Diakonie fordert nationale Autismus-Strategie
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von AgenturenDiakonie-Direktorin Moser kritisiert Benachteiligung von Autisten
Bild: APA/APA/HANS PUNZ/HANS PUNZ
Anlässlich des Welt-Autismus-Tages am heutigen Donnerstag hat die Diakonie Österreich eine nationale Autismus-Strategie gefordert. "Vorurteile gegenüber Menschen im Autismus-Spektrum halten sich hartnäckig. Sie führen zu groben Mängeln bei der Diagnostik und schränken Chancen und Lebensqualität von Autistinnen und Autisten massiv ein", konstatierte Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser bei einer Pressekonferenz in Wien.
"Diagnosestellen sind überlaufen, man wartet monatelang auf einen Termin. Auf einen Therapieplatz müssen Kinder bis zu zwei Jahre warten. Die Engpässe setzen sich in der Schule und am Arbeitsmarkt fort. Das muss ein Weckruf sein", betonte Moser. Felix Zych vom Verein "im spektrum - Verein zur Sensibilisierung für das Autismus-Spektrum" berichtete von seinen Erfahrungen mit Behörden und Diagnosen: "Mir wurde die erhöhte Familienbeihilfe immer genehmigt bis vor ein bis zwei Jahren. Dann hieß es plötzlich, ich bräuchte Nachweise, dass ich aktuell in Therapie bin, oder einen aktuellen fachärztlichen Befund, dass ich noch immer autistisch sei. Das ist schon sehr befremdlich, wo doch jeder weiß, dass Autismus nicht weggeht.
Unabhängige Begutachtungsstelle
Die Diakonie setzt sich für eine unabhängige Begutachtungsstelle ein. Gutachterinnen und Gutachter müssten zudem umgehend geschult werden, so die Diakonie-Direktorin, "sowohl zu aktuellem Fachwissen insbesondere zu Autismus, als auch zu einer respektvollen, zugewandten Kommunikation".
Darüber hinaus wurde darauf aufmerksam gemacht, dass Autismus sehr unterschiedliche Ausprägungen habe. Man spreche vom Autismus-Spektrum. Rund ein Prozent der Menschen sind demnach im Autismus-Spektrum, in Österreich rund 87.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Moser: strukturelle Ausgrenzung im Bildungsbereich und am Arbeitsmarkt
Moser kritisierte auch das mangelnde Verständnis, das "zu mangelnder Unterstützung - Stichwort Therapielücken - und struktureller Ausgrenzung im Bildungsbereich und am Arbeitsmarkt" führe. "Autistische Kinder bekommen oft erst im letzten verpflichtenden Kindergartenjahr einen Kindergartenplatz oder werden sogar von dieser Pflicht 'befreit' und kommen erstmals in der Volksschule mit einer Bildungseinrichtung in Berührung. Dort gibt es dann zu wenig Schulassistenz, die Vergabepraxis von Fördermitteln ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Und immer noch endet das Recht auf Bildung mit der Schulpflicht, der Rechtsanspruch auf ein 11. und 12. Schuljahr für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf muss endlich kommen."
Es brauche eine "nationale Strategie für ein autismus-gerechtes Zusammenleben", sagte Moser. Ziel müsse sein, "dass autistische Menschen in allen Lebensbereichen gleichberechtigt teilhaben können - sozial, wirtschaftlich, gesundheitlich". Die nationale Strategie müsse "sicherstellen, dass Wissen über Autismus und eine respektvolle Haltung in Bevölkerung, Institutionen und sozialstaatlichen Systemen ankommt, und einen Aktionsplan mit konkreten Maßnahmen, die mit einem Zeitrahmen und Zuständigkeiten hinterlegt sind, beinhalten", so die Diakonie-Direktorin. Vorbilder gebe es genug. In vielen Ländern gibt es der Diakonie zufolge eine Autismus-Strategie: England, Irland, Frankreich, Spanien, Malta, Polen, Kanada, USA, Australien.
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