Bregenzer Festspiele rechnen mit Ende der Subventionskürzung
Veröffentlicht:
von AgenturenMichael Diem hofft auf ein Ende der Subventionskürzungen
Bild: APA/APA/TOBIAS STEINMAURER/TOBIAS STEINMAURER
Die Subventionskürzung hat die Rücklagen der Bregenzer Festspiele trotz des bevorstehenden "La traviata"-Ausverkaufs empfindlich schrumpfen lassen, dazu kommt eine Kostenkrise. Die Kapitaldecke dünne aus, eine "Entwicklung, die nicht lange zu stemmen ist", so der kaufmännische Direktor Michael Diem im Gespräch mit der APA. Es sei "essenziell", dass man ab 2027 zumindest wieder Förderungen auf dem vorhergehenden Niveau erhalte. Ob es nach 2028 Schauspiel geben wird, ist offen.
Während für alle anderen Produktionen des Festivals noch Tickets verfügbar sind, wird nach Ostern - und damit so früh wie nie - das Spiel auf dem See "La traviata" ausverkauft sein. Das macht den kaufmännischen Direktor zwar glücklich, Sorgen hat er dennoch: "Wir haben keine Absatzkrise, aber wir befinden uns in einer Kostenkrise, und die ist schwierig zu bewältigen." Binnen zehn Jahren seien allein durch Valorisierungen die Personalkosten um 36 Prozent gestiegen. Aufgrund der weiter wachsenden Unsicherheiten und der langen Vorbereitungszeit ist daher Planungssicherheit bei den Subventionen sein großer Appell an die Politik. Für die Förderungen von Bund, Land und Stadt im Schlüssel 40/35/25 sei man bisher von einer Zusage für drei Jahre ausgegangen, "aber da wurden wir vergangenes Jahr eines Besseren belehrt".
Begrenzung der Kürzung auf zwei Jahre "essenziell"
Die Fördergeber hatten im Frühjahr 2025 für 2025 und 2026 ihre bisher bei 7 Mio. Euro gelegenen Beiträge um 30 Prozent bzw. 2,1 Mio. Euro jährlich gekürzt. Zuvor waren die Subventionen seit 2016 nicht erhöht worden, über den zusätzlichen Kaufkraftverlust fehlten daher inzwischen in Summe jährlich 4,6 Mio. Euro im Budget, ein Minus von 66 Prozent. "Die Subventionskürzung hat uns am Spielbein erwischt und geschwächt. Gibt es keine Rückkehr zumindest auf das Förderniveau von 2016, gerät auch unser kaufmännisches Standbein ins Wanken", betonte Diem, der das Festival seit 2008 finanziell verantwortet. Dass die Kürzung der Mittel auf die beiden Jahre begrenzt bleibe, sei daher "essenziell für uns". Man gehe nach dem Beitrag zur Haushaltskonsolidierung davon aus, dass ab 2027 wieder 7 Mio. Euro zur Verfügung stünden.
"Wir werden wie schon 2024 auch 2025 einen Verlust schreiben", so Diem zur Finanzlage. Die genaue Höhe stehe noch nicht fest. Die Rücklagen der Festspiele, die man aus budgetären Gründen und wegen des langen Planungshorizonts benötige, bestünden aus liquiden Mitteln, denn man verfüge nicht über Immobilien. Die Rücklagen müssten in Höhe eines Jahresbudgets, also 2025 bei rund 31 Mio. Euro, liegen, um Ertragsausfälle kompensieren zu können. Das habe man vor der Kürzung nicht ganz erreicht, nun lägen die Rücklagen aber etwa ein Drittel darunter. Der Eigendeckungsgrad betrug 2025 82 Prozent, weil man Rücklagen einsetzen habe müssen. "Diese Entwicklung geht in eine Größenordnung, die nicht lange zu stemmen ist", betonte Diem. Dazu kämen nach dem Ausbau des Festspielhauses um 30 Prozent gestiegene Betriebskosten für das nun größere Haus und Mehrkosten beim Bühnenbildbau. Das kostet üblicherweise 7 bis 8 Mio. Euro, "heuer mehr".
2027 kein Schauspiel, nach 2028 fraglich
