Bundeskriminalamt warnt

Gefährliche Sadisten-Netzwerke: Wie Kinder im Internet zu Gewalt angestachelt werden

Veröffentlicht:

von Dijana Djordjevic

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"The Com": Sadisten-Netzwerk im Visier von Ermittlern

Videoclip • 09:36 Min


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Vom FBI über Interpol bis hin zum Bundeskriminalamt: Ermittler:innen warnen vor einem neuartigen Kriminalitätsphänomen, bei dem Kinder und Jugendliche im Internet zu Gewalt, aber auch Selbstverletzung bis hin zum Suizid manipuliert werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ermittler:innen warnen vor sogenannten "Com"-Gruppen.

  • Dabei handelt es um Sadisten-Netzwerke, die Kinder und Jugendliche zu Gewalt manipulieren.

  • Auch in Österreich ist das Bundeskriminalamt (BKA) in Alarmbereitschaft.

"The Com" - kurz für Community - bezeichnet ein internationales gewaltbereites Online-Netzwerk. Es handelt sich dabei um ein Sadisten-Netzwerk, das vorwiegend auf Social Media, Messengerdiensten und anderen Kommunikationskanälen aktiv ist.

Die Opfer sind Kinder und Jugendliche, die rekrutiert, manipuliert und zu Straftaten genötigt werden. Zu den bekanntesten Teilgruppen gehören "764", "CVLT" und "Harm NationBrotherhood of Blood".

Opfer werden zu Tätern

Täter:innen suchen in Selbsthilfegruppen, auf Gaming-Plattformen wie Roblox oder Minecraft und parallel auf Discord, aber auch sozialen Netzwerken nach vulnerablen Kindern und Jugendlichen. Sie beobachten ihr Online-Verhalten, ihre Interessen und Äußerungen, um gezielt - oftmals bereits psychisch vorbelastete - Opfer zu finden.

Die Täter:innen, bei denen es sich Großteils selbst um Minderjährige oder junge Erwachsene handelt, bringen die Betroffenen dazu, Vertrauen und eine emotionale Bindung zu ihnen aufzubauen und sammeln persönliche Informationen wie Wohnort, Telefonnummer, Angaben zu Angehörigen. Mithilfe von Druck, Drohungen und Erpressung werden die Kinder und Jugendlichen schließlich dazu gebracht, Gewalt auszuüben, sich selbst zu verletzten oder intime Inhalte zu erstellen.

Die Opfer werden in der Folge selbst zu Täter:innen.

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Zwei Fälle in Deutschland, Alarmbereitschaft in Österreich

Auch in Deutschland stehen derzeit zwei mutmaßlicher Täter vor Gericht. Einer davon ist ein Hamburger, der unter dem Pseudonym "White Tiger" als führendes Mitglied der Online-Community "764" Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 15 Jahren manipuliert haben soll. Die Opfer sollen zu sexuellen Handlungen, Selbstverletzung und sogar zum Suizid angeleitet worden sein. "Es handelt sich hier um die Abgründe des Internets und um unvorstellbare Grausamkeiten", warnen die deutschen Ermittler:innen.

In Österreich gibt es derzeit keine bestätigten Opfer, es herrscht jedoch Alarmbereitschaft: Das Bundeskriminalamt (BKA) warnt nun in Schulen vor dem gefährlichen Kriminalitätsphänomen und hat seit März eine eigene Arbeitsgruppe gegründet.

Wie können Eltern erkennen, dass ihr Kind Opfer oder sogar Täter ist?

So warnt Petra Huber-Lintner, Leiterin des Büros Allgemeine Kriminalität im Bundeskriminalamt, im PULS 24-Interview: Betreibt man Kommunikation im Internet, so muss man sich immer bewusst sein, dass der Gegenüber "nicht unbedingt die vertrauenswürdige Person ist, für die man diese Person einschätzt". Bei der Weitergabe von persönlichen Daten, Fotos und Videos sollte man daher immer - auch als Erwachsener - bedachtsam vorgehen. Auch Eltern, die zum Beispiel Familienfotos oder etwa Informationen über Urlaube teilen, sollten immer Bedacht nehmen, wer alles diese Inhalte sehen kann, betont Huber-Lintner.

Die Zielgruppe der Sadisten-Netzwerke seien laut derzeitigem Ermittlungsstand Kinder und Jugendliche im Alter von sieben bis 17 Jahren. Eltern dieser Kinder rät die Ermittlerin, sich mit dem Kind Gedanken zu machen, wie das Online-Leben des Kindes aussieht.

"Wenn man merkt, dass das Kind sich drastisch ändert, wenn Geheimniskrämerei ins Spiel kommt, wenn man merkt, das Kind versucht ganz gezielt zu verheimlichen, was für Online-Erlebnisse es hat, dann sollte man auf jeden Fall schon mal hellhörig werden", betont sie. Wichtig sei es hier, mit dem Kind über die Online-Erlebnisse zu reden und ihm das Gefühl zu geben, "wenn es einen unangenehmen Kontakt im Internet hat, dass es völlig okay ist, wenn es die Eltern ins Boot holt und mit den Eltern darüber redet".


So schützen Sie Ihr Kind

Das Bundeskriminalamt rät zu folgenden Maßnahmen:

  • Sprechen Sie regelmäßig mit Ihrem Kind über Online-Erlebnisse.

  • Vereinbaren Sie klare Regeln für die Nutzung von Apps und Spielen.

  • Begrenzen Sie Chat- und Multiplayer-Funktionen lediglich auf Freund:innen.

  • Erklären Sie: Keine persönlichen Daten oder Fotos an Fremde senden.

  • Achten Sie auf Warnsignale: Rückzug, Geheimhaltung, neue "Online-Freund:innen", selbstverletzendes Verhalten (z. B. Schnittverletzungen).

  • Aktivieren Sie Privatsphäre-Einstellungen gemeinsam mit ihrem Kind.

  • Parental-Control-Apps bieten zusätzliche Unterstützung.

  • Ermutigen Sie das Kind, sich bei unangenehmen Kontakten sofort an Sie zu wenden. Bei einem konkreten Verdachtsfall, kontaktieren Sie die Polizei.

Was, wenn schon etwas passiert ist?

  • Handeln Sie sofort, um Beweise zu sichern und Ihr Kind zu schützen.

  • Bewahren Sie trotzdem Ruhe und leisten Beistand.

  • Blockieren Sie die Täter:innen.

  • Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei.

Infobox Hilfe in Krisensituationen

Bild: JOYN


Infobox Hilfe für Eltern

Bild: JOYN


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