Sexueller Missbrauch von Papst als "Pest" verurteilt

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von Agenturen

Papst bezeichnete vor Bischöfen sexuellen Missbrauch als "Pest"

Bild: APA/APA/VATICAN MEDIA/ELISABETTA TREVISAN


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Zu einem entschlossenen Vorgehen gegen sexualisierte Gewalt von Geistlichen an Minderjährigen und Schutzbefohlenen hat Papst Leo XIV. die spanischen Bischöfe aufgerufen, wie Kathpress meldet. Bei einer Begegnung mit den rund 120 Mitgliedern der Spanischen Bischofskonferenz in Madrid bezeichnete der Papst am Montag sexuellen Missbrauch als "Pest". Zuvor hatte er als erster Papst der Geschichte vor den beiden Kammern des spanischen Parlaments gesprochen.

Er rief die Kirche dazu auf, "mit Zuhören, Wahrheit, Gerechtigkeit, Wiedergutmachung und einem immer entschlosseneren Handeln in Sachen Prävention und einer Kultur der Fürsorge zu reagieren". Weiter sagte der Papst: "Allen verletzten Personen muss ehrlich Gehör geschenkt werden, sie müssen Annahme und Schutz erfahren und ihnen müssen echte Wege der Heilung ermöglicht werden." Erst am Abend vor seiner Abreise nach Spanien bestätigte der Vatikan eine Begegnung zwischen Leo XIV. und Betroffenen sexuellen Missbrauchs.

Sprecher von Opferverbänden kritisierten bis zuletzt die Auswahl der Gesprächsteilnehmer durch kirchliche Stellen. Es handle sich um handverlesene Personen, die repräsentativen Betroffenen-Vereinigungen blieben außen vor, kritisierten sie Montagfrüh bei einem Protest und einer Pressekonferenz vor der Vatikanbotschaft in Madrid, wo sich der Papst zeitgleich mit Premierminister Pedro Sánchez traf.

Einigung über Opfer-Entschädigung

Hintergrund der Papstworte sind jahrelange Auseinandersetzungen zwischen Kirche, Politik und Justiz in Spanien um die Aufarbeitung der Verbrechen und Entschädigungszahlungen für die Betroffenen. Kirchenvertreter und Regierung hatten sich erst im Jänner dieses Jahres auf ein provisorisches Verfahren zur finanziellen Wiedergutmachung geeinigt. Die Höhe der zu zahlenden Summen wird dabei im Streitfall von einer unabhängigen Stelle entschieden. Neben Opfern von Geistlichen können sich auch andere Betroffene sexuellen Missbrauchs an die zuständige Kommission wenden.

Bei dem Protest wurde eine rechtliche Anerkennung der Opfer, lebenslange psychologische Betreuung sowie angemessene Entschädigung und Wiedergutmachung verlangt. "Wir wollen kein Foto mit dem Papst. Wir wollen Rechte und Wiedergutmachung für alle", so die Opferverbände.

Historische Papst-Rede im spanischen Parlament

Als erster Papst sprach Leo XIV. am Montagvormittag vor den Kammern des spanischen Parlaments. In der historischen Rede vor der Volksvertretung "Cortes" sprach der Papst das Lebensrecht der Ungeborenen und die Migrationssituation in Spanien an, wie Kathpress berichtete. Zudem wandte er sich gegen die Aufrüstung Europas und rief zum zivilisierten Dialog zwischen den politischen Lagern auf. Es sei "besorgniserregend, dass sich an verschiedenen Orten der Welt, auch in Europa, die Aufrüstung erneut als fast unvermeidliche Antwort auf die Instabilität der internationalen Lage darstellt", sagte der Papst am dritten Tag seines Spanien-Besuchs. Die Aufrüstung in Europa sei eine Reaktion auf die schwierige internationale Lage. Echte Sicherheit könne aber nur durch Gerechtigkeit, "geduldigen Dialog" und eine Achtung des Völkerrechts entstehen. Mit Blick auf die militärische Nutzung künstlicher Intelligenz betonte er, Entscheidungen über Leben und Tod dürften niemals automatisierten Systemen überlassen werden.

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Gemeinsamkeiten mit Sánchez

Vor der Rede im Parlament traf Leo XIV. mit dem sozialistischen Ministerpräsident Sánchez zusammen. Papst Leo XIV. und Sánchez sind bei manchen politischen Themenauf einer Linie: Beide kritisieren den Iran-Krieg und sind deswegen wiederholt von US-Präsident Donald Trump attackiert worden. "Jeder Krieg stellt letztlich eine schmerzhafte Niederlage der Fähigkeit zu verhandeln und des gemeinsamen Gewissens der Menschheit dar, das Verbindungen der Gerechtigkeit zwischen den Nationen anerkennt", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche in Madrid.

Auch in der Migrationsfrage vertreten sowohl der Pontifex als auch der spanische Premier ähnliche Ansichten. Sánchez fährt etwa in der Migrationspolitik einen liberalen Kurs, was mit dem Einsatz des Papstes für Flüchtlinge in Einklang - und im Gegensatz zu Trumps Migrations- und Flüchtlingspolitik - steht. Zu dem in Spanien sehr präsenten Thema Migration erklärte Leo XIV., kein Land könne diese Herausforderung allein bewältigen. Daher sei eine "koordinierte, solidarische und wirksame Reaktion unerlässlich, die den Migranten Schutz, Aufnahme und echte Integrationschancen gewährleisten kann".

Papst betont Frage nach dem Menschenbild

Zwischen der katholischen Kirche und der spanischen Linksregierung gibt es aber auch deutliche Meinungsverschiedenheiten, etwa bei Fragen wie Abtreibungen, Rechte von Homosexuellen und Feminismus. Sánchez traf den Papst zudem inmitten einer schweren politischen Krise in Spanien. Wenige Tage vor dem apostolischen Besuch kam es in der Zentrale der spanischen Regierungspartei PSOE zu groß angelegten Durchsuchungen im Zuge von Korruptionsermittlungen.

In seiner Ansprache knüpfte der Papst an die juristische Tradition Spaniens an. Er erklärte, jede Gesetzgebung stehe vor der Frage, welches Menschenbild hinter den Gesetzen stehe und welche Art von Gesellschaft durch sie entstehe. Mit Verweis auf seine jüngst veröffentlichte Enzyklika "Magnifica humanitas" über die Nutzung der Künstlichen Intelligenz (KI) betonte Leo, technologische Entwicklung sei niemals neutral. Sie nehme "die Züge derjenigen an, die sie konzipieren, finanzieren, regulieren und nutzen". Entscheidend sei, welchen Platz der Mensch in politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen einnehme.

Zum Thema Abtreibung äußerte sich Leo XIV.: "Kann eine Gemeinschaft, die das ungeborene Kind, den alten Menschen, den Kranken, den still Leidenden oder denjenigen, der ganz auf die Fürsorge anderer angewiesen ist, ausblendet, als wirklich gerecht bezeichnet werden?" Die Verteidigung des menschlichen Lebens sei weder eine Partei- noch eine konfessionelle Angelegenheit: Sie sei ein zivilisatorisches Ziel.

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