Eine Bühne für die Anschlagsopfer in Magdeburg

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von Agenturen

Schauspielhaus Magdeburg zeigt "Wunde Stadt"

Bild: APA/APA/dpa/Peter Gercke


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Der Anblick einer Toten, die Panik vor dem Verkehr, die Anträge bei Ämtern und Versicherungen, das Unverständnis von Behörden und Familie: Mit "Wunde Stadt" hat das Theater Magdeburg am Samstag eine nicht unumstrittene Inszenierung uraufgeführt, die eineinhalb Jahre nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt - ein 50 Jahre alter Mann aus Saudi-Arabien raste mit einem Auto in die Menschenmenge - Opfern und Hinterbliebenen eine Bühne gibt.

Donnernd schleifen die Sesselbeine über die Theaterbühne. Immer im Kreis, immer im Kreis. Zehn Schauspieler, zehn Sessel, 40 Sesselbeine. Immer im Kreis. So wie die Gedanken der Menschen, die mit den Folgen des Anschlags zu kämpfen haben: Opfer, Ersthelfer, Seelsorger. Autor Kevin Rittberger, der vom Theater mit dem Schreiben eines Textes beauftragt wurde, hat im Jahr nach dem Anschlag viele Menschen getroffen und zugehört. Er war in Gesprächskreisen von Betroffenen und lässt sie zu Wort kommen. Die Bühne als großer Sesselkreis.

Proteste und Kritik vor Uraufführung

Vorher hatte es Proteste und Kritik gegeben - nicht nur von Betroffenen. Es ging um die Sorge vor einem voyeuristischen Blick auf das Leid der Menschen und darum, dem Täter keine Bühne zu geben. Im November gab es eine Demonstration vor dem Magdeburger Theater, das kurz zuvor in einer Umfrage des Fachmagazins "Theater heute" zur besten Bühne des Jahres gewählt worden war. Vor allem Personen aus dem rechten Milieu hätten die Mahnwache abgehalten, teilte das Theater damals mit. Es sei ein Versuch gewesen, Kunst zu verhindern. "Das ist ein Angriff auf einen Grundpfeiler unserer Demokratie", hieß es damals in einer Mitteilung.

Zur Premiere und einer der letzten Proben waren auch mehr als 30 Betroffene eingeladen. Ärztliches Personal stand vor dem Zuschauerraum bereit - für den Fall, dass jemand das Stück nicht mehr aushielt.

Fragen über Fragen

Der Anschlag vom 20. Dezember 2024 mit sechs Toten und mehr als 300 zum Teil schwerst verletzten Menschen prägt die Stadt bis heute. Er wirft Fragen auf, die am Premierenabend von der Bühne gerufen werden. "Wie viel Raum geben wir der Wut?" "Warum kann niemand die Verantwortung übernehmen?"

Die kulturelle Aufarbeitung dreht sich um die Folgen und menschlichen Schicksale. Das Auf und Ab in einer Therapiegruppe. Von der ersten Sitzung nach dem Anschlag über Wut und Todeswünsche gegen den Todesfahrer bis zur Zeit, als immer mehr Betroffene die Gruppe verlassen. Da sind auch die Diskussionen unter den Seelsorgern selbst: Lässt man es zu, dass gegen migrantische Gruppen gehetzt wird, wenn in der Stadt Migranten angegriffen werden? Die Inszenierung ist auch eine andere Form der politischen Aufarbeitung.

Autor Kevin Rittberger hörte Betroffenen und auch Seelsorgern für sein Stück lange zu. "Ich habe versucht zu verstehen, was Menschen durchmachen, was Menschen brauchen, was ihnen hilft, was ihnen nicht hilft, was zu Rückfällen führt", sagte Rittberger.

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