Umbauarbeiten an Schule nach Amoklauf fast abgeschlossen
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von AgenturenBlick nach vorne knapp ein Jahr nach Amoklauf
Bild: APA/APA/ERWIN SCHERIAU/ERWIN SCHERIAU
Zwei Tage vor dem Jahrestag des Amoklaufs an einer Grazer Schule haben die Bildungsdirektion und das Land Steiermark zusammen mit Vertretern des BORG Dreierschützengasse einen Blick nach vorne und absichtlich nicht nur in die Vergangenheit geworfen. "Es gibt noch viel zu verarbeiten", sagte Bildungslandesrat Stefan Hermann (FPÖ). Schulleiterin Liane Strohmaier kündigte an, dass zu Schulbeginn im Herbst wieder alle Räume der Bildungseinrichtung nach dem Umbau bezogen werden.
Mit der Pressekonferenz wollten der Landesrat und Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner "medialen Druck" von Schülern und Lehrpersonal nehmen. Medien wurden um Zurückhaltung gebeten. "Der 10. Juni des Vorjahres hat uns alle zutiefst erschüttert. Wir sind in den Gedanken oft bei den Opfern", zeigte sich Meixner immer noch betroffen. Im vergangenen Jahr seien mehr als 1.000 schulpsychologische Beratungen durchgeführt worden. Ein dauerhaft stationiertes psychologisches Kernteam an der Schule sei sowohl für Schüler als auch Lehrpersonal da gewesen.
"Die neue Normalität statt einfacher Rückkehr zur Normalität steht im Vordergrund", sagte die Bildungsdirektorin. Es sei ein "Versuch der Rückkehr in ein geordnetes, normales Leben. Der Schulalltag wurde bewusst behutsam stabilisiert", sagte Meixner weiter. Es gehe um Schutz, Rücksicht, Begleitung und klare Strukturen. Für die am Donnerstag beginnenden mündlichen Reifeprüfungen wurden ebenfalls Maßnahmen gesetzt. Die Umbauarbeiten in der Schule seien im Plan, weshalb großteils bis zum Schulschluss weiterhin in einem Gebäude des Technologiekonzerns AVL unterrichtet werde. Meixner dankte der Familie List, die die Räumlichkeiten direkt neben der Schule zur Verfügung stellt.
Sicherheitskonzept mit baulichen Maßnahmen umgesetzt
"Die baulichen Maßnahmen werden gestaffelt umgesetzt. Klassen und Gangbereiche im dritten Obergeschoß sind bis zum 19. Juni fertiggestellt, der Bereich im zweiten Obergeschoß bis zum 10. Juli. Die EDV im zweiten Obergeschoß sowie Bereiche im ersten Obergeschoß sollen bis 14. August fertiggestellt werden", legte die Bildungsdirektion den weiteren Fahrplan offen. Mit Schulanfang im Herbst können dann wieder alle Klassen in der Schule starten. Weiters wurde ein Sicherheitskonzept - unter anderem mit baulichen Maßnahmen - erarbeitet, doch über dieses wurden keine Details bekannt gegeben.
"Am Jahrestag geht es um ein gemeinsames Erinnern und um den Blick nach vorne", so Meixner. Eine kleine Gedenkfeier an der Schule sei geplant: "Wir wollen keine große Bühne." 16 Schulpsychologinnen und -psychologen würden den Tag in der Schule begleiten. "Bitte gewähren Sie den Schülern ein ruhiges Gedenken", bat sie um Zurückhaltung.
Steuergruppe wird im Winter langsam auslaufen
Schulleiterin Strohmaier meinte, dass sich viele bereits auf den Herbst freuen würden, wenn wieder an nur einem Standort unterrichtet werde. Sie betonte, dass ihre Kolleginnen und Kollegen "in diesem Schuljahr über sich hinausgewachsen" seien, denn alle waren Betroffene. Das psychologische Team an der Schule werde auch im Herbst weiterhin für alle da sein. Besonders hervorheben wollte sie die Leistungen der Schülerinnen und Schüler. Bis zum Herbst 2025 waren Leistungsbeurteilungen ausgesetzt. Seither zeigte sich aber, dass die Jugendlichen durchaus an die Leistungen von früher anschließen konnten - das gelte auch für die bereits abgelegten Matura-Arbeiten.
Heidrun Nedoma, Leiterin der Steuergruppe am Schulstandort, rückte die Spannungsfelder anlässlich des bevorstehenden Jahrestags in den Fokus: "Es gibt unterschiedliche Bedürfnisse." Für die kleine Gedenkfeier habe man sich mit Rücksichtnahme auf alle entschieden. Die Steuergruppe werde auch im Herbst den Schulbeginn begleiten, dürfte dann aber über den Winter auslaufen und "das Steuer wieder alleinig der Schule" übergeben. Mirza Candic, Obmann des Elternvereins, sprach von einem "langen und herausfordernden Jahr": "Für viele war es nicht einfach in den Schulalltag zurückzufinden, aber es ist recht gut gelungen", fasste er zusammen. Besonders betonen wollte er das Chor-Projekt der Schule, das trotz des Verlusts von vier Schülerinnen wieder angelaufen sei.
"Denkmuster" in den Köpfen der Schüler
Die beiden Schulsprecher Manuel Mohr und Nuno Koval meinten, dass die Schülerinnen und Schüler durch den Amoklauf näher zusammengerückt seien. Deshalb werde auch der Jahrestag gemeinsam verbracht. Vergessen habe es niemand und oft seien es die "kleinen Dinge", die zeigen würden, wie tief die Erinnerungen sitzen: "Man sitzt zum Beispiel in der Klasse und hört ein Geräusch, das nicht sofort zu identifizieren ist, und wird sofort hellhörig. Fragen wie: 'Was war das? Kommen noch weitere solche Geräusche?' gehen einem durch den Kopf. Diese Denkmuster haben sich bei vielen von uns eingeprägt", sagte Koval.
Nachdem im Herbst die umgebauten Räume bezogen worden sind, soll es auch noch an die Einrichtung eines Gedenkraumes gehen, sagte Strohmaier. Das sei dann der "Feinschliff". Landesrat Hermann kündigte ebenfalls für den Herbst einen Überblick über die Maßnahmen und Schlussfolgerungen des Beirats für Gewaltprävention an. Das Fachgremium tage immer noch in unregelmäßigen Abständen. Eine der Maßnahmen sei eine Koordinierungsstelle für sämtliche schulische und außerschulische Unterstützungsangebote. Diese werde bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft installiert und soll "Dreh- und Angelpunkt für Kinder, Jugendliche, Eltern und Pädagogen" sein.
Rückblick
Am 10. Juni 2025 war ein 21-jähriger Österreicher mit zwei Schusswaffen, die er legal besessen hat, in seine ehemalige Schule gegangen und hatte dort in zwei oberen Stockwerken in mehreren Klassen das Feuer eröffnet. Er schoss offenbar wahllos auf Schülerinnen und Schüler, die er gar nicht gekannt hat, sowie auf Lehrpersonal. Nach rund sieben Minuten erschoss sich der Täter selbst. Neun Schülerinnen und Schüler sowie eine Lehrerin starben, weitere elf Personen wurden zum Teil sehr schwer verletzt.
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