Weltbevölkerungsentwicklung kann Geschlechterrollen fixieren
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von AgenturenTraditionelle Vorstellungen halten sich im Welt-Schnitt hartnäckig
Bild: APA/APA/JUDITH EGGER/JUDITH EGGER
Sollen Frauen im Bildungssystem und am Arbeitsmarkt dieselben Chancen wie Männer haben? Oder: Sind Frauen ebenso geeignete politische Führungspersonen? Die Antworttendenzen auf diese Fragen präsentieren sich in Umfragen im weltweiten Schnitt recht stabil. Einer Studie im Fachmagazin "PNAS Nexus" zufolge liegt dies zum Teil an hohen Geburtenraten in Ländern mit recht dominanten klassischen Geschlechterrollenvorstellungen. Westliche Länder und andere driften eher auseinander.
Die gesammelten Antworten auf Fragen nach der egalitären Beteiligung von Frauen in Bildung, Arbeit und Politik spiegeln die Einstellungen einer Gesellschaft zum Thema Gleichbehandlung recht gut wider, schreiben die Autorinnen und Autoren um Plamen Akaliyski von der Lingnan University in Hongkong und Catherine Bowen vom Institut für Demografie der Universität Wien. In vielen Ländern ging die Unterstützung für Geschlechtergerechtigkeit in den vergangenen Jahrzehnten hinauf. Allerdings gibt es dazu deutlich mehr Daten aus westlichen Gesellschaften.
Schere zwischen westlichen und nicht-westlichen Gesellschaften
Wie es um das Thema weltweit bestellt ist, hat sich das Team nun anhand von Daten von weltweiten bzw. europaweiten Großumfragen angesehen. Die jeweiligen Informationen stammen aus den Jahren 1995 bis 2022. Die Analyse umfasst so Zahlen aus insgesamt fast 80 Ländern, in denen ungefähr 85 Prozent der Weltbevölkerung leben.
Die Untersuchung zeigt, dass die gesellschaftliche Unterstützung für Geschlechtergleichbehandlung in vielen Ländern im Untersuchungszeitraum im Aufwind befindlich war. Rechneten die Forschenden aber den Welt-Schnitt über die Zeit hinweg aus, fanden sie eine Stagnation. Das erklärte sich durch einen wachsenden Unterschied zwischen westlichen und nicht-westlichen Gesellschaften, heißt es in der Publikation.
Wie demographische Entwicklung Einstellung mitformt
Als Basis für zumindest einen Teil dieses Effekts haben die Wissenschafterinnen und Wissenschafter die unterschiedlichen Bevölkerungsentwicklungen in verschiedenen Ländern ausgemacht: Während in Ländern mit steigender Akzeptanz eines egalitäreren Zuganges die Bevölkerung eher gleich bleibt, wächst die Einwohnerzahl in Staaten, in denen klassischere Rollenbilder stärker verbreitet sind. So ist die Geburtenrate in Ländern mit geringerer Durchschnittsunterstützung für Geschlechtergleichstellung in der Regel höher.
Dazu komme auch noch, dass Frauen, die eher weniger egalitäre Ansichten vertreten, tendenziell früher und mehr Kinder bekommen. Geht man davon aus, dass Eltern ihre Ansichten in gewisser Weise an ihre Kinder weitergeben, erscheine es logisch, dass diese Mechanismen die Verbreitung des Geschlechtergleichstellungsgedankens eingebremst haben dürften, halten die Studienautorinnen und -autoren fest.
Man sehe hier, wie demographische Prozesse gesellschaftlich-kulturelle Entwicklungen unterminieren bzw. das Ausbleiben einer solchen Weiterentwicklung fördern könnten und dass Fertilitätsraten sich nicht nur auf die Bevölkerungsstruktur und den Wechsel von Alterskohorten auswirken, sondern auch großen Einfluss darauf haben können, wie sich Wertvorstellungen in Gesellschaften halten. Klarerweise seien hier auch viele andere Faktoren, wie Bildung oder übergeordnete gesellschaftliche Trends, am Werke, aber Demographie könne mitunter auch zu einer "mächtigen kulturellen Kraft" werden, schreiben die Forschenden.
(S E R V I C E - https://doi.org/10.1093/pnasnexus/pgag133 )
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