Hipp-Glas mit Rattengift im Burgenland sichergestellt
Veröffentlicht:
von AgenturenWarnung vor den Gläschen mit Karotten und Kartoffeln
Bild: APA/APA/TOBIAS STEINMAURER/TOBIAS STEINMAURER
Im Zusammenhang mit dem Rückruf aller Babykostgläschen von Hipp bei Spar Österreich ist am Samstagabend die Sicherstellung eines offensichtlich manipulierten Behältnisses in Schützen am Gebirge (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) bekannt geworden. "Dieses Gläschen war von einem Kunden gemeldet worden, ein Verzehr hat nicht stattgefunden", teilte die Landespolizeidirektion Burgenland mit. Eine Probe des sichergestellten Produkts wurde positiv auf Rattengift getestet.
Bereits zuvor hatten das Gesundheitsministerium und die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) auf APA-Anfrage in der Causa von möglicherweise beigemengtem Rattengift gesprochen. Es sei "besondere Vorsicht geboten, bis der Fall vollständig aufgeklärt ist". Es handle sich um einen mutmaßlichen Erpressungsversuch in Eisenstadt, hieß es auf der AGES-Internetseite.
Rattengifte enthalten demnach unterschiedliche Wirkstoffe mit entsprechend unterschiedlichen gesundheitlichen Auswirkungen. Der am häufigsten verwendete Wirkstoff sei Bromadiolon, ein sogenannter Vitamin-K-Antagonist. Dieser hemmt die Wirkung von Vitamin K, das für die Blutgerinnung erforderlich ist. Infolge dessen kann es zu einer verminderten Gerinnungsfähigkeit des Blutes kommen. Mögliche Folge davon sind unter anderem Blutungen (Zahnfleischbluten, Nasenbluten, blaue Flecken, Blut im Stuhl).
Verzögerte Symptome
Die Symptome tauchen typischerweise verzögert, etwa erst zwei bis fünf Tage nach der Aufnahme auf, wurde informiert. Bei Auftreten von Blutungen, extremer Schwäche oder Blässe ist umgehend eine Ärztin oder ein Arzt aufzusuchen, so die Handlungsempfehlung. "Informieren Sie medizinisches Personal unbedingt darüber, dass das betroffene Produkt verzehrt wurde. Überprüfen Sie Kindernahrungsmittel vor dem Verzehr sorgfältig (Aussehen, Geruch)", wurde geraten. Außerdem: "Falls Ihnen verdächtige Gläschen an Säuglingsnahrung auffallen, verständigen Sie bitte umgehend die regional zuständige Polizeiinspektion."
Mutmaßliche Erpressung
"Es handelt sich dabei um einen mutmaßlichen Erpressungsversuch", erläuterte die AGES online. Betroffen sei nach derzeitigem Stand eine Spar-Filiale in Eisenstadt. Bei entsprechender ärztlicher Behandlung, insbesondere durch die Gabe von Vitamin K, ist die Vergiftung gut behandelbar, informierten die AGES-Experten.
Hipp-Elternservice-Telefon geöffnet
"Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir aufgrund der laufenden Ermittlungen derzeit keine weitergehenden Informationen geben können. Wir verweisen an die zuständigen Behörden", hieß es am Samstagvormittag auch in einer schriftlichen Anfragebeantwortung von Hipp an die APA.
Das Hipp-Elternservice Österreich für besorgte Mütter und Väter ist demnach statt üblicherweise nur werktags nun auch am Wochenende unter der Nummer +43-7612-76577-104 erreichbar. "Der Kanal ist offen und beunruhigte Verbraucher können sich jederzeit dort melden."
Unternehmen: Rückruf "vorsorglich"
Der Rückruf sei "vorsorglich erfolgt, um auch ein theoretisches Risiko auszuschließen", hieß es seitens der Hipp-Pressestelle gegenüber der APA. "Wenn ein Kind keine Beschwerden zeigt, besteht kein Anlass zur Sorge. Wenn Eltern unsicher sind oder Symptome bemerken, sollen sie sich bitte an Kinderarzt oder medizinische Notfallstelle wenden." Unklar blieb, wie viele Hipp-Gläser von dem Rückruf betroffen sind.
Die Causa war am späten Freitagabend publik geworden. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass durch Manipulation in den Artikel "Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel 190 Gramm" ein gefährlicher Stoff eingebracht wurde, hieß es in einer Aussendung von Hipp. "Der Verzehr eines solchen Gläschens kann lebensgefährlich sein", wurde betont.
Markierung am Glasboden
Nach derzeitigen Informationen sind die in Frage kommenden Produkte mit einer am Glasboden angebrachten Markierung in Form eines weißen Aufklebers mit einem roten Kreis erkennbar, wurde in dem Produktrückruf erläutert. Um einen unbemerkten Verzehr sicher auszuschließen, werden Kundinnen und Kunden gebeten, jedoch alle Hipp-Babykostgläschen, die bei Spar Österreich gekauft wurden, aus Sicherheit nicht zu konsumieren. Die Produkte können in jedem Spar-, Eurospar- sowie Interspar-Markt oder Maximarkt zurückgegeben werden. Der Kaufpreis wird auch ohne Kassabon rückerstattet.
Spar Österreich wurde Freitagabend über die Geschehnisse informiert, sagte Sprecherin Nicole Berkmann auf APA-Anfrage. Aufgrund des Verdachts einer Manipulation seien "aus Sorgfaltspflicht" vor Öffnung der Filialen am Samstag sämtliche Hipp-Produkte aus dem Sortiment genommen worden. Spar Österreich hat 1.500 Filialen in Österreich. Die Produkte wurden nun eingelagert. Bisher sei keines dieser mutmaßlich markierten Gläschen entdeckt worden, so Berkmann.
Mehr entdecken

Toronto verliert zum Play-off-Auftakt in NBA

Endergebnis in Ungarn: Zweidrittelmehrheit für Tisza sicher

Todesfall nach Nürburgring-Massencrash, Auer unbeteiligt

Stocker: Mehr als zwei Milliarden Euro einsparen

Hoffenheim beschert Bayern "Matchball" - Eta verlor Debüt

Iranische Boote schießen auf Tanker in Straße von Hormuz
