Goldene Palme für "Fjord" von Regisseur Cristian Mungiu
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von AgenturenRegisseur Cristian Mungiu mit seiner Goldenen Palme
Bild: APA/APA/AFP/SAMEER AL-DOUMY
Die Goldene Palme der Filmfestspiele Cannes geht heuer an den rumänischen Regisseur Cristian Mungiu für seinen Film "Fjord". Das gab die Jury am Samstagabend bekannt. Der Film setzte sich gegen 21 andere Wettbewerbsfilme durch. Für Mungiu ist es bereits die zweite Goldene Palme. 2007 hatte sein Film "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" die Auszeichnung erhalten. Keine Ehrungen gab es indes für den österreichischen Wettbewerbsbeitrag "Gentle Monster" von Marie Kreutzer.
Mungiu gelang mit "Fjord" ein moralisch vielschichtiges Drama über Familie, Erziehung und kulturelle Konflikte. Sebastian Stan und Renate Reinsve spielen ein streng religiöses rumänisch-norwegisches Ehepaar, das mit seinen fünf Kindern in ein abgelegenes norwegisches Dorf zieht. Als bei ihrer Tochter Verletzungen festgestellt werden, geraten die Eltern unter Verdacht, ihr Kind körperlich misshandelt zu haben. "Fjord" erzählt den Konflikt zwischen dem Ehepaar und den norwegischen Behörden bewusst ohne einfache Antworten. "Der Film ist auch Ausdruck des Engagements gegen Radikalismus", sagte Mungiu am Samstag in seiner Dankesrede.
Großer Preis der Jury für den Russen Andrej Swjaginzew
Der Große Preis der Jury, die zweitwichtigste Auszeichnung des Festivals, ging an den russischen Regisseur Andrej Swjaginzew für seinen gesellschaftskritischen Thriller "Minotaur". Der Film erzählt von einem russischen Geschäftsmann, der in seiner Firma vor große Herausforderungen gestellt wird und eine Affäre seiner Frau aufdeckt. Swjaginzew verwebt die Geschichte mit der Allgegenwärtigkeit des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.
Den Preis für die beste Regie teilten sich direkt drei Regisseure: die Spanier Javier Calvo und Javier Ambrossi für das Drama "The Black Ball" ("La bola negra") und der polnische Filmemacher Pawel Pawlikowski für "Vaterland". Der Film mit Sandra Hüller erzählt von einem gemeinsamen Roadtrip von Thomas Mann und Erika Mann durch das zerstörte Nachkriegsdeutschland im Jahr 1949.
Wer noch geehrt wurde
Als beste Schauspieler wurden Emmanuel Macchia und Valentin Campagne für ihre Rollen in dem Film "Coward" des belgischen Regisseurs Lukas Dhont ausgezeichnet. Darin spielen sie zwei Soldaten im Ersten Weltkrieg, die sich ineinander verlieben.
Virginie Efira und Tao Okamoto wurden als beste Schauspielerinnen für das Drama "All of a Sudden" ("Soudain") geehrt. In dem Film entwirft der Japaner Ryūsuke Hamaguchi ein leises, aber eindringliches Drama über zwei Frauen, deren Begegnung ihr Leben auf unerwartete Weise verschiebt.
Der Preis für das beste Drehbuch ging an den Franzosen Emmanuel Marre für "A Man of His Time" ("Notre Salut"). In dem Film verarbeitet der Regisseur einen Teil seiner Familiengeschichte während des Zweiten Weltkriegs in Frankreich.
Deutsche Grisebach gewann Preis der Jury
Die deutsche Regisseurin Valeska Grisebach ist für ihren Film "Das geträumte Abenteuer" mit dem Preis der Jury ausgezeichnet worden. Grisebach erzählt in "Das geträumte Abenteuer" von einer Archäologin, die in einer bulgarischen Grenzstadt an einer Ausgrabungsstätte arbeitet. Als sie einem alten Bekannten helfen will, gerät sie zunehmend in ein Umfeld aus Kriminalität.
"Europa steht für mich für die Zusammenarbeit zwischen den Ländern", sagte die 58-Jährige in ihrer Dankesrede. Grisebach feierte mit "Das geträumte Abenteuer" ihr Debüt im Cannes-Wettbewerb. Ihr Vorgängerfilm "Western" lief 2017 bei den Filmfestspielen in der Reihe "Un Certain Regard".
Auch Barbra Streisand geehrt
Die französische Schauspielerin Isabelle Huppert würdigte die US-Schauspielerin Barbra Streisand, die mit einer Goldenen Ehrenpalme ausgezeichnet wurde, den Preis aber wegen einer Knieverletzung nicht persönlich entgegennehmen konnte. Streisand bedankte sich per Videobotschaft und sagte, Filme hätten "diese magische Fähigkeit", Menschen zu vereinen.
Keine Ehrungen für "Gentle Monster"
Leer ging hingegen der Wettbewerbsbeitrag "Gentle Monster" von Marie Kreutzer aus, in dem sich die österreichische Regisseurin mit Stars wie Léa Seydoux, Laurence Rupp oder Catherine Deneuve dem schweren Thema Kindesmissbrauch annähert.
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