ESC-Favoriten-Duo: "Ich bin sehr, sehr finnisch!"

Veröffentlicht:

von Agenturen

Das mögliche Gewinnerduo des Wiener ESC 2026

Bild: APA/APA/MAX SLOVENCIK/MAX SLOVENCIK


- Anzeige -
- Anzeige -

Das finnische Duo aus Pete Parkkonen und Linda Lampenius geht am Samstag als Favorit in das Finale des 70. Eurovision Song Contest. Das ungleiche Duo aus der 56-jährigen Violinistin, die bereits auf dem "Playboy"-Cover und in einer "Baywatch"-Folge zu sehen war, und dem 36-jährigen Popsänger will mit seiner Popera-Hymne "Liekinheitin" die Trophäe in den Norden holen. Mit der APA sprachen die beiden kurz vor ihrem Finale.

Es geht um die Frage, warum Lampenius sich lieber ein Bein als ihre Violine brechen würde, was die Vorteile des Alters sind, weshalb die Schweden sich in ihr täuschen und die Frage, warum Englisch zu weich ist.

"Ich habe Lordi nicht sehen können"

APA: Wie war Ihr Verhältnis zum Song Contest vor Ihrer Nominierung? Haben Sie jedes Jahr mitgefiebert daheim?

Linda Lampenius: Seit ich so klein mit Hut war. Ich habe das immer traditionell mit meiner Familie gesehen.

Pete Parkkonen: Wenn ich an dem Tag kein Konzert oder einen Gig hatte, habe ich den ESC jedes Jahr gesehen!

Lampenius: Stimmt, ich habe den Sieg von Lordi 2006 (der erste finnische ESC-Triumph, Anm.) nicht sehen können, weil ich arbeiten musste...

"Bin sehr, sehr finnisch!"

APA: Sie sind ja auch schwedische Staatsbürgerin und können das Ganze wohl am besten beurteilen: Ist Schweden als ESC-Fanatikerland angefressen, dass Sie mit Finnland nun auf Platz 1 der Wettquoten liegen und auch Dänemark in der Gunst vorne zu liegen scheint?

Lampenius: Na ja, ich war nun schon drei Wochen nicht mehr dort angesichts all der Hektik - aber ich glaube, es ist schon ganz gut, dass ich nun schon seit 2002 in Schweden wohne. Ich bin mit einem Schweden verheiratet und habe zwei Töchter, die schwedisches Schwedisch sprechen und nicht das Schwedisch, das ich in Finnland spreche. (lacht) Und deshalb haben die Schweden ein bisschen das Gefühl, dass wir auch für sie performen, wenn wir auf der Bühne stehen. In ihren Augen bin ich ein bisschen schwedisch - auch wenn das überhaupt nicht der Fall ist. Ich bin sehr, sehr finnisch!

- Anzeige -
- Anzeige -

"Wäre nie Deko!"

APA: Während Frauen mit einer Violine beim ESC ansonsten pure Dekoration sind, spielen Sie beide gleichsam ein Duett auf der Bühne...

Lampenius: Ich wäre nie reine Deko!

APA: Haben Sie damit die EBU überzeugt, dass Sie die Geige auf der Bühne wirklich live spielen dürfen, was ja eigentlich den Regeln des Bewerbs zuwiderläuft?

Parkkonen: Das war vor allem unsere Delegation. Noch bevor wir überhaupt den finnischen Vorentscheid gewonnen hatten, haben die schon begonnen, Kontakt mit der Rundfunkunion aufzunehmen.

Lampenius: Das war wichtig, dass sie über die vergangenen Monate Druck gemacht haben, denn unser Lied ist ein Duett für männliche und weibliche Stimme. Denn ich singe mit meiner Violine. Und nun können wir auf der Bühne wirklich in einen Dialog treten, bei dem Pete beginnt und ich antworte.

APA: Und das machen Sie mit Ihrer Konzertvioline, die 250 Jahre alt ist. Und mit der rennen Sie über die Bühne zwischen Feuerstellen hin und her. Was sagt da Ihre Versicherung dazu?

Lampenius: Ich habe sie nicht gefragt ... Meine Galliano aus 1781 ist in England versichert. Ich spreche danach mit ihnen. (lacht) Aber ich habe tatsächlich mehr Angst um die Geige als mich selbst. Wenn ich mir ein Bein breche, ist das wurscht. Außer die Hände - das wäre schlimm.

"Englisch zu lahm und weich"

APA: Apropos sprechen: Sie singen "Liekinheitin" komplett in Finnisch. Stand jemals Englisch zur Diskussion?

Parkkonen: Vielleicht für einen kurzen Moment, aber das haben wir gleich wieder verworfen.

Lampenius: Das würde gar nicht gehen! Finnisch ist unsere Muttersprache, und in vielerlei Hinsicht ist es einfacher, darin über deine Gefühle zu singen. Außerdem ist Finnisch eine harte Sprache mit vielen Konsonanten. Wie klingt "You are a flamethrower"? Das ist mehr als lahm und viel zu weich. "Sä oot, sä oot liekinheitin" (röhrt ins Mikrofon, Anm.) - das ist viel stärker.

APA: Sie liegen nun schon seit Monaten auf Platz 1 der Wettquoten. Ist es da bisweilen hart, die Anspannung auf der Bühne zu halten?

Parkkonen: Darüber denken wir nicht nach. Wir genießen einfach, was wir da tun. Aber klarerweise sind wir superglücklich, dass die Menschen uns unterstützen und wir unsere Botschaft vermitteln können.

Lampenius: Außerdem weißt du nie, wie schnell sich alles ändert. Da ist es nicht nur von Nachteil, älter zu werden. Im Bewerb sind so viele junge Künstlerinnen und Künstler. Wenn die gewinnen, ändert sich ihr Leben komplett und man wird über Nacht berühmt, was nicht jeder verträgt. Ich bin mit den ganzen Sachen schon in den 90ern durch gewesen. Insofern bin ich hier und denke mir: Okay, es kommt, wie es kommt.

"Bin wie das Duracell-Häschen"

APA: So tiefenentspannt sind Sie?

Lampenius: Ein Sieg wäre jedenfalls kein Schock für mich. Ich weiß, wie wichtig es ist, dass man sich selbst schützt und nicht alles mitmacht. Ich habe damals einfach zu viel angenommen, dabei ist wichtig, dass man sich selbst treu und ruhig bleibt. Aber da sind Pete und ich ein gutes Team. Ich bin wie das Duracell-Häschen, und er denkt erst einmal nach.

(Das Gespräch führte Martin Fichter-Wöß/APA)

(S E R V I C E - www.eurovision.com )

- Anzeige -
- Anzeige -

Mehr entdecken