Angriffe von Jihadisten in Mali - Hunderte Tote

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von Agenturen

Unruhen in Mali

Bild: APA/APA/AFP/KENZO TRIBOUILLARD


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In der malischen Hauptstadt Bamako ist es nach Angaben des Militärs zu Angriffen "unbekannter bewaffneter Terroristen" auf Kasernen und andere Ziele gekommen. Auch im Landesinneren sei es zu Angriffen gekommen, hieß es in einer kurzen Stellungnahme des Generalstabs. Die Armee teilte am Samstag mit, sie habe die Kontrolle zurückerlangt. Am Abend sprach sie von mehreren Hundert Kämpfern, die getötet worden seien.

Einem UNO-Bericht zufolge handelte es sich um "gleichzeitige, komplexe Angriffe". Diese richteten sich gegen den wichtigsten Militärstützpunkt des Landes in Kati, die Umgebung des Hauptstadtflughafens sowie Städte wie Mopti, Gao und Kidal. "Das sieht nach dem größten koordinierten Angriff seit Jahren aus", sagte Ulf Laessing, Leiter des Sahel-Programms der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung.

Die mit Al-Kaida verbündete Gruppe Jama'at Nusrat al-Islam wal-Muslimin (JNIM) bekannte sich in einer von der SITE Intelligence Group veröffentlichten Mitteilung zu den Überfällen in Kati, auf den Flughafen von Bamako sowie in weiter nördlich gelegenen Orten, darunter Mopti, Sevare und Gao. Zudem erklärte die Gruppe, Kidal sei bei einer mit der Befreiungsfront des Azawad (FLA) - einer von Tuareg dominierten Rebellengruppe - koordinierten Aktion eingenommen worden.

Unruhen in mehreren Städten

Kurz vor 6.00 Uhr früh (Ortszeit) waren in der Nähe von Malis wichtigstem Militärstützpunkt Kati außerhalb der Hauptstadt zwei laute Explosionen und anhaltender Schusswechsel zu hören, berichtete ein Reuters-Zeuge. Zu ähnlichen Unruhen sei es in der zentral gelegenen Stadt Sevare sowie in den Städten Kidal und Gao im Norden Malis gekommen. "Überall ist Schusswechsel zu hören", sagte ein Augenzeuge in Sevare. Auch in der Nähe eines Militärlagers unweit des Flughafens von Bamako, in dem russische Söldnertruppen stationiert sind, seien Schüsse zu hören gewesen, sagte ein Anrainer.

In einer Mitteilung der deutschen Botschaft an die in Mali lebenden Deutschen war von einer unübersichtlichen Lage die Rede. Der Flughafen sei geschlossen, hieß es. Es werde empfohlen, an einem sicheren Ort zu bleiben und den Aufenthalt im Stadtgebiet zu vermeiden. Das österreichische Außenministerium warnt vor Reisen nach Mali.

Häufig jihadistische Angriffe

In Mali herrscht seit Jahren massive Gewalt. Die seit 2020 herrschende Militärjunta sieht sich mit einer Rebellion islamistischer Extremisten konfrontiert, die immer wieder Anschläge und Angriffe auf Regierungstruppen verüben, außerdem sind kriminelle Banden in dem westafrikanischen Land aktiv. Mali kämpft gegen Aufstände der westafrikanischen Ableger von Al-Qaida (JNIM) und dem "Islamischen Staat". Zudem hat das Land mit einer viel längeren Geschichte von Rebellionen unter Führung der Tuareg im Norden zu kämpfen. Die Tuareg-Volksgruppe lebt grenzüberschreitend in mehreren Staaten West- und Nordafrikas.

Mohamed Elmaouloud Ramadane, ein Sprecher der Azawad-Befreiungsfront (FLA), einer von Tuareg dominierten Rebellenallianz, erklärte in den Sozialen Medien, ihre Kräfte hätten die Kontrolle über mehrere Stellungen in Kidal und Gao übernommen. Sicherheitsquellen gaben an, dass JNIM ebenfalls an den Angriffen vom Samstag beteiligt war.

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Junta stützt sich auf russische Söldner

Die Regierung von Junta-Chef Assimi Goïta stützt sich auf russische Söldner, während sie eine Verteidigungszusammenarbeit mit westlichen Ländern abgelehnt hat. In jüngster Zeit strebt sie jedoch engere Beziehungen zu den USA an. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unlängst, dass Mali und die USA kurz vor einem Abkommen stünden, das es Washington ermöglichen würde, wieder Flugzeuge und Drohnen über den Luftraum des westafrikanischen Landes fliegen zu lassen. Damit wollen sie Informationen über jihadistische Gruppen sammeln.

Von 2013 bis 2023 hatte die UNO-Friedenstruppe MINUSMA in Mali den Auftrag, die Zivilbevölkerung zu schützen und das westafrikanische Land zu stabilisieren. Malis Militärregierung hatte jedoch 2023 den Abzug aller rund 12.000 UNO-Friedenssoldaten gefordert. Auch Soldatinnen und Soldaten des Bundesheers waren in Mali im Einsatz gewesen, und zwar im Rahmen einer EU-Trainingsmission.

Experten sprechen von massiver Eskalation

Nach Einschätzung von Jean-Hervé Jezequel, Direktor des Sahel-Projekts der International Crisis Group, stellen die Angriffe vom Samstag eine "massive Eskalation" des Konflikts in Mali dar. "Sie sind ein neuer Schritt in der Strategie bewaffneter Gruppen, die seit Jahren Malis wichtigste städtische Zentren ins Visier nehmen", sagte er.

Seit 2022 hätten sich die Angriffe der JNIM auf städtische Zentren in Burkina Faso, Mali und Niger mehr als verdreifacht. "Während sich die anfängliche Strategie der JNIM vor allem auf die Eroberung ländlicher Gebiete konzentrierte, zielt sie nun auch auf Großstädte ab." Der deutsche Experte Lässing sprach von der größten Attacke von Jihadisten und Tuareg-Rebellen seit 2012. "Es ist wieder eine neue Eskalationsstufe erreicht", sagte er.

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