Eskalation

USA und Iran: Neue Angriffe verschärfen Nahost-Krieg

Veröffentlicht:

von Quelle: APA, JOYN News

ZIB 13:00

USA und Iran: Ende der Angriffe nicht in Sicht

Videoclip • 01:25 Min


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In der iranischen Hauptstadt Teheran hat nächtliches Flugabwehrfeuer Sorgen vor einer noch größeren militärischen Eskalation des Kriegs mit den USA geschürt. Im Nordosten der Millionenmetropole schreckte die Flugabwehr viele Bewohner gegen 3.30 Uhr (Ortszeit) aus dem Schlaf. Etwa eine halbe Stunde lang waren dumpfe Detonationen zu hören. Irans Streitkräfte feuerten am Mittwoch wieder Raketen auf mit den USA verbündete Staaten in der Region, wie Jordanien, Kuwait und Bahrain.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nächtliches Flugabwehrfeuer in Teheran und neue US-Angriffe auf iranische Militärziele schüren die Sorge vor einer weiteren Eskalation des Konflikts.

  • Gleichzeitig griff der Iran erneut US-Verbündete in der Region mit Raketen an, während US-Präsident Donald Trump weitere Angriffe androhte.

Es war das erste Mal seit Beginn der jüngsten Eskalation im Iran-Krieg, dass die Flugabwehr in Teheran wieder aktiv wurde. Parallel dazu informierte das US-Militär in der Nacht über eine neue Welle von Angriffen auf militärische Ziele im Iran. Kurz darauf herrschte wieder Ruhe - und das US-Militär gab das Ende seiner Angriffswelle bekannt. Erst viele Stunden später berichtete die iranische Nachrichtenagentur Fars, dass eine feindliche Drohne über dem Himmel Teherans abgeschossen worden sei.

Jordanien, Kuwait und Bahrain unter Beschuss

Irans Streitkräfte meldeten Medienberichten zufolge unterdessen neue Angriffe auf Stützpunkte in Jordanien, Kuwait und Bahrain. Das Königreich Jordanien wehrte vier von sechs ballistischen Raketen ab, wie die staatliche Nachrichtenagentur Petra unter Berufung auf Militärkreise berichtete. Schäden oder Opfer habe es nicht gegeben. Videos zeigten, wie im Raum der jordanischen Küstenstadt Akaba Rauch aufsteigt. Erst vor wenigen Tagen wurden dort Angriffe gemeldet.

Das Königreich wurde im Krieg bisher weniger angegriffen als etwa die Golfstaaten Kuwait oder die Vereinigten Arabischen Emirate. Auch Jordanien beheimatet aber US-Truppen und Flugzeuge der US-Luftwaffe und ist so zum möglichen Ziel Irans bei Vergeltungsangriffen in der Region geworden. Jordanien liegt zudem auf der Fluglinie zwischen dem Iran und Israel, die sich seit 2024 gegenseitig immer wieder auch direkt angriffen.

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Attacken auf Kommandozentren, Marine und Luftwaffe

Das US-Militär hat mit den jüngsten Attacken die Islamische Republik bereits die elfte Nacht in Folge angegriffen. Es sollten die Möglichkeiten des Irans geschwächt werden, Handelsschiffe in der für den globalen Ölhandel wichtigen Straße von Hormuz anzugreifen, teilte das für die Region zuständige US-Kommando (Centcom) auf der Plattform X mit. Zu den Zielen der gut einstündigen Angriffswelle gehörten demnach militärische Kommandozentren, die iranische Marine und Standorte der Luftwaffe. Angaben zu genauen Orten wurden nicht gemacht. Der Iran meldete wie in den vergangenen Wochen vor allem Angriffe am Persischen Golf an der Südküste.

US-Präsident Donald Trump hatte dem Iran Stunden zuvor mit weiteren Angriffen gedroht und dabei konkret ein Areal rund um eine Anlage genannt, die als "Pickaxe Mountain" bekannt ist. "Wir werden diesen Bereich in Kürze ins Visier nehmen, und zwar mit voller Wucht", sagte er am Dienstag im Weißen Haus. Bereits zuvor hatte der Republikaner eine Attacke auf den Komplex angedroht, der in einem Berg südlich der Nuklearanlage Natans im Zentraliran verborgen ist. Trump betonte zudem, dass das US-Militär jede Anlage ins Visier nehmen werde, die die Führung in Teheran für atomare Zwecke nutzen wolle.

Der Iran dementierte nukleare Aktivitäten in "Pickaxe Mountain". US-Berichte darüber seien "nichts weiter als ein erfundener Vorwand für Aggression, Zerstörung und Sabotage", schrieb Irans Außenamtssprecher Ismail Baghai auf X. Die nuklearen Aktivitäten Irans seien der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) vollständig gemeldet, schrieb er.


Beginnt eine neue Phase der Eskalation?

Die nächtlichen Geschehnisse in Teheran könnten darauf hindeuten, dass die Eskalation des Konflikts in eine neue Phase tritt. Die bisher letzten Angriffe auf die Metropole hatte es Anfang Juni gegeben, also vor mehr als einem Monat. Damals hatte die israelische Luftwaffe als Reaktion auf iranische Raketenangriffe Ziele in der Stadt attackiert.

Auch am Mittwoch drohte Trump dem Iran erneut. Für jedes Schiff, das der Iran in der Straße von Hormuz angreife, würden die USA "eine Brücke oder ein Kraftwerk bombardieren und zerstören", sagt Trump. Dabei würden auch andere zivile Infrastrukturobjekte in der Nähe ins Visier genommen werden, teilte er auf seiner Plattform Truth Social mit. Dabei sei es Trump egal, ob der Iran Schiffe in der Meerenge mit Raketen, Drohnen oder andren Waffen attackiere.

Konflikt flammte Anfang Juli erneut auf

Der Konflikt war Anfang Juli erneut aufgeflammt, nachdem Irans Streitkräfte Handelsschiffe in der Straße von Hormuz beschossen hatten. Die USA flogen daraufhin Hunderte Luftangriffe auf Ziele vor allem an der Südküste des Irans. Trump erklärte die Anfang April vereinbarte und mehrmals gebrochene Waffenruhe sowie das Mitte Juni ausgehandelte Rahmenabkommen zur Vorbereitung einer möglichen Friedenslösung für beendet. Auch Teheran fühlt sich nicht mehr an die vorläufige Absichtserklärung gebunden.

Regierungsangaben zufolge kamen bei den Angriffen seit Anfang Juli mindestens 53 Menschen ums Leben. Fast 600 weitere seien verletzt worden, schrieb der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Hossein Kermanpour, auf X. Ein Großteil der Patienten sei inzwischen entlassen worden. 36 befänden sich weiterhin in stationärer Behandlung. Die Regierung berichtet in der Regel nur über zivile Opfer. Über Verluste unter den Streitkräften gibt es keine offiziellen Angaben.

Spannungen auch am Roten Meer

Der Iran-Krieg sorgt inzwischen auch für Spannungen am Roten Meer. Die vom Iran unterstützen Houthi-Rebellen im Jemen hatten am Montag eine "Blockade" für saudische Schiffe angekündigt. Die Houthi kontrollieren im Jemen vor allem den Norden und weite Teile der westlichen Küste am Roten Meer. Von hier aus können sie mit ihrem Arsenal aus Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern auch Schiffe in der Meerenge Bab el-Mandeb angreifen, die zusammen mit der Straße von Hormuz zu den wichtigsten Seewegen weltweit zählt.

Öltanker scheinen auch auf dieser Route wieder vorsichtiger zu werden. Mindestens drei Öltanker seien umgedreht, meldete das Fachmedium "Lloyd's List". Saudi-Arabien exportiert derzeit einen Teil seines Öls über eine Pipeline zum Hafen Yanbu am Roten Meer, um die Straße von Hormuz zu umgehen.

Pakistans Regierung, die im Iran-Krieg vermittelt, will nun ihren Bündnispartner Saudi-Arabien im Notfall militärisch unterstützen. Man behalte sich auch den Einsatz von Gewalt vor, um eigene Interessen zu schützen, hieß es in einer Stellungnahme des pakistanischen Außenministeriums. Die südasiatische Atommacht unterhält mit Saudi-Arabien ein Militärbündnis und hadert daher zunehmend auch mit ihrer Vermittlerrolle im Krieg.

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