Jüdisches Museum setzt in Ausstellung auf das Verbindende

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von Agenturen

Künstler Eran Shakine schuf ein eigenes Werk für Wien

Bild: APA/APA/Jüdisches Museum Wien/Ouriel Morgensztern


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"Ein Muslim, ein Christ und ein Jude": Es klingt wie der Anfang eines Witzes, doch bei der neuen Ausstellung "A Muslim, a Christian, and a Jew" im Jüdischen Museum Wien geht es nicht um die Zuspitzung von Unterschieden, sondern um das Gemeinsame. Humorvoll und aufs Wesentliche reduziert verhandelt der israelische Künstler Eran Shakine hier Fragen nach Religion, Identität und Zusammenleben. Begrüßt werden die Besucher von einem Werk, das er eigens für die Schau geschaffen hat.

"A Muslim, a Christian, and a Jew spinning the same wheel" heißt die neue Arbeit, die jene drei Protagonisten, die auf allen gezeigten Werken zu sehen sind, auf einem Waggon des Wiener Riesenrads sitzen und in verschiedene Richtungen blicken, aber doch in dieselbe Richtung fahren. "Das Bild steht paradigmatisch für viele Aussagen der Ausstellung, in der es unter anderem um das gemeinsame Erleben geht", erläuterte JMW-Direktorin Barbara Staudinger am Dienstag im Rahmen der Presseführung.

Ein Muslim, ein Christ und ein Jude als Drillinge

"Wir leben in einer Zeit, in der Menschen, Identitäten, Religionen und Weltanschauungen immer mehr gegeneinander in Stellung gebracht werden", unterstrich Kurator Hannes Sulzenbacher die Beweggründe für die Einladung des Künstlers nach Wien. "Menschen werden immer mehr zu Vertretern von irgendetwas und werden immer seltener als Vertreter des Menschseins selbst gelesen. Letztlich stehen wir uns aber alle ganz gleich gegenüber." Besonders deutlich wird das im ersten Ausstellungsraum, in dem Shakine das Werk "Mother gives birth to identical triplets: a Muslim, a Christian, and a Jew" präsentiert. Es zeigt ein dem "Time Magazine" nachempfundenes Cover, in dem eine gesichtslose Frau drei ebenfalls gesichtslose Babys im Arm hält.

Es ist eines der wenigen Werke, die die drei Protagonisten nicht mit ihren typischen Zylindern und Fracks zeigen, die sie rein äußerlich ebenso ununterscheidbar machen. Gemeinsam begeben sie sich in unterschiedlichste Situationen. In den meist in Schwarz-Weiß gehaltenen Ölfarbstift-Zeichnungen sind sie etwa während einer Flut auf dem Dach eines Hauses zu sehen ("Ein Muslim, ein Christ und ein Jude warten darauf, gerettet zu werden"), blicken in entgegengesetzten Richtungen in die Sonne ("... sind absolut sicher, dass die Sonne in ihre Richtung scheint") oder blicken aus einer Raumkapsel auf die Erde hinab ("... versuchen, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen").

Auseinandersetzung mit dem 7. Oktober

Die Werktitel hat Shakine jeweils direkt auf die Leinwand geschrieben. Dabei bleibt der Künstler jedoch nicht immer im Monochromen, auch farbenreiche Arbeiten finden sich in seinem 2014 begonnenen Zyklus. Besonders emotional ist für den Künstler die Arbeit "A Muslim, a Christian and a Jew, Looking for love 6:32 am", wie er beim Rundgang durch die Schau erklärte. Genau um diese Uhrzeit habe am 7. Oktober 2023 der Hamas-Angriff auf Israel begonnen.

Er selbst sei in Berlin festgesessen und habe die Gelegenheit bekommen, einen Nachtclub unter der Woche als Atelier zu nützen. Dort hat er alles aufgesammelt, was von der Party der vorherigen Nacht übrig geblieben sei: Glitzer, Konfetti, eine Kondomverpackung oder eine Garderobenmarke hat er auf der schwarzen Leinwand verewigt, auf der die drei Protagonisten ausgelassen tanzen - wie jene jungen Menschen, die am frühen Morgen von dem Angriff auf dem Supernova-Festival überrascht und ermordet wurden.

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Das Trio besucht gemeinsam Auschwitz

Besonders freut sich der Künstler, dass das Jüdische Museum eine Arbeit zeigt, vor der andere Museen bisher zurückgeschreckt seien: Das in Pastellfarben gehaltene Gemälde zeigt den Muslim, den Christen und den Juden unter dem Eingangstor von Auschwitz, wobei einer der drei weiter hineingeht und die anderen beiden von innen auf das Tor mit der Aufschrift "Arbeit macht frei" zu blicken scheinen. Dass sie diese Arbeit gerade in Wien zeigen wollte, sei für Staudinger außer Frage gestanden, wie sie sagte.

Ihre eigenen Perspektiven können Besucherinnen und Besucher übrigens in einem eigens kuratierten Kreativbereich verewigen - und die dortige "Wall of Tolerance" nach und nach befüllen.

(S E R V I C E - Ausstellung "A Muslim, a Christian, and a Jew. Eran Shakine" im Jüdischen Museum Wien in der Dorotheergasse, 20. Mai bis 8. November, www.jmw.at )

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