Französischer Blauhelmsoldat im Südlibanon getötet
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von AgenturenFür Macron ist die Hisbollah "für diesen Angriff verantwortlich"
Bild: APA/APA/AFP/LUDOVIC MARIN
Paris hat die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz für den Tod eines französischen Blauhelmsoldaten im Süden des Libanon verantwortlich gemacht. Es deute alles darauf hin, dass die Hisbollah "für diesen Angriff verantwortlich ist", postete Präsident Emmanuel Macron auf X. Die libanesische Regierung verurteilte den Angriff und kündigte an, "die Angreifer zur Verantwortung zu ziehen". Die Hisbollah wies jegliche Verantwortung von sich und kritisierte die Waffenruhe mit Israel.
Der Blauhelmsoldat der UNO-Mission UNIFIL war einen Tag nach Inkrafttreten der Waffenruhe zwischen dem Libanon und Israel bei einem Angriff im Süden des Libanon getötet worden. Drei weitere französische Blauhelmsoldaten wurden nach Angaben des französischen Außenministeriums bei dem Angriff verletzt, zwei von ihnen schwer. UNIFIL ist seit Jahrzehnten zwischen Israel und dem Süden des Libanon im Einsatz. An der Mission sind auch rund 180 österreichische Soldaten beteiligt.
Die französische Verteidigungsministerin Catherine Vautrin sprach auf X von einem "Hinterhalt". Ihr zufolge wurde der Franzose "durch einen direkten Schuss aus einer Handfeuerwaffe" getötet. Er war demnach im Einsatz, um einen Weg zu einem UNO-Posten freizumachen, "der seit mehreren Tagen durch die Kämpfe in der Region isoliert war". Der Hinterhalt sei "von einer bewaffneten Gruppe aus nächster Nähe" erfolgt, erklärte Vautrin weiter.
Macron forderte die libanesischen Behörden auf, "die Täter unverzüglich festzunehmen und gemeinsam mit der UNIFIL ihre Verantwortung wahrzunehmen". Die Behörden müssten zudem "alles tun, um die Sicherheit der UNIFIL-Soldaten zu gewährleisten", hieß es in einer Erklärung des Elysée-Palasts. Die Blauhelme dürften "unter keinen Umständen zur Zielscheibe werden".
Aoun verurteilt Attacke
Libanons Präsident Joseph Aoun verurteilte den Angriff ebenfalls und sicherte eine Verfolgung der Verantwortlichen zu. Regierungschef Nawaf Salam verurteilte den "Angriff auf Mitglieder des französischen UNIFIL-Bataillons auf das Schärfste". Er habe eine sofortige Untersuchung angeordnet, "um die Umstände dieser Attacke aufzuklären und die Angreifer zur Verantwortung zu ziehen". Der libanesischen Armee zufolge kam es bei dem Vorfall zu einem "Schusswechsel mit Kämpfern".
UNO-Generalsekretär António Guterres verurteilte den Angriff in einer Erklärung auf das Schärfste. Die UNIFIL sprach von einem "vorsätzlichen" Angriff. Die UNO-Mission erklärte, der Beschuss sei ersten Erkenntnissen zufolge "von nicht staatlichen Akteuren" ausgegangen. Dabei handle es sich "mutmaßlich" um Hisbollah-Kämpfer. Die Regierung müsse die Täter "zur Rechenschaft ziehen".
In der Nacht zu Freitag war eine zehntägige Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon in Kraft getreten. Libanons Präsident Aoun sagte am Freitag in einer Rede, direkte Verhandlungen mit Israel seien "kein Zeichen der Schwäche". Der Libanon sei nicht mehr "das Faustpfand im Spiel" oder "der Schauplatz der Kriege" anderer Akteure.
Vielmehr habe die libanesische Regierung die Entscheidungsgewalt im Land zum ersten Mal in fast einem halben Jahrhundert wieder an sich gezogen, sagte Aoun mit Blick auf die einflussreiche Hisbollah-Miliz. Diese hatte nach Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar Raketenangriffe auf Israel gestartet - und den Libanon damit in den Krieg der USA und Israels gegen den Iran hineingezogen.
Hisbollah weist Verantwortung von sich
Die Hisbollah wies in einer Erklärung jegliche "Verbindung zu dem Angriff" gegen die UNIFIL zurück und warnte vor voreiligen Schlüssen vor Abschluss der Untersuchungen. Sie kritisierte zudem die mit Israel vereinbarte Waffenruhe und die geplanten direkten Gespräche. Hisbollah-Chef Naim Qassem lehnte die Waffenruhe am Samstag in einer Erklärung als einseitig und als "Beleidigung unseres Landes" ab. Außerdem betonte er die Einsatzbereitschaft der Terrormiliz. Die US-Regierung habe den Text "diktiert" und spreche im Namen der libanesischen Regierung. Der Libanon dürfe auch nicht gedemütigt werden, "indem man direkt mit dem israelischen Feind verhandelt und auf seine Diktate hört".
Libanons Präsident Aoun und Regierungschef Salam bereiteten unterdessen am Samstag Verhandlungen mit Israel vor. Sie hätten über die "laufenden Bemühungen zur Festigung" der Waffenruhe und "die Verhandlungsbereitschaft des Libanon" gegenüber Israel gesprochen, erklärte der Präsidentenpalast.
US-Präsident Donald Trump hatte die Waffenruhe am Donnerstag verkündet. Er erwarte, dass Aoun und Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu sich "in den nächsten vier oder fünf Tagen" im Weißen Haus treffen würden.
Israels Armee teilte unterdessen mit, sie habe im Süden des Libanon eine sogenannte Gelbe Linie eingerichtet, hinter die sich die israelischen Streitkräfte zurückgezogen hätten. "Terroristen", die gegen die Waffenruhe-Vereinbarungen verstoßen und sich von Norden aus der Gelben Linie auf bedrohliche Weise genähert hätten, seien angegriffen worden. Die israelische Luftwaffe habe etwa eine "Terrorzelle eliminiert", die in der Nähe israelischer Soldaten operiert habe.
Die Armee wies darauf hin, dass Israel gemäß dem Abkommen weiterhin berechtigt sei, gegen die Hisbollah vorzugehen, um "geplante, unmittelbar bevorstehende oder bereits laufende Angriffe" zu verhindern. Am Freitag war demnach ein israelischer Soldat im Südlibanon getötet worden.
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