"Fest des Miteinanders": 46. Jazzfestival Saalfelden
Veröffentlicht:
von AgenturenDaniela Neumayer (Produktionsleiterin), Mario Steidl (Künstlerischer Leiter) und Marco Pointner (Veranstalter)
Bild: APA/APA/jazzsaalfelden.com
"Wieder sehr viel Neues" verspricht Intendant Mario Steidl für das 46. Jazzfestival Saalfelden, das heuer von 20. bis 23. August über die Bühnen gehen wird. 177 Künstlerinnen und Künstler aus 26 Nationen und vier Kontinenten werden die rund 60 Konzerte an mittlerweile 13 verschiedenen Örtlichkeiten gestalten. Aus der einst statischen Veranstaltung sei ein "Festival des Kollektivismus und Miteinanders" geworden, sagte Steidl am Mittwoch bei der Programmvorstellung.
Konkret meint er damit, dass die Programmierung keine Einbahnstraße mehr ist, sondern auch viele Musikerinnen und Musiker mit Vorschlägen auf das Festival zugehen, hier neue Projekte oder Alben präsentieren wollen. Außerdem sei es gelungen, dass das Festival in der Bevölkerung nicht mehr als Fremdkörper empfunden werde und zu einer "gelebten und geliebten Tradition" gewachsen sei, zu der die Menschen auch ihre Räume öffnen würden, etwa ihre Almen, Wälder, Museen oder auch die Einsiedelei am Palfen. Gerade die Outdoor-Konzerte würden sich zunehmender Beliebtheit erfreuen."Das ist keine touristische Effekthascherei, sondern eine künstlerische Raumsuche", sagte Steidl.
Blasmusikparade durch die Stadt
Das Auftaktkonzert auf der Mainstage ist traditionell ein Auftragswerk, das für heuer an die Saxofonistin Yvonne Moriel vergeben wurde. Für ihr Projekt "Strange Motion" hat sie eine neue Band zusammengestellt. Vor zehn Jahren bestritt dort Lukas Kranzlbinder mit Shake Stew den Auftakt, "danach sind sie international durch die Decke gegangen", so Steidl. Mit "The Big Shake - A Saalfelden Homecoming" kommt die Formation heuer ganz speziell zurück: Die Bürgermusik Saalfelden und die Eisenbahner Stadtkapelle verbinden ihre Klangwelten mit der Musik von Shake Stew und ziehen als rund 70-köpfige musikalische Parade durch die Stadt. Die Brücke in eine ganz andere Richtung, nämlich zur Neuen Musik, schlagen heuer zum einen die Formation Stefanovich/Dell/Lillinger/Westergaard und zum anderen Christoph Cech mit dem oenm, dem Österreichischen Ensemble für Neue Musik.
Mit "WAS___" präsentieren MMM (Maja Osojnik, Mathia*s Lenz und Matija Schellander) in der Kunsthalle Saalfelden den Auftakt einer auf zehn Jahre angelegten Raum- und Klangreise. Ausgangspunkt ist eine 66 Meter lange grafische Partitur, die sich weniger als abgeschlossenes Werk denn als offenes, sich ständig veränderndes System versteht. Drucktechniken, Tonbänder, Lautsprecher und performative Eingriffe verbinden sich zu einer Versuchsanordnung zwischen Installation, Konzert und akustischer Spurensicherung. Gemeinsam mit der Schlagwerkerin Špela Mastnak entsteht daraus eine fragile Klangwelt, in der Berührung, Materialität und Mikrogeräusche ins Zentrum rücken. Das Publikum wird dabei Teil eines Prozesses, der mit jeder Aufführung weiterwächst.
5,3 Millionen Euro Wertschöpfung
Das Budget des Festivals beträgt heuer 870.000 Euro, sagte Veranstalter Marco Pointner. Rund 200.000 Euro werden mit dem Ticketverkauf erwirtschaftet, der Rest wird über Sponsoren und Förderer aufgebracht. "Das Land Salzburg hat zum Glück die Förderung nicht gekürzt", so Pointner, vom Bund stehe die Zusage noch aus, aber man hoffe ebenfalls auf den gleichen Betrag wie im Vorjahr. Die Wertschöpfung des Festivals betrage für ganz Österreich 5,3 Mio. Euro, 4,2 Mio. Euro davon für das Bundesland Salzburg. "Wir schaffen somit 75 Vollzeitarbeitsplätze, das sollte ein Argument sein für die Fördergeber." Außerdem würden 2 Mio. Euro über Steuern und Sozialversicherungsabgaben wieder zurückfließen.
Das Ziel, das Publikum zu verjüngen, ist laut Produktionsleiterin Daniela Neumayer inzwischen gelungen. Und auch der Anteil der heimischen Bevölkerung konnte gehoben werden. Insgesamt besuchten im Vorjahr rund 17.000 Menschen das Festival, bei den Konzerten wurden in Summe rund 30.000 Besucher gezählt. Der größte Teil kommt aus Österreich und Deutschland, der Rest verteile sich auf andere Länder und hänge oft auch von der Herkunft der Künstler ab. Diese werden den Veranstaltern zufolge nach dem heimischen Fair-Pay-Prinzip bezahlt.
(S E R V I C E - www.jazzsaalfelden.com )
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