"Riesiger Stressfaktor"

Psychologin: Hitze wirkt sich auf mentale Gesundheit aus

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von Quelle: APA, JOYN News

PULS 24 Live

"Hilflosigkeit": Hitze als Belastung für die Psyche

Videoclip • 06:52 Min


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Neben einem Gefühl der "Hilflosigkeit", das akute große Hitze und Trockenheit auslösen kann, zeigt der momentane Blick auf die Natur auch eine andere Realität im Angesicht des Klimawandels. Wenn Wälder und Grünflächen plötzlich anders aussehen, wirke das auf die Psyche durchaus "beängstigend", so die Umweltpsychologin Sabine Pahl zur APA. Hitze- und Dürreperioden, wie aktuell, sind jedenfalls ein "riesiger Stressfaktor" - vor allem für Menschen mit Vorerkrankungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Neben körperlichen Belastungen, hat die Hitze auch negative Auswirkungen auf die menschliche Psyche.

  • Vor allem Menschen, die bereits vorbelastet sind, treffen solche Perioden am meisten, erklärt Umweltpsychologin Sabine Pahl.

Es ist kein Geheimnis, dass derartige Perioden jene Personen am stärksten treffen, die bereits körperlich, sozial oder psychisch benachteiligt sind. So weiß man aus diversen Untersuchungen, dass die mentale Gesundheit im Allgemeinen leidet: depressive Stimmungen, Angstzustände, Aggression bis hin zu Suizidraten seien in solchen Hitzeperioden im Steigen, so die Forscherin vom Institut für Psychologie der Kognition, Emotion und Methoden der Universität Wien.

Die Belastung für den Körper hat viele psychische Effekte mit im Gepäck - man reagiert mitunter hitziger. Der schlechtere Schlaf führt zu etwas reduzierter kognitiver Leistung.

Wenn "Copingstrategien" nicht mehr greifen

Personen, die etwa durch Erkrankungen bereits angeschlagen sind, entwickeln in der Regel "Copingstrategien", um mit ihrer Situation umzugehen. Bei großer Hitze fällt es aber bekanntlich sehr schwer, zum Beispiel Sport zu machen, hinaus in die Natur zu gehen oder Bezugspersonen zu treffen. Leidet man unter "sozialen Ängsten", will man vielleicht noch weniger schweißgebadet zu einem Treffen erscheinen. Wer auf das abgedunkelte Zimmer zurückgeworfen ist, kann seine üblichen Strategien nicht anwenden: "Ich kann nicht tun, was mir normalerweise guttut", so Pahl.

Eine solche Strategie ist für viele der Weg in die Natur. Die sieht aber vor allem im extrem dürregeplagten Osten des Landes gerade "ganz anders aus". Wer Entspannung in der Umwelt sucht, sucht in der Regel Wälder, Grünflächen und Gewässer auf: "Die wenigsten Menschen mögen gerne Wüsten", sagte die Umweltpsychologin, die Co-Leiterin des "Forschungsverbundes Umwelt und Klima" (ECH) an der Uni Wien ist.

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Von Naturverbundenen und "Technooptimisten"

Blickt man auf eine derart veränderte, eigentlich vertraute Landschaft, kann die Unsicherheit steigen. Man beginnt sich zu fragen, was im Zuge des Klimawandels als nächstes kommt. Das wirke dementsprechend "beängstigend". Gerade die vielen naturverbundenen Menschen im Land denken etwa auch an die Folgen für die Wildtiere, die vielleicht nichts mehr zum Essen und Trinken finden. "Es geht nicht nur um mich selbst, sondern es geht auch um das Gesamtbild", erklärte Pahl.

Der Gruppe der Naturverbundenen steht aber auch eine Gruppe an Menschen gegenüber, die man als "Technooptimisten" bezeichnen kann. Letztere sehen die Abhängigkeit von der Natur eher nicht und vertrauen sozusagen darauf, dass irgendeine technische Lösung einmal die klimabedingten Probleme quasi beseitigen wird. Genau diese Sichtweise sei sehr problematisch, weil sie den Blick darauf verstellt, dass man jetzt möglichst schnell etwa in Richtung Klimaschutz und Anpassung an die neuen, heißeren Bedingungen tun muss, so die Wissenschafterin.


Hitze wirkt auf manche ein Stück weit "unschuldig"

Etwas tückisch bei Hitzestress sei, dass er auf viele Menschen gewissermaßen "unschuldig" wirke. Der Befund, dass es heiß ist und das Probleme verursacht, wirke oft banal. Die gestiegenen Temperaturen werden aber zunehmend "ernst".

In Workshops etwa mit Bauarbeitern, Gesundheitspersonal oder Essenszustellern wisse man, dass so einige Teilnehmer noch wenig Bewusstsein dafür entwickelt haben, dass es an der Zeit ist, sich auch zu schützen und an die neue Realität anzupassen. Manche Firmen hätten bereits Kühlwesten angeschafft, der Weg zur Anwendung scheint aber teils noch weit, so die Psychologin.

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