Resistenztest bei Harnwegsinfektion binnen sechs Stunden
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von AgenturenBritische Wissenschafter entwickelten neues Verfahren (Symbolbild)
Bild: APA/APA/AFP/ANTHONY WALLACE
Hunderte Millionen Menschen haben pro Jahr eine Harnwegsinfektion. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist bei einem Drittel der Betroffenen das erste verwendete Antibiotikum unwirksam. Britische Wissenschafter haben jetzt einen Schnelltest auf Resistenzen entwickelt, der ein Ergebnis binnen Stunden statt nach bis zu drei Tagen bringt.
"Die Ergebnisse von Antibiotika-Empfindlichkeitstests (AST) werden schnell benötigt, um den verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika zu unterstützen und die Behandlungsergebnisse für die Betroffenen zu verbessern. Dies gilt ganz besonders für Menschen mit Harnwegsinfektionen, von denen Urinproben in großer Zahl - mehr als 65 Millionen pro Jahr allein in Großbritannien - in Labors geschickt werden", schrieb jetzt das Deutsche Ärzteblatt zu den wissenschaftlichen Studien, die in der Fachzeitschrift "Journal of Antimicrobial Chemotherapy" (https://doi.org/10.1093/jacamr/dlag035) erschienen sind.
Zehn Prozent der Frauen einmal pro Jahr mit Blasenentzündung
Etwa zehn Prozent der Frauen haben einmal pro Jahr eine Blasenentzündung. Bei Männern kommen solche Harnwegsinfektionen wesentlich seltener vor, mit dem Alter steigt aber auch bei ihnen die Häufigkeit.
An sich ist zumeist eine kurze Antibiotikatherapie ausreichend. Doch es gibt zunehmend Probleme mit resistenten Keimen als Verursacher. Laut WHO liegt bei einem Drittel der Fälle eine Infektion vor, die auf ein Erstlinien-Antibiotikum nicht mehr anspricht.
Keimkulturen zeitaufwendig
"Nach den derzeitigen Methoden muss eine Urinprobe über Nacht kultiviert werden, damit die Bakterien wachsen und identifiziert werden können, bevor mit Antibiotikatests begonnen werden kann. Dieser Prozess kann insgesamt zwei bis drei Tage dauern", hieß es in einer Aussendung der University of Reading in Großbritannien.
Dort wird das Verfahren so beschrieben: "Der neue Test umgeht die Wartezeit über Nacht und erfordert lediglich eine einfache Probenverarbeitung. Eine Kartusche mit feinen Röhrchen, die jeweils mit verschiedenen Antibiotika vorbefüllt sind, wird direkt in die Probe getaucht und in ein Analysegerät eingesetzt. Die optische Bildgebung verfolgt dann, ob in jedem Röhrchen Bakterienwachstum nachweisbar ist oder nicht. Wird das Wachstum gehemmt, wirkt das entsprechende Antibiotikum gegen die Infektion. Vermehren sich die Bakterien weiter, ist es wirkungslos. So können Ärzte innerhalb von sechs Stunden entscheiden, welches Medikament sie verschreiben sollten."
Oliver Hancox, von der School of Pharmacy der Universität Reading, der den neuen Test mitentwickelt hat, erklärte dazu: "Bis das Labor das Ergebnis nach den derzeitigen Methoden liefert, hat ein Patient möglicherweise bereits seine Antibiotika eingenommen oder ihm wurden Antibiotika verabreicht, die nicht wirken. Wenn man dem Arzt noch am selben Tag sagen kann, welches Antibiotikum er einsetzen soll, erhält der Patient schneller die richtige Behandlung. Dadurch wird das Risiko verringert, dass sich Resistenzen entwickeln und die Infektion zu einer potenziell tödlichen Sepsis führt."
Hohe Übereinstimmung mit Referenzmethoden
Der Wert des neuen Testverfahrens wurde in einer Studie mit den häufig verwendeten Antibiotika Ampicillin, Amoxicillin/Klavulansäure, Nitrofurantoin, Trimethoprim, Ciprofloxacin, Cefalexin und Cefoxitin untersucht. In der Studie wurden 352 Urinproben, die bereits im Rahmen der routinemäßigen Laboruntersuchungen im Basingstoke and North Hampshire Hospital in Großbritannien gesammelt worden waren, verwendet, um die Gesamtgenauigkeit von Direkttests aus Urinproben zu bewerten.
Die Resultate sprechen für das Verfahren. "Der neue Test stimmte in 96,95 Prozent der Fälle mit der Referenzmethode für sieben Antibiotika der ersten Wahl zur Behandlung von Harnwegsinfektionen überein. Entscheidend ist, dass eine zweite Studie mit 90 Duplikatproben eine Übereinstimmung von 98,75 Prozent für die direkte Urinanalyse zeigte. Das war unabhängig davon, ob die Urinproben mit oder ohne Konservierungsmittel (zumeist Borsäure; Anm.) gesammelt und gelagert wurden", so die Universität Reading. Im Durchschnitt dauerte es nur knapp unter sechs Stunden bis zu einem aussagekräftigen Ergebnis.
"Ein Test, der mit Proben funktioniert, die wir ohnehin standardmäßig abnehmen, und uns noch am selben Tag Resultate liefert, ist genau die Art von Verfahren, die unsere Vorgehensweise im Umgang mit diesen Infektionen in der Praxis verändern könnte", sagte dazu Matthew Inada-Kim, leitender Akutmediziner der Hampshire Hospitals (Großbritannien).






