Großer Behandlungsfortschritt bei Bauchspeicheldrüsenkrebs
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von Agenturen++ ARCHIVBILD ++ Neues Medikament befindet sich noch nicht in Zulassung
Bild: APA/APA/dpa/Jan Woitas
Ein neues und noch nicht in Zulassung befindliches Medikament könnte die Behandlungsmöglichkeiten bei Bauchspeicheldrüsenkrebs stark verbessern. In einer Wirksamkeitsstudie (Phase III) wurde die mittlere Überlebenszeit im Vergleich zu einer Chemotherapie in etwa verdoppelt, hieß es am Sonntag beim Jahreskongress der amerikanischen Onkologengesellschaft (ASCO) in Chicago.
Knapp unter 2.000 Menschen erkranken in Österreich jedes Jahr an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Weil die Krankheit zumeist erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt wird, gehört das Pankreaskarzinom mit einer Fünf-Jahres-Überlebensrate von rund zehn Prozent - bei fortgeschrittener Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose nur noch rund drei Prozent - zu den gefährlichsten Krebserkrankungen mit bisher ausgesprochen schlechten Therapiemöglichkeiten.
Neues Arzneimittel mit großem Potenzial
Die erstmals breit mögliche Blockade von sogenannten RAS-Onkogen-Mutationen durch den Wirkstoff Daraxonrasib könnte einen Umschwung bringen. Am Sonntag stellten Brian Wolpin (Dana-Farber Cancer Institute/Boston) und seine Co-Autoren, unter ihnen auch europäische Onkologen aus Heidelberg und Pisa, beim ASCO die erste groß angelegte klinische Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit des von einem US-Pharmaunternehmen entwickelten Arzneimittels vor. Die Daten wurden gleichzeitig im "New England Journal of Medicine" publiziert, wo erst vor kurzem auch eine erste frühe Veröffentlichung von Behandlungsergebnissen erfolgte.
Der Hintergrund: Seit Jahrzehnten ist eine potenzielle Achillesferse dieser Karzinome bekannt: Mutationen im RAS-Gen, welche das Zellwachstum antreiben. Das trifft auf mehr als 90 Prozent der Pankreaskarzinome zu. Ebenfalls jahrzehntelang galten RAS-Mutationen aber als medikamentös nicht beeinflussbar. Erst vor wenigen Jahren wurden mit den Wirkstoffen Sotorasib und Adagrasib Arzneimittel zugelassen, welche eine kleine Untergruppe dieser Mutationen (KRAS-G12C) blockieren. Das ist aber nur bei ein bis zwei Prozent der Bauchspeicheldrüsenkarzinome der Fall.
Das US-Pharmaunternehmen Revolution Medicines hat hingegen mit Daraxonrasib einen Wirkstoff entwickelt, der den gesamten RAS-Signalweg in den bösartigen Zellen hemmt. Dies erfolgt, wie die deutsche Pharmazeutische Zeitung vor kurzem schrieb, "unabhängig von der spezifischen RAS-Variante".
Große Studie bestätigt frühere Erkenntnisse
Für eine allfällige Zulassung des neuen Medikaments sind groß angelegte Wirksamkeitsstudien der Phase III notwendig. Nach viel versprechenden Ergebnissen aus einer frühen klinischen Untersuchung haben sich diese Resultate jetzt bestätigt. 500 Patienten mit metastasiertem Pankreaskarzinom und bereits einer medikamentösen Vorbehandlung mit einer Chemotherapie bekamen entweder den neuen Wirkstoff (täglich 300 Milligramm) oder eine weitere der herkömmlichen Zytostatika-Behandlungen. Fast 92 Prozent der Probanden wiesen RAS-G12-Mutationen auf, was die Wertigkeit von Aussagen über den breiten Effekt auf alle möglichen RAS-Varianten einschränkt.
Schon in der ersten frühen Studie hatte sich bei den Patienten mit RAS-G12-Mutationen ab Beginn der Behandlung ein Ansprechen über einen Zeitraum von im Mittel 8,2 Monaten gezeigt. Die mittlere Überlebenszeit ohne Fortschreiten der Erkrankung betrug 8,5 Monate, die mittlere Überlebenszeit 13,1 Monate.
Die neue Wirksamkeitsstudie hat diese Resultate weitgehend bestätigt. Bei den Patienten mit RAS-G12-Mutationen erhöhte sich die mittlere Überlebenszeit von 6,6 Monaten bei Chemotherapie auf 13,2 Monate mit dem neuen Medikament, das ohne zusätzliche Chemotherapie verabreicht wurde. Bis zum Fortschreiten der Erkrankung dauerte es mit Daraxonrasib im Mittel 7,3 Monate, bei Chemotherapie hingegen 3,5 Monate. Die Häufigkeit eines Abbruchs der Behandlung vor allem wegen Nebenwirkungen war mit 1,2 Prozent (Daraxonrasib) ausgesprochen gering und betrug im Vergleich unter Chemotherapie etwa das Zehnfache.
Untersuchung auf Wirksamkeit bei anderen Krebsformen
In den Vereinigten Staaten ist das Arzneimittel im Rahmen eines speziellen Programms für bestimmte Patienten bereits zugänglich. Offizielle Zulassungsanträge bei der US-Arzneimittelbehörde FDA oder der europäischen EMA sollen gestellt werden.
RAS-Genmutationen kommen aber insgesamt bei bis zu rund 30 Prozent aller Krebserkrankungen vor. Das trifft zum Beispiel auf 45 Prozent der Dickdarmkarzinome und auf bis zu 35 Prozent der nicht-kleinzelligen Lungenkarzinome zu. Deshalb laufen bereits mehrere Studien mit dem neuen Behandlungsprinzip bei solchen Krebserkrankungen. Auch ähnliche Wirkstoffe wie Daraxonrasib werden von der internationalen Pharmaindustrie erforscht.
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