Barbara Petritsch zur Doyenne des Burgtheaters gekürt

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Petrisch wurde zugleich Ehrenmitglied des Burgtheaters

Bild: APA/APA/GEORG HOCHMUTH/GEORG HOCHMUTH


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Barbara Petritsch ist die neue Doyenne des Wiener Burgtheaters. Im Rahmen eines Festaktes trat die 81-Jährige am Donnerstagnachmittag in Anwesenheit zahlreicher Kolleginnen und Kollegen die Nachfolge der im Vorjahr verstorbenen Elisabeth Orth an und wurde zugleich zum Ehrenmitglied des Hauses ernannt. Die Laudatio hielt mit Nikolaus Bachler jener ehemalige Burgtheaterintendant, unter dem Petritsch 1999 Mitglied des Ensembles wurde.

Der amtierende Burgtheaterdirektor Stefan Bachmann blickte in seiner Begrüßung auf gemeinsame Arbeiten mit Petritsch zurück. "Wir beide sind durch Dick und Dünn gegangen und haben einiges ausgeheckt und auch verbrochen an diesem Haus", so Bachmann augenzwinkernd. Petritsch sei eine "Theaterkünstlerin, die sich leidenschaftlich in Produktionen hineinschmeißt, die den Klassikern authentisches Leben einhaucht und die neue Texte geradezu obsessiv liebt und durch ihre Sprachkunst Geburtshilfe leistet", so Bachmann.

Schwab: "Bleibendes Zeichen der Zugehörigkeit"

Ensemblemitglied Martin Schwab, der kürzlich mit dem Lebenswerk-Nestroy ausgezeichnet wurde, würdigte seine Kollegin in einer launigen Rede und gab der frisch gebackenen Doyenne mit auf den Weg: Der Titel der Doyenne sei ein "bleibendes Zeichen der Zugehörigkeit. Es ist dir verboten, diesen Titel außerhalb des Theaters zu tragen, wenn dein Tun mit der Würde dieser besonderen Auszeichnung nicht vereinbar ist. Dies sei dir ins Stammbuch geschrieben."

Bachler verglich in seiner Laudatio die Landschaft rund um Petritschs Heimatort Admont mit dem Charakter der Schauspielerin: "Ein wildreißender Fluss zerteilt dort hoch aufragende Kalksteinwände; zu deren Füßen liegt eine Landschaft, die sich nie zähmen ließ. Dort ist dieses Naturschutzgebiet Barbara Petritsch zuhause." Petritschs Rollen glichen einem Pfad durch die Theaterliteratur. "Sie tut das mit einem tiefen Blick hinter die Dinge, ihre Gesten erwachsen ihrem Herzen", so Bachler, der Petritschs "Veranlagung zur großen Tragödin" würdigte.

Theresia Niedermüller, Leiterin der Sektion Kunst und Kultur im Kulturministerium, würdigte schließlich bei der Verleihung der Urkunde Petritschs "Erfahrung, Haltung und Bühnenintelligenz". Die frisch gebackene Doyenne, die mit minutenlangen Standing Ovations von Kolleginnen und Kollegen wie Doyen Michael Heltau, Mavie Hörbiger, Nils Strunk, Bibiana Beglau oder Maria Happel gewürdigt wurde, verlas in ihrer Dankesrede einen sorgenvollen Brief ihres Vaters zu Beginn ihrer Schauspielausbildung. Dieser schrieb: "Ich halte nichts von deinen Schauspielplänen. (...) Es ist immer gefährlich, nach den Sternen zu greifen. (...) In der darstellenden Kunst gilt nur die Spitze und die Chance, da hinzukommen, ist 1:100. Du wirst immer unglücklich sein." Spätestens am heutigen Tag bewies die Tochter dem Vater das Gegenteil.

Petritsch wirkte in rund 60 Produktionen mit

Der Titel der Doyenne würdigt die langjährige künstlerische Leistung, Erfahrung und Bedeutung für das Burgtheater. Es kann nur eine Schauspielerin, die hervorragende künstlerische Leistungen als Ensemblemitglied erbracht hat, mindestens zehn Jahre am Haus tätig ist und das 50. Lebensjahr vollendet hat, den Ehrentitel tragen. Die Nominierung erfolgt durch die künstlerische Direktion des Burgtheaters in Abstimmung mit der Bundestheater-Holding, dem künstlerischen Beirat und der Ensemblevertretung. Vom Kulturministerium wird der Schritt beurkundet.

Petritsch absolvierte ihre Schauspielausbildung an der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Graz. Die am 24. Februar 1945 geborene Steirerin war daraufhin an etlichen verschiedenen Theatern zu sehen - darunter den Münchner Kammerspielen, dem Schauspielhaus Bochum und dem Schillertheater Berlin. Kurz vor der Jahrtausendwende dockte sie beim Burgtheater an, wo sie seither in rund 60 Produktionen mitwirkte. Aktuell steht sie in "Wir sind noch einmal davongekommen" von Thornton Wilder, "Der Tartuffe" und "Der eingebildete Kranke" von Molière und "Peer Gynt" von Henrik Ibsen auf der Bühne.

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