Stocker zu Indien-Besuch abgereist

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Bundeskanzler reist mit hochrangiger Wirtschaftsdelegation

Bild: APA/APA/HELMUT FOHRINGER/HELMUT FOHRINGER


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Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) ist am Dienstagvormittag zu einem mehrtägigen Besuch nach Indien abgereist. Flankiert von einer hochkarätigen Wirtschaftsdelegation will er sich als "Türöffner" für heimische Unternehmen im bevölkerungsreichsten Land der Welt verdingen. Stocker hatte diese Visite bereits in seiner Neujahrsrede im Jänner angekündigt. Indien nannte er mit China und den Vereinigten Arabischen Emiraten als Destinationen für seine heutige "Exportoffensive".

Stocker wird am späten Dienstagabend (Ortszeit) in Neu-Delhi erwartet, wo Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) zu ihm stoßen wird. Dieser hielt sich bereits seit dem Wochenende in der Finanzmetropole Mumbai (Bombai) auf. Höhepunkt der Visite ist ein Treffen mit dem indischen Regierungschef Narendra Modi am Donnerstag, in dessen Rahmen auch einige Absichtserklärungen zur Stärkung der bilateralen Zusammenarbeit unterfertigt werden sollen. Stocker erwidert einen Besuch Modis, der im Juni 2024 zur Feier des 75. Jahrestags der Aufnahme bilateraler Beziehungen zwischen Indien und Österreich in Wien gewesen war.

Nach dem Treffen der beiden Regierungschefs ist auch ein Wirtschaftsgipfel geplant. In der Delegation sind auch WKÖ-Vizepräsident Wolfgang Hesoun sowie Vertreter von Top-Unternehmen wie Wienerberger, Andritz Hydro, Doppelmayr, Plasser & Theurer und AVL List sowie mehrerer Hochschulen (Montanuniversität Leoben, TU Wien, JKU Linz). Am Samstag wird die Delegation wieder in Österreich erwartet.

"Wirtschaftlich, strategisch und politisch äußerst wichtiger Partner"

Indien sei als größte Demokratie der Welt "ein wirtschaftlich, strategisch und politisch äußerst wichtiger Partner", hieß es im Vorfeld der Visite aus dem Bundeskanzleramt. Österreichische Unternehmen sollen von der dynamisch wachsenden Wirtschaft Indiens profitieren. Schon jetzt sei das Land einer der wichtigsten Handelspartner Österreichs außerhalb der EU, rund 170 österreichische Unternehmen seien im Land aktiv. Große Hoffnungen setzt man dabei auch in das bereits ausverhandelte Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien. Es schafft eine Freihandelszone mit rund zwei Milliarden Menschen.

Stocker wird in Delhi auch von der indischen Präsidentin Droupadi Murmu empfangen. Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer trifft seinen Amtskollegen Piyush Goyal. Es soll auch eine Reihe von Absichtserklärungen unterzeichnet werden, die darauf abzielen, dass Österreich und Indien künftig noch enger zusammenarbeiten.

"Chancen in einem der dynamischsten Märkte der Welt"

"Indien ist die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der Welt. Gerade in einer Zeit globaler Umbrüche und wachsender Unsicherheiten auf den Weltmärkten sind starke Partnerschaften der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg. Dieser Besuch eröffnet unseren heimischen Unternehmen konkrete Möglichkeiten, neue Kooperationen zu schließen und bestehende Partnerschaften zu vertiefen", betonte Stocker.

Eines der an der Wirtschaftsmission beteiligten Unternehmen verkündete am Dienstag bereits einen größeren Auftrag aus dem Land. Wie der börsennotierte steirische Anlagenbauer Andritz am Dienstag mitteilte, wird das Unternehmen ein Pumpspeicherkraftwerk im Bundesstaat Maharashtra ausrüsten. Der Auftragswert liege im niedrigen dreistelligen Millionenbereich, hieß es in einer Aussendung. Mit einer Leistung von 3.000 Megawatt soll "Saidongar-1 Karjat" das größte Pumpspeicherkraftwerk des Landes werden.

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Indien spielte wichtige Rolle bei Staatsvertrag Österreichs

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung nimmt auch die politische Bedeutung Indiens zu. Die Außenpolitik der Atommacht ist von der Rivalität mit der aufstrebenden Weltmacht China sowie Erzfeind Pakistan geprägt, mit dem es erst im Vorjahr nach einem verheerenden Terroranschlag in Kaschmir die Waffen kreuzte. Eher freundschaftlich sind hingegen die Beziehungen zu Russland. Diesbezüglich profitierte Indien vom Ukraine-Krieg, indem es infolge westlicher Sanktionen russisches Erdöl zu günstigeren Preisen einkaufen konnte, was sich nicht zum Nachteil der indischen Wirtschaftsentwicklung erwies.

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Indien und Österreich sind sehr eng und freundschaftlich. Sie gehen auf das Jahr 1949 zurück, kurz nachdem Indien und Pakistan ihre Unabhängigkeit von Großbritannien erlangten. Indien setzte sich in den Staatsvertragsverhandlungen bei der damaligen Sowjetunion zugunsten Österreichs ein, und der indische Premierminister Jawaharlal Nehru besuchte Wien bereits im Juni 1955, wenige Wochen nach der Unterzeichnung des Staatsvertrags. Nehru war Anfang der 1960er Jahre auch Initiator der Blockfreien-Bewegung, die im Kalten Krieg einen unabhängigen Weg suchte. Hier gab es mit dem neutralen Österreich durchaus Anknüpfungspunkte, insbesondere in der Zeit des weltpolitisch besonders aktiven Bundeskanzlers Bruno Kreisky (SPÖ), der Indien im Jahr 1980 besuchte.

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