Ex-Parteichef übernimmt
Türkei: Gericht ordnet Absetzung von Oppositionsführer Özgür Özel an
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von Quelle: APA, JOYN NewsÖzgür Özel wurde von einem Gericht in Ankara seines Amtes enthoben
Bild: APA/AFP/ADEM ALTAN
Ein Gericht in der türkischen Hauptstadt Ankara hat am Donnerstag die Absetzung des Vorsitzenden der größten Oppositionspartei CHP angeordnet. Özgür Özel und die Parteiführung werden damit ihrer Ämter enthoben, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.
Die Türkei steht erneut vor einem politischen Erdbeben: Ein Gericht hat entschieden, die Führung der größten Oppositionspartei CHP abzusetzen. Ausgerechnet Ex-Chef Kemal Kılıçdaroğlu, der bislang alle Wahlen gegen AKP-Präsident Recep Tayyip Erdoğan verlor, soll vorläufig zurückkehren und die Partei übernehmen. Özgür Özel kündigte indes an, gegen das noch nicht rechtskräftige Urteil vorzugehen.
In einem X-Post schrieb er: "Ich verspreche euch nicht, dass der Weg zur Macht durch einen Rosengarten führt." Seinen Unterstützern verspreche er, dass er den Schmerz ertragen, sich jedoch nicht ergeben werde. "Ich verspreche euch Ehre, Würde, Mut und Kampfgeist!" schrieb er.
Der CHP-Vorsitzende der Provinz Istanbul, Özgür Çelik, wertete diese Gerichtsentscheidung als politisch motiviert. An die Regierung gerichtet schrieb er auf X: "Sie wollen die Republik zerstören, die Demokratie außer Kraft setzen und dem Volk die Wahl entziehen." Das türkische Volk werde das nicht zulassen. "Die Türkei wird sich dieser Tyrannei nicht beugen", schrieb er auf X.
Verfahren von ehemaligem CHP-Parteimitglied angestrengt
Das Verfahren, das ein ehemaliges CHP-Parteimitglied angestrengt hatte, hielt die Partei seit Langem in Atem. Darin ging es um die Frage, ob Delegierte bestochen wurden, im Parteitag 2023 für Özel zu stimmen. Die CHP-Parteiführung wies die Vorwürfe zurück. Das Verfahren wurde im Oktober zunächst abgewiesen, aber dann wieder aufgerollt.
Seit mehr als einem Jahr geht die Justiz gegen die CHP vor, Hunderte ihrer Mitglieder und zahlreiche ihrer Bürgermeister wurden festgenommen. Gleichzeitig schwelen parteiinterne Machtkämpfe zwischen dem Lager um Parteichef Özel und dessen Vorgänger Kılıçdaroğlu.
Erdoğan-Rivale in Haft
Kılıçdaroğlu war mehr als zehn Jahre lang Vorsitzender der größten Oppositionspartei und unterlag Präsiden Erdoğan bei den Wahlen 2023 in einer Stichwahl.
Özel hatte den langjährigen Parteichef nach dessen Niederlage an der Spitze der CHP abgelöst und die Partei neu ausgerichtet. Trotz geringer Unterstützung innerhalb der CHP wurden Kılıçdaroğlu weiter Ambitionen in der Partei nachgesagt.
Der prominenteste festgenommene Vertreter der Partei ist der abgesetzte Bürgermeister Ekrem İmamoğlu - ein aussichtsreicher politischer Rivale von Erdoğan. Er sitzt seit März 2025 in Untersuchungshaft und steht wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht.
Seine Festnahme hatte eine enorme Protestwelle in der Türkei ausgelöst.
Erdoğans Chancen auf Wiederwahl steigen
Erdoğans Chancen auf eine Verlängerung seiner mehr als zwei Jahrzehnte dauernden Herrschaft dürften sich infolge des Urteils verbessern. Die CHP liegt in Umfragen in etwa gleichauf mit Erdoğans Regierungspartei und steht im Visier der Strafverfolgungsbehörden.
Die Entscheidung belastete die Finanzmärkte. Der Leitindex der Istanbuler Börse brach um sechs Prozent ein. Dies löste eine automatische Handelsaussetzung aus.
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