Auswirkungen gibt es wie bereits angekündigt im Programm des Musiktheaterfestivals: "Wir werden das Schauspiel überdenken", so Diem. Für heuer gebe es noch eine Sonderfinanzierung von 200.000 Euro für das Gastspiel des Burgtheaters, die für 2027 vertraglich vereinbarte Zusammenarbeit werde auf 2028 verschoben. Damit werde es 2027 kein Schauspiel bei den Bregenzer Festspielen geben, denn auch die Kooperation mit der Theaterallianz bzw. dem Bregenzer Theater Kosmos ende mit 2026. "Danach schauen wir", ließ Diem die Zukunft der Schauspielschiene offen.
Intern reagiert das Festival mit Reorganisation, so würden Personalabgänge bei den 90 ganzjährig beschäftigten Mitarbeitenden nicht nachbesetzt, und man spare beim Zusatzpersonal im Sommer. Ziel sei es, die Kosten um zehn Prozent zu senken. Die Mitarbeitenden trügen die Maßnahmen pragmatisch mit. Man produziere weniger oder effizienter, dabei wolle man sich in der Qualität nicht verschlechtern: "Lieber weniger, das dafür exzellent." Das Publikum soll möglichst wenig vom Spardruck mitbekommen. Weil technische Innovation in der Outdoorakustik zum Markenkern gehöre, hat man die verschobene Überkopfbeschallung auf der Seebühne noch nicht aufgegeben: "Wir wollen spektakulär bleiben", so Diem, allerdings muss diese Investition weiter verschoben werden.
Ausweitung des Spiels auf dem See wird geprüft
Einnahmenseitig sah der kaufmännische Leiter nur geringe Möglichkeiten. Die Ticketpreise würden ab 2027 moderat zwischen drei und fünf Prozent erhöht. Das reiche nicht für eine Abdeckung der gestiegenen Kosten, aber man wolle "ein Festival für alle bleiben". Mehr als 28 "La traviata"-Aufführungen in der Saison anzubieten, sei aufgrund der knappen Zeitbudgets der Mitwirkenden schwierig, "wir prüfen das aber". Bei der Auslastung sei man seit zehn Jahren stets am Plafond, hier gebe es also kaum Spielraum. Oster- oder Pfingstfestspiele sind laut Diem kein Thema, "auch wenn es schön wäre": Nur das Spiel auf dem See liefere einen Deckungsbeitrag. "Am See sind wir praktisch dazu verdammt, gut zu sein", sagte der Direktor.
Naturgemäß "begeistert" zeigte sich Diem daher vom Potenzial von "La traviata". Schließlich sei immer die Frage, wie viel Kaufkraft man einer Seebühnenproduktion zumute, und es sei fantastisch, welche Strahlkraft das Stück in Kombination mit der Marke Bregenzer Festspiele beim Publikum entwickle. Dass man 28 Vorstellungen bzw. 188.000 Karten bis Ostern verkaufen könne, sei nicht selbstverständlich. "Das ist ein Glück! Ob das nächstes Jahr auch so ist, weiß niemand, auch wenn ich es so einschätzen würde", so Diem. Der Vorverkauf für nächste Saison, in den vergangenen Jahren ab Anfang Oktober, werde heuer bereits am Tag nach der "La traviata"-Derniere beginnen. "Wir müssen dran bleiben und weiterhin erfolgreich sein", so Diems Stoßrichtung.
(Das Gespräch führte Angelika Grabher-Hollenstein/APA)
ZUR PERSON: Michael Diem, 1970 in Dornbirn geboren, arbeitet nach dem Studium der Betriebswirtschaft seit 1997 für die Bregenzer Festspiele, seit 2008 leitet er die Bregenzer Festspiele kaufmännisch, zudem ist er kaufmännischer Geschäftsführer der Festspiel- und Kongresshaus GmbH.)
(S E R V I C E - 80. Bregenzer Festspiele 2026, 22. Juli bis 23. August. www.bregenzerfestspiele.com )
Mehr entdecken

Blau-Weiß kämpft beim GAK um Ligaverbleib, WSG empfängt WAC

Remis im Zweitliga-Topspiel zwischen Lustenau und Admira

Kreuzweg am Kolosseum - Papst trug Kreuz selbst

Autounfall in Portugal: Vierköpfige deutsche Familie starb

Kuba begann mit Freilassung von mehr als 2000 Gefangenen

Ried stürzt Altach mit 3:2-Comebacksieg von der Spitze
