Sohn von Displaced Persons reiste zurück nach Bregenz
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von AgenturenRoswitha Steger, Roman Schmid und Robert Kasirer bei ihrem Wiedersehen in Bregenz
Bild: APA/JOCHEN HOFER
Robert Kasirer ist als Sohn zweier "Displaced Persons" zur Welt gekommen - eines jüdischen Ehepaars, das nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs alles verloren und keine Heimat mehr hatte. In Bregenz musste die Familie Jahre ausharren, ehe ihr Visum für die USA bewilligt wurde. Während dieser Zeit kam Robert 1949 auf die Welt. Am Dienstag kehrte Kasirer an den Bodensee zurück, wo es nach Jahrzehnten ein herzliches Wiedersehen mit seiner Babysitterin Roswitha gab.
Nach einem Treffen mit Bürgermeister Michael Ritsch, von dem er Einblick in die Geschichte der Stadt und auch ein Duplikat seiner Geburtsurkunde erhielt, machte sich Robert Kasirer auf in die Quellenstraße, wo er mit seinen Eltern bis 1954 gelebt hatte. Seine ursprünglich aus der heutigen Ukraine stammenden Eltern hatten sich nach ihrer Befreiung aus dem Konzentrationslager Auschwitz (Mutter) und aus einem Arbeitslager (Vater) kennen- und lieben gelernt. Schließlich landeten sie in Bregenz - das Ziel aber war Los Angeles, wo sich ein Onkel von Robert als Auschwitz-Überlebender ein Leben aufbaute.
Herzliche Begrüßung
Vor dem Haus Quellenstraße 21 wurde Robert herzlich von seinem ehemaligen Spielkameraden Ramon Schmid begrüßt, dem das Haus heute gehört. Sein Großvater hatte die Kasirers aufgenommen, weil er die jüdischen Bürger als "gute Leute" schätzte. Zur Zeit des Nationalsozialismus war der Großvater von der Gestapo als "Judenfreund" verhaftet, aber von seinem Vater wieder losgeeist worden, wie Schmid erzählte. Schmid und die heute 88 Jahre alte Roswitha Steger tauschten mit dem als Kleinkind "Rommele" genannten Kasirer gerührt alte Erinnerungen aus. "Es war für mich furchtbar, als sie gegangen sind", sagte Steger, die im Haus gegenüber gewohnt und immer wieder auf Robert aufgepasst hatte. Mit Roberts Mutter blieb sie viele Jahre in Kontakt. "Sie hat mir Kleider geschickt", so Roswitha Steger.
"Ich hatte in Bregenz ein wunderbares Leben", erzählte Kasirer dankbar. Seine Eltern hätten immer sehr respektvoll und mit großer Wärme über ihre Zeit und die Leute in Bregenz gesprochen. Nach der Emigration nach Los Angeles wurde Kasirers Vater Jacob, gelernter Schuhmacher, zum reichen Immobilienunternehmer. 1984 trat Robert als Rechtsanwalt in die Firma des Vaters ein, die heute von zwei Söhnen und einem Schwiegersohn geführt wird. Er hat vier Kinder und 13 Enkelkinder, das jüngste davon ist gerade ein halbes Jahr alt. Heute widmet sich Kasirer als Vorsitzender seiner Familienstiftung der Unterstützung von Bildungsinstitutionen, des Judentums und der Philanthropie. Auf dem Programm standen auch Besuche des Jüdischen Museums und des Jüdischen Friedhofs in Hohenems. Im nächsten Jahr will Kasirer nach Bregenz zurückkommen, um die Bregenzer Festspiele zu besuchen. Eingefädelt wurde das Treffen am Dienstag von Yves Bollag, Präsident des Vereins zur Erhaltung des Jüdischen Friedhofs in Hohenems, und Raphael Einetter, Sammlungsleiter des Jüdischen Museum Hohenems.
1.000 Displaced Persons in Bregenz und Hohenems
Die Zahl der Displaced Persons - Überlebende von Konzentrations- und Arbeitslagern - belief sich in Österreich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf eine Million, etwa ein Viertel davon waren Jüdinnen und Juden. Sie wollten nach Palästina bzw. Israel, in die USA, nach Australien oder auch nur in die Schweiz. Als Displaced Persons hatten sie Anspruch auf Unterstützung durch die Alliierten und Fürsorgeleistungen der Gemeinden. Für rund 1.000 jüdische Displaced Persons waren Bregenz und Hohenems Durchgangsstationen.
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