Tischtennisplatte in der Schule") und eine Ehekrise nach seinem erneuten Wechsel zum FC 2008: "Es gab Momente in Köln, wo wir ein paar Wochen nicht miteinander gesprochen haben, wo wir uns gestritten haben, wo wir ein paar Wochen auch mal nicht zusammen waren." Doch die beiden hätten sich schnell wieder zusammengerauft.
Man fragt sich während der Doku ohnehin immer wieder, wie der Fußballprofi und Geschäftsmann mit eigener Döner-Kette, einem Eisladen und Musikfestival, sich auch noch um seine Familie kümmern kann. Es scheint, als habe er deutlich mehr Zeit auf Fußballplätzen und in Flugzeugen verbracht, als am Küchentisch mit Frau und seinen drei Kindern. Darauf angesprochen, sagt Poldi: "Wer schläft, verliert." Was ihn antreibe? "Weiß ich nicht."
So durchkreuzte Poldi die Pläne der Dokumacher
Die Netflix-Doku hatte ursprünglich auch vor, Podolski bei seiner letzten Saison als Profifußballer bei seinem Jugendclub Górnik Zabrze zu begleiten. "Und ihr seid dabei auf der Reise", verspricht er. Doch dem ehrgeizigen Sportler kommen während des Drehs immer mehr Zweifel, ob er nicht doch weitermachen soll: "Warum sollst du das abgeben, was du so liebst?"
Am Ende hängt er noch eine Saison dran, was für die Doku-Macher überraschend, aber kein Problem gewesen sei. "Hätten wir eine reine Sportdoku gemacht, wäre die wirklich letzte Saison vermutlich die interessantere gewesen. Immerhin ist Lukas mit seinem Verein Pokalsieger und Vizemeister geworden", erklärten Simone Schillinger und Nicolas Berse-Gilles. "Doch unser Film ist eben keine klassische Sportdoku."
"Poldi" ist insgesamt sehenswert, kurzweilig und kreativ umgesetzt. Auch das Ende überrascht mit einer besonderen Pointe, die sich um das entscheidende Tor von Mario Götze zum Weltmeistertitel 2014 dreht. Dass der größte Moment seiner Karriere erst im Abspann stattfindet, sagt ohnehin viel über den bodenständigen Podolski aus.
(Von Thomas Bremser/dpa)
(S E R V I C E - www.netflix.com/at/title/81758402 )
Mehr entdecken

Österreichs Nationalteam hob Richtung Fußball-WM ab

Mindestens neun Tote bei Angriffen Israels in Gaza-Stadt

Stocker sprach mit internationalen Experten über Terrorismus

Angriffe Israels im Libanon trotz Waffenruhe-Deal

Bodenmosaik der Kathedrale von Siena wieder zu sehen

Steirische Polizei stoppt flüchtende Einbrecher